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Sonntag, 25 Juli 2021
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Ab 2021: EU will Spritverbrauch überwachen (Faktencheck)

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Die EU-Kommission ist ab 2021 verpflichtet, den realen Kraftstoffverbrauch für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu überwachen

Ab 2021: EU will Spritverbrauch überwachen – das Wichtigste zu Beginn:

  1. Neuer Abgastest soll Differenz zwischen realem und von Herstellern angegebenen Spritverbrauch zeigen
  2. Ab 2021 müssen sämtliche Daten neuer Fahrzeuge an EU-Kommission übermittelt werden
  3. Art der Datenübertragung noch unklar

Zukünftig müssen Autohersteller die tatsächlichen Verbrauchsdaten jedes einzelnen neuen Fahrzeugs erfassen und an die Kommission übermitteln. Das soll einerseits mehr Transparenz schaffen. Und andererseits könnten auch so Autofahrer zur Sparsamkeit „gezwungen“ werden. Für die Hersteller bedeutet das, dass neue Autos nicht nur auf dem Papier, sondern auch im tagtäglichen Gebrauch sparsam sein müssen.

Neuer Abgastest

Diese Regelung ist unter anderem Teil des neuen Abgastests WLTP. Dadurch möchte die Kommission sicherstellen, dass die vom Hersteller angeführten Verbrauchswerte weniger stark vom tatsächlichen Verbrauch abweichen, wie das bisher oft der Fall war. Laut einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) lag der tatsächliche Verbrauch bei neuen Pkw zuletzt durchschnittlich bei 39 Prozent über dem Verbrauch bei Tests und somit den Angaben der Autohersteller.

Daten müssen ab 2021 übermittelt werden

Bereits seit dem 1. Jänner 2020 müssen daher sämtliche neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit dem sogenannten On-Board Fuel Consumption Meter (OBFCM) ausgestattet sein. Diese Software zeichnet den Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeugs auf oder auch den Energieverbrauch bei Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Autos. Ab 2021 müssen dann alle Fahrzeuge, die zum ersten Mal zugelassen werden, über OBFCM verfügen. Dann beginnt auch die Übermittlung der Daten an die EU-Kommission.
Über die neue Technologie verfügen bereits viele moderne Autos, daher sind große Hersteller-Firmen auf die Umstellung vorbereitet. Die Verbrauchsdaten verwendeten Hersteller bisher nur für interne Zwecke.

„Neu ist aber, dass die Hersteller ab 2021 verpflichtet sind, die Daten genau zu protokollieren und an die Kommission zu übermitteln“, sagt Peter Mock vom ICCT.

BMW teilte mit, dass bereits Vorbereitungen laufen. Mercedes beispielsweise unterstützt diese neue Regelung und hat bereits Modelle mit OBFCM an Bord.

„Im Vergleich zu den zertifizierten Normwerten kommt es im realen Fahrbetrieb regelmäßig zu Abweichungen“, sagt ein Mercedes-Sprecher.

Spritverbrauch: Abwicklung des Datentransfers und Veröffentlichungsdaten noch unklar

Wie der Datentransfer künftig abgewickelt werden soll, steht noch nicht fest. Verschiedenste Möglichkeiten werden aktuell noch diskutiert. Das ICCT sieht hier unterschiedliche Optionen. Die Daten könnten bei der TÜV-Überprüfung ausgelesen oder bei Stichprobenkontrollen im Straßenverkehr und an die Kommission übermittelt werden. Zentral verwaltete Fahrzeugflotten wie z.B. Autovermietungen könnten die Daten erheben und automatisiert, drahtlos und direkt aus dem Fahrzeug an die Kommission übertragen werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten bergen verschiedenste „Wenn“ und „Aber“ in sich.
Ein Auslesen der Daten beim TÜV würde die Übermittlung stark verzögern. Außerdem ist in einigen EU-Ländern der erste TÜV-Check erst nach vier Jahren verpflichtend. Stichproben oder eine Datenerhebung aus Fahrzeugflotten wiederum wären wenig repräsentativ.

„Bei der automatisierten Übertragung liegt die Verantwortung beim Hersteller, und das Fehlerrisiko durch die direkte Datenübertragung an die Kommission wäre minimiert“, sagt Mock.

Was auch noch offen ist, welche Zahlen letztendlich veröffentlicht werden sollen. Wenn die gelieferten Daten auf einzelne Modelle heruntergebrochen werden, hat man die Möglichkeit, den realen Verbrauch für jedes Modell anzugeben und verschiedene Modelle miteinander vergleichen zu können. Wird allerdings nur ein Durchschnittswert durch die Kommission veröffentlicht, würde die angestrebte Transparenz darunter leiden.

Autofahrer in puncto Sparsamkeit gefragt

Möglich wäre durch die neue Regelung und die damit erhobenen Daten, dass auch Autofahrer zum sparsameren Fahren gezwungen werden. Experten können sich vorstellen, dass die Einführung einer CO2-Verbrauchsbesteuerung denkbar wäre. Besonders sparsame Fahrer würden steuerlich entlastet werden. Fahrer, die einen höheren Kraftstoffverbrauch aufweisen, müssten dann allerdings mehr zahlen.

Langfristiger Zeitplan

Der aktuelle Zeitplan gibt vor, dass die EU-Kommission in der Erprobungsphase zwischen 2021 und 2026 jährlich einen Bericht veröffentlicht, was den Unterschied zwischen angegebenem und realen Spritverbrauch angeht. Das daraus resultierende und konkrete Gesetz für die Hersteller, um diese Differenz zu minimieren, muss bis spätestens 2030 von der Kommission eingeführt werden.

Quelle: Spiegel.de
Artikelbild: Shutterstock / Von Ensuper

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