Aktuelles Faktencheck: "Auslandspresse warnt vor deutschen Medien"

Faktencheck: „Auslandspresse warnt vor deutschen Medien“

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Brisant, was da angeblich eine Zeitung berichtet: Presse im Ausland soll vor deutschen Medien warnen, da diese insbesondere die AfD verleumden würden.

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Jener eingescannte Artikel wird auf Facebook und Twitter geteilt:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Dort heißt es:

„Der internationale Journalistenverband „European Press Watch (EPW)“ kritisierte in einer Stellungnahme eine „einseitige und irreführende Berichterstattung“ und kündigte an, das Credibility-Ranking deutscher Medien (…) um einen Punkt auf 2.0 zu senken.“

und

„Der Grund für diese harsche Maßnahme sind, wie Olaf Leifstroem, Sprecher der EU-Journalisten, erläutert, die als „unausgewogen“ und „verzerrend“ eingestuften Berichte in den deutschen Leitmedien zu den Bürgerprotesten in Chemitz. Darin würden zulässiger Protest nicht nur „inkriminiert“, sondern auch „die deutsche Oppositionspartei AfD nahezu systematisch verleumdet.““

Woher kommt dieser Artikel?

Erstmals tauchte der Artikel auf Twitter auf, veröffentlicht von einem Account mit dem bekannten roten Kreuz im Namen, ein Zeichen des Protestes von vornehmlich rechtsorientierten Nutzern gegen die Qualitätsfilterungsfunktion auf Twitter.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Auf Anfrage von uns, woher dieser Zeitungsausschnitt stamme, reagierte die Nutzerin bisher nicht. Aufgefallen ist allerdings, das jener Nutzerin gleich beide Accounts von „Daily Fake News“ folgen, einem Account, mit dessen Fakes wir uns schon desöfteren beschäftigen durften. Das alleine ist natürlich noch kein Beweis, brachte uns aber auf die Idee, den Artikel genauer anzuschauen.

Faktencheck Teil 1 – Der Text

Da ist der erste Anhaltspunkt, dass wir uns mal über jene „European Press Watch“ kundig machen. Wir selbst hörten noch nie von dieser Organisation, aber wenn diese so bedeutend ist, dass sie internationale Rankings für die Glaubwürdigkeit von Journalismus in einzelnen Ländern erstellt, muss ja etwas darüber zu finden sein.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Das ist schonmal enttäuschend. Nicht mal in irgendeinem Artikel wird die EPW erwähnt?
Na gut, dann schauen wir doch einmal nach den Personen, die im Artikel genannt werden, immerhin ist einer davon schließlich Präsident des Verbands und ein Journalist.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Das ist sehr enttäuschend. Über zwei Personen gibt es gar nichts zu finden, der Name der dritten Person scheint zumindest in einem alten Artikel von 1985 vorzukommen. Wenn Herr Leifstroem tatsächlich ein Journalist ist, muss er unglaublich erfolglos sein.

Zumindest die Zeitung, für die Olaf Leifstroem angeblich arbeitet, gibt es fast. Sie heißt Svenska dagbladet„, nicht „Svenska dagebladet“. Aber in dem Fall sind wir mal gnädig und schieben es auf Schlamperei. Jedoch lässt sich auch direkt in der Suche dort nichts von irgendeinem der drei namentlich benannten Personen finden.

Zwischenergebnis:
Die einzig namentlich genannten Personen und die Organisation, für die sie arbeiten, lassen sich nicht verifizieren.

Faktencheck Teil 2 – Die Grafik

Da fällt unser erster Blick auf das Logo der „European Press Watch“.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Ungeschönt der erste Gedanke des Autors: „Are you fu***ng kidding me?“
Das Logo dieser angeblich international agierenden Organisation sieht aus wie ein Word-Clipart? Dazu noch ein Zeichensatz, der eher zu einem Limonadenstand beim Kindergartenfest passt? Für einen renommierten Verband von internationalen Journalisten ist das, gelinde gesagt, extrem schlampig und dazu noch unsauber eingefügt (hellblauer Hintergrund des „Logos“, am linken Rand zerfleddert)

Zwischenergebnis:
Da hatte jemand nicht wirklich Lust, ein glaubhaftes Logo zu erstellen und stattdessen das erstbeste Word-Clipart genommen, was ihm oder ihr über den Weg gestolpert ist.

Faktencheck Teil 3 – Das Layout

Da wurde an einigen Punkten extrem schlampig gearbeitet, was keinem normalen Druckmedium passieren würde, alleine schon wegen den in Redaktionen verwendeten Programmen, um das Design millimetergenau positionieren zu können. Natürlich kann man das auch mit anderen Programmen, allerdings legte der Ersteller des Artikels darauf augenscheinlich keinen großen Wert… „wird ja bestimmt keinem auffallen“?
Falsch. Uns schon.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Hier ist schonmal zu sehen, dass an der Ecke des „Info“-Kastens unsauber geschnitten wurde. An der oberen rechten Ecke fehlt ein Stück, der schwarze Balken ist länger als der graue Textkasten darunter.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Hier erkennt man, dass die weiße Umrandung des Kommentarkastens in den blauen, oberen Balken reinragt. Zudem ist der schwarze Rahmen um den Kommentar nicht bündig mit dem blauen Kasten darüber.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Was auf dem normalen Bild aussieht, wie das Durchscheinen der Rückseite, ist anscheinend in Wirklichkeit ein unsauberer Scanner gewesen, erkennbar an dem sich wiederholenden Muster auf dem linken Bild, was bei Erhöhung des Kontrastes sichtbar wird.
Zudem ist auf dem rechten Bild erkennbar, dass sich zwischen dem Artikel und dem Kommentar eine weiße Lücke befindet, die dort eigentlich nicht sein sollte.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Zu guter Letzt zeigt sich noch bei der forensischen Analyse, dass für den Artikel wahrscheinlich eine echte Zeitung als Vorlage genommen wurde (beispielsweise wurde der blaue Balken oben nicht verändert), jedoch sämtlicher Text und Bilder ausgetauscht wurden.

Weiterhin konnten wir noch kleinere Unstimmigkeiten im Layout feststellen, beispielsweise das die rote Unterstreichung der Überschrift nicht bündig mit den Buchstaben abschließt, was eher darauf hindeutet, dass der Unterstrich per Hand gefertigt wurde.

Fazit

Jener angebliche Zeitungsartikel ist sowohl vom Text als auch von den Grafiken und dem Layout her komplett erfunden. Die Namen der Personen und die Organisation sind nicht verifizierbar, das Layout und das „Logo“ der Organisation sind schlampig zusammengeschustert und entsprechen sicherlich nicht den Vorgaben und Ansprüchen einer internationalen Organisation und eines Printmediums.

Somit handelt es sich nach unserer Analyse eindeutig um einen Fake.

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