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Montag, 20 September 2021
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Annalena Baerbock besonders oft von Desinformation betroffen

Facebook-Themen

Falschmeldungen kursieren zu allen möglichen Themen in den sozialen Medien – so auch zur diesjährigen Bundestagswahl. Wie eine Untersuchung zeigt, ist besonders häufig die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock davon betroffen.

Die Untersuchung: Für die Untersuchung hat die Bürgerbewegung Avaaz sowohl die Rolle sozialer Medien und Facebook bei der Verbreitung von Falschinformationen als auch dort verbreitete Desinformationen analysiert.  Dafür wurden mehr als 800 Faktenchecks vom „Correctiv“, der „dpa“ und der „AFP“ untersucht, die als Fakt-Checking-Partner von Facebook fungieren. Primäre Themen dieser Fact-Checks bezogen sich auf Falschinformationen zur Corona-Pandemie, enthielten aber zudem 85 Desinformationsnarrative zu 30 deutschen Politikerinnen und Politikern.

Baerbock und Grüne besonders häufig betroffen

Betrachtet man bei den Ergebnissen ausschließlich die Desinformationsnarrative, die sich gegen Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidaten richten, zeigt sich, dass Annalena Baerbock mit 71 Prozent besonders häufig betroffen ist. Während weitere 29 Prozent sich gegen den CDU-Kandidaten, Armin Laschet, richten, fanden sich zu Olaf Scholz (SPD) keine Falschmeldungen.

Die Auswertung von Avaaz zeigt, dass 71 Prozent der Desinformation im Netz Annalena Baerbock betreffen. (Quelle: avaaz.org)
Unter den Kandidierenden für das Kanzleramt ist Annalena Baerbock Ziel Nummer 1 von Desinformations-Narrativen. Insgesamt entfallen 71 % der Desinformations-Narrative über Kanzlerkandidierende auf die Kandidatin der Grünen. (Quelle: avaaz.org)

Auch im Gesamtergebnis führt Baerbock die traurige Spitze der Auswertung an

Mit 25 Prozent der Desinformationen, die sich gegen sie richteten, liegt sie noch vor Bundeskanzlerin Angela Merkel (13 Prozent) und Armin Laschet (10 Prozent).

Im Hinblick auf die Verteilung der Parteien, die von Falschmeldungen betroffen sind, zeigt sich ebenfalls, dass vor der CDU (32 Prozent) und SPD (19 Prozent), besonders über die Grünen (46 Prozent) Fake News verbreitet werden.

Wem Macht zugesprochen wird, steht im Fokus von Falschmeldungen

Laut Josef Holnburger, Experte für Rechtsextremismus und Verschwörungserzählungen bei der Denkfabrik CeMAS, seien besonders häufig Personen und Gruppen von Falschmeldungen betroffen, denen man viel Macht zuspreche. Auch sind Politikerinnen eher betroffen als Politiker. So sei es „im Grunde eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass Annalena Baerbock Hauptziel solcher Attacken wurde“ und die Grünen als Hauptfeind ausgewählt worden seien, so Holnburger weiter.

Armin Laschet hingegen sei als Person bislang noch zu wenig innerhalb der verschwörungsideologischen Szene aufgetreten, als dass man ihn als Kandidaten wahrnehme und somit bisher vergleichsweise wenig von Falschmeldungen betroffen, so Holburgers Vermutung. Bei Olaf Scholz hingegen geht er davon aus, dass er in den kommenden Wochen vermehrt in den Fake-News-Fokus rücken könnte, da er und die SPD zunehmend an Zuspruch gewinnen.

Ursprung von Fake News meist bei Facebook

Für eine Analyse befragte das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Avaaz 2.077 Personen zwischen dem 9. Und 12. Juli 2021. Dabei zeigte sich, dass bereits etwa 56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mit mindestens einer Falschmeldung über Baerbock konfrontiert wurden. Der Ursprung eines Großteils dieser Fake News stamme dabei von Facebook, von wo aus die Meldungen schließlich weitergetragen werden. Allerdings sei laut Holnburger auch der Messenger Telegram beim Aufziehen von Verschwörungskampagnen nicht zu unterschätzen. Insbesondere dort seien vermehrt Menschen vertreten, die sich so stark vom Diskurs abgewandt haben, dass sie mit Forscherinnen und Forschern nicht mehr reden wollen, weil sie sie als Teil des Systems bezeichnen“.

Die Auswertung von YouGov zeigte zudem, dass besonders viele Menschen (22 Prozent) im Fernsehen von Desinformationen erfahren, gefolgt von den Mainstreammedien (18 Prozent) und Facebook (17 Prozent). Weniger geben an, von Falschinformationen über Baerbock auf WhatsApp (10 Prozent) oder Telegram (5 Prozent) erfahren zu haben.

Der Einfluss der Medien

Besonders die Medien haben hier bei der Formulierung ihrer Überschriften eine besondere Verantwortung. Werden diese unklar, missverständlich oder möglicherweise in einer Frage, wie „Fordert die Kanzlerkandidatin wirklich ein Haustierverbot?“ gefasst, kann dies umso schneller zur Verbreitung von Falschmeldungen führen. Dabei kann sowohl die Verbreitung einer Desinformation von vertrauenswürdigen Organisationen als auch die Wiederholung solcher Meldungen laut Holnburger dazu führen, dass diese als glaubwürdiger eingeschätzt werden. Für den Umgang mit Falschinformationen rät er zur Methode des sogenannten Faktensandwiches. Dabei solle man zunächst das richtige Faktum nennen, dann die Falschmeldung besprechen und schließlich mit der Richtigstellung abschließen.

KI erkennt Falschmeldungen nur bedingt

In der Regel sollen Fake News auf Facebook mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden, was laut der Avaaz-Untersuchung aber nur bei rund 50 Prozent der Desinformationen über Annalena Baerbock zutreffe. Dies sei dadurch begründet, dass man durch eine Kopie eines bereits mit einem Hinweis markierten Beitrags das Prüf-System von Facebook austricksen könne. Auch wenn die Posts beinahe identisch seien, reiche es teilweise aus, ein anderes Bild einzusetzen oder das vorhandene anders zuzuschneiden. Dies könne die künstliche Intelligenz von Facebook nicht immer erkennen.

Deutschland ist Hauptziel russischer Desinformationen

Eine ebenfalls nicht unwichtige Rolle spielt das russische Staatsmedium RT Deutsch in den sozialen Medien. Trotz einer geringeren Followerzahl habe der Sender auf Facebook im ersten Halbjahr 2021 mehr Reichweite erzielt als „Bild“, „Tagesschau“ oder „Spiegel. RT Deutsch behandelte zuletzt thematisch primär die Corona-Pandemie und Covid-19-Impfungen – meist mit negativer Konnotation. Wie der Bericht von Avaaz zeigte, werden diese Meldungen zudem häufig von AfD-Politikern oder Fanseiten geteilt. Bereits im vergangenen Jahr warnte der Verfassungsschutz und das Innenministerium vor Berichten des RT Deutsch, da dessen Meldungen mehrfach von Faktencheckern als falsch entlarvt wurden. Eine Untersuchung der EU von März 2021 zeigte zudem, dass Deutschland das Hauptziel russischer Fake News ist.


Mimikama-Faktenchecks zu Annalena Baerbock


Weitere Faktenchecks rund um „WAHLEN“, findet man hier vor: https://www.mimikama.at/category/wahlkampf-wahlen-und-fakes/


Quellen:
Fake News: Annalena Baerbock im Fokus von Attacken im Internet (t-online.de)
Analyse von Avaaz: „Deutschlands Desinformations-Dilemma 2021

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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