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Samstag, 24 Juli 2021

Wie wirkt sich 5G-Strahlung auf uns aus? (Faktencheck)

Das Handy haben die meisten von uns immer dabei. Bald kommt ein neuer Standard.

  • Kommt mit 5G jetzt mehr Strahlung auf uns zu?
  • Wie gefährlich ist 5G überhaupt?
  • Welche Fakten gibt es aktuell zur Strahlenbelastung durch 5G?
  • Sind mehr Masten wirklich schädlich?
  • Und gibt es eine Verbindung zu Krebserkrankungen?

Dies hat für Euch „faktencheck.de“ von SWR3 gecheckt! Wir danken Prof. Martin Röösli für seine hilfreiche Expertise.


Wenn Angst krank macht – 5G aus wissenschaftlicher Sicht

Immer wieder sind in sozialen Medien Horrormeldungen über den neuen Mobilfunkstandard 5G zu lesen. Ganz vorne dabei sind Gerüchte über ganze Vogelschwärme, die durch 5G-Strahlung getötet wurden, und tausende Bäume, die gefällt werden, da sie die  Strahlung zu sehr abschwächen. Beides Behauptungen, die wir widerlegen konnten.

Doch sind dies nicht die einzigen Argumente von Gegnern des neuen Mobilfunkstandards. Petitionen, die auch von besorgten Wissenschaftlern unterzeichnet wurden, kursieren ebenfalls und geben der vorherrschenden Angst einen seriösen Anstrich, der allerdings nicht wirklich einem wissenschaftlichtlichen Grunddenken folgt.

Was macht Strahlung eigentlich gefährlich?

Der Physiker Florian Aigner nahm sich dieses Themas ebenfalls an und erklärt auf einfache Art und Weise, was eine Strahlung überhaupt erst gefährlich macht, und warum man sich vor 5G nicht fürchten muss.

So wird zwischen zwei Arten von Strahlungen unterschieden: ionisierende und nicht-ionisierende Strahlung.

Ionisierende Strahlung: Dazu gehört unter anderem die Gamma-Strahlung. Die Photononen haben sehr viel Energie, können dadurch in unseren Körper eindringen, die DNA schädigen und dadurch Krebs auslösen.

Nicht-ionisierende Strahlung: Dazu gehört Strahlung mit sehr viel weniger Energie, unter anderem Lichtstrahlung. Durch Lichtstrahlung sind wir überhaupt erst in der Lage, Farben sehen zu können, trotzdem bekommen wir keinen Krebs von der Farbe Grün. Mobilfunkstrahlung hat noch weniger Energie als Lichtstrahlung, da sie im Mikrowellenbereich liegt.

Ist Mobilfunkstrahlung also absolut ungefährlich?

Das kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen!
Und da kommen wir zum Punkt „wissenschaftliches Denken“. Die Wissenschaft ist kein feststehendes Dogma, sondern Ergebnisse sind ständigen Änderungen unterworfen.

So verhält es sich auch mit Untersuchungen zur Mobilfunkstrahlung:
Zwar gibt es (noch) keine wissenschaftlichen Nachweise, dass Mobilfunkstrahlung auf Zellebene Schaden anrichtet, doch vielleicht gibt es doch Mechanismen, die von der Wissenschaft noch nicht entdeckt oder erkannt wurden.
Wissenschaftlich kann man bisher nur sagen, dass schädliche Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung entweder nicht vorhanden sind oder so gering, dass sie keinen statistischen Ausschlag geben.

Aber natürlich ist das Ergebnis deswegen nicht „abgehakt“, die Untersuchungen gehen fortlaufend weiter. Es ist aber auf jeden Fall falsch, in Panik zu verfallen, weil man keine absolute Sicherheit über die (Un-)gefährlichkeit von Mobilfunkstrahlen hat, die wird man auch nie wirklich haben.

Florian Aigner vergleicht dies mit der Gefährlichkeit von Erdbeermarmelade, deren Unbedenklichkeit ebenfalls wissenschaftlich nicht nachweisbar ist, denn es ist nicht absolut bewiesen, dass Marmelade nicht vielleicht eine genetische Veränderung in uns hervorrufen kann. Trotzdem hat niemand Angst vor Marmelade.

„Aber ich kann die Strahlung spüren!“

Nicht von der Hand zu weisen sind Schmerzen, die Menschen empfinden, welche sich als „elektrosensibel“ bezeichnen. In sehr vielen Beiträgen auf Facebook berichten Menschen, dass sie unter Kopfschmerzen und Übelkeit leiden, gar von „Strahlenattacken“ auf sie berichten.

Natürlich wurde auch dieses Phänomen wissenschaftlich untersucht, denn vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass manche Menschen diese Strahlung spüren können.
Das Ergebnis ist allerdings eher ernüchternd:
Viele Menschen beschwerten sich beispielsweise über „Strahlungsschmerzen“, obwohl der frisch errichtete Sendemast noch gar nicht in Betrieb war. Ein wissenschaftlicher Nachweis der „Elektrosensibilität“ konnte bisher nicht erbracht werden.

Trotzdem haben diese Menschen ja reale Schmerzen. Und zumindest ein Auslöser konnte klar erkannt werden: Angst!
Bereits 2003 gab es eine größere Untersuchung zu dem Phänomen. So wurden zwar einige Menschen gefunden, die augenscheinlich eine gewisse Form von Elektrosensibilität haben, jedoch weitaus weniger Menschen, als in diversen Gruppen behauptet wird.

Aber auch hier gilt, dass die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind und weiter geforscht wird!

Zusammenfassung

Wissenschaftlich lässt sich bisher nicht nachweisen, dass 5G-Strahlung tatsächlich eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Dies bedeutet nicht, dass nicht vielleicht doch eine Gefahr vorhanden ist, jedoch ist diese, bisher zumindest, nicht nachweisbar.

Physikalisch zumindest ist bisher kein Nachweis der Gefährlichkeit erbracht worden. Die Argumentationen von „elektrosensiblen“ Menschen stehen auch auf wackeligen Beinen, da das Phänomen, wie man bisher feststellen konnte, zum größten Teil auf der Angst vor Strahlung beruht, nicht auf einer eigentlichen Strahlung.

So ist die momentan größte Gefahr nicht etwa 5G, sondern die Panik davor, die tatsächlich krank machen kann.

 


Verweise:


Mimikama und SWR3 gegen Fake News im Internet

SWR3 setzt reichweitenstarke Faktencheck-Reihe künftig auch als eigenes Youtube-Format um. Verschwörungsmythen und Gerüchte werden wissenschaftlich geprüft

Neue Faktenchecks von SWR3 sind ab sofort wöchentlich auf dem Youtube-Kanal „Faktencheck.de“ abrufbar. In den Videos erklärt Dr. Philip Häusser gemeinsam mit themenbezogenen, wissenschaftlichen Expert*innen, was an Mythen, polarisierenden Aussagen und weitverbreiteten Gerüchten wirklich dran ist.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

Artikelbild: Sangoiri / Shutterstock.com