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Montag, 20 September 2021
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600% höheres Sterberisiko für Geimpfte bei Delta? Faktencheck!

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Die letzten Wochen ist das Gerücht aufgetaucht, dass geimpfte Personen wesentlich häufiger nach einer Corona-Infektion der Deltavariante sterben würden.

Angeblich wäre das Sterberisiko um 600 % unter Geimpften Menschen bei Delta erhöht. Das habe angeblich die britische Gesundheitsbehörde veröffentlicht. Doch stimmt das so? Und ist der Zusammenhang korrekt dargestellt?

In verschiedenen Postings auf Social Media, aber auch in Telegram-Kanälen, lesen wir die folgende Aussage:

Geimpfte Menschen haben ein 600% höheres Risiko, an einer Covid-Variante zu sterben als ungeimpfte Menschen‼️
Diejenigen, die gegen das Wuhan-Coronavirus (Covid-19) geimpft wurden, haben eine mehr als sechsmal höhere Wahrscheinlichkeit, an einer zirkulierenden „Variante“ wie „Delta“ zu sterben, als ungeimpfte Menschen, die einfach nur Nein zu den seltsamen experimentellen Medikamenten von Tony Fauci und der Regierung sagen.
Neue Daten, die von Public Health England am Freitag veröffentlicht wurden, haben ergeben, dass im Vergleich zu nicht geimpften Menschen diejenigen, die sich gegen das chinesische Virus haben impfen lassen, ein weitaus höheres Risiko haben, einen qualvollen Tod zu erleiden, nachdem sie einer der vielen Varianten der Wuhan-Grippe ausgesetzt waren, die sich laut den Medien ausbreiten.

Faktencheck Sterberisiko: Woher die Basiszahlen?

Die Angaben hierzu sollen aus dem Technical briefing 17 der Public Health England stammen. Dieser wöchentlich erscheinende Bericht gibt die detaillierte Überwachung der Versionen Delta und Lambda wider. Die Risikobewertung für Delta wurde ebenfalls am 25. Juni 2021 aktualisiert, jedoch separat veröffentlicht (hier).

Die zahlen und Angaben in dem Bericht selbst sind dementsprechend vertrauenswürdig. Doch es gibt einen Unterschied zwischen dem, was der Bericht liefert und jenen Aussagen über das Sterberisiko: Der Bericht wertet oder interpretiert an keiner Stelle diese zahlen. Lediglich die in dem Bericht verlinkte Risikobewertung spricht im letzten Absatz davon, dass es zu früh sei, um das Verhältnis von Todesfällen im Vergleich zu anderen Varianten zu beurteilen. Ebenso sagt der Risikobericht aus, dass Delta stärker übertragbar ist als Alpha (vergleiche).

Faktencheck Sterberisiko: Wieso die Interpretation?

Bisher haben sich bereits zwei Faktenchecks damit befasst, wie die Interpretation der 600% mehr Sterbefälle entstanden ist. Sowohl die FaktenprüferInnen von AFP, als auch der Deutschen Presse Agentur (dpa) sind sich sehr einig, dass die entstandene Interpretationen zu dem Bericht irreführend sind und sich der Auslassung bedienen. Die Interpretation der hohen Sterberisiko unterschlägt bewusst folgende Aussage, welche die dpa nochmals deutlich erwähnt:

Der Report zeigt nämlich klar, dass Menschen mit Corona-Schutzimpfung ein deutlich geringeres Risiko haben, sich überhaupt zu infizieren: Menschen mit vollständiger Corona-Impfung machen nur knapp sieben Prozent der Erkrankten aus. Der PHE-Report betont zudem, dass die Impfungen von Astrazeneca und Biontech eine hohe Wirksamkeit auch gegen die Delta-Variante haben […]

In dem AFP Faktencheck lesen wir zudem ein sehr interessantes Intwerview mit Prof. Dr. Helmut Küchenhoff und Prof. i. R. Dr. Norbert Henze. Beide sprechen an dieser Stelle von dem sogenannten Simpson-Paradoxon, welches bei dieser Darstellung zum erhöhten Sterberisiko zum Tragen kommt.

Simpson-Paradoxon bedeutet, dass in der Statistik Ergebnisse unterschiedlich interpretiert werden können, je nachdem ob sie in Zusammenhang mit ihren Gruppen gesehen werden oder nicht. Speziell dann, wenn einzelne Daten mit unterschiedlicher Gewichtung in das Gesamtergebnis einfließen. Vor allem dann, wenn sich zwischen den Daten der Einzelergebnisse sehr große Unterschiede zeigen. Henze wird in dem Faktencheck mit folgenden Worten zitiert:

„Das Gefährliche am Simpson-Paradoxon ist, dass man – je nachdem, was man in den Wald hinausposaunen möchte – nur die eine Seite der Medaille zeigt. Mündigen Bürgerinnen und Bürgern sollten aber die Komplexität in ihrer Gesamtheit durchdringen.“

Insgesamt verweisen wir daher auf die jeweiligen Faktenchecks von AFP und dpa.

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