Aktuelles Faktencheck: "50 Prozent der Blutspender sind immun gegen SARS-CoV-2"

Faktencheck: „50 Prozent der Blutspender sind immun gegen SARS-CoV-2“

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Ein Fachartikel der Uni Wien soll aufzeigen, dass bis zu 50 Prozent aller Blutspender immun gegen SARS-CoV-2 seien – und das sogar schon vor der Pandemie.

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Zumindest lesen das anscheinend viele Leute aus dem kurzen Fachartikel heraus – oder lesen nur die Sätze, die ihnen gefallen und interpretieren sie um: Bis zu 50 Prozent aller Blutspender seien schon Jahre vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 immun gegen das Virus gewesen.

Facebook-Beitrag über die Immunität
Facebook-Beitrag über die Immunität

In dem oft geteilten Beitrag zitiert der Facebook-Nutzer einen Absatz aus ”VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 18/20 des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien:

„Interessanterweise findet man T-Zellen gegen SARS-CoV-2 auch bei einigen Menschen, die noch keinen Kontakt mit dem neuen Coronavirus hatten. Das zeigen mehrere internationale Studien aus den USA, Singapur, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. Die für diese Untersuchungen herangezogenen Blutproben stammen von gesunden Personen aus den Jahren 2015-2018, also lange bevor das SARS-CoV-2 in China erstmals aufgetreten ist. Je nach Studie konnten in 20 bis 50 Prozent der Blutspender T-Zellen gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden. Auch in Österreich haben wir in unseren bisherigen Untersuchungen in 30 Prozent der Blutproben aus den Jahren 2018-2019, also vor der Pandemie, T-Zellen gegen verschiedene SARS-CoV-2 Proteinen gefunden.“

Zudem verweist er auf zwei andere Veröffentlichungen, die die Erkenntnisse bestätigen, worauf wir gleich eingehen werden.

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Die Quellen

Als Quellen nennt der Nutzer die bereits oben erwähnte Virusepidemiologische Information der Medizinischen Universität Wien, ein Artikel von Peter Doshi auf bmj und die Ischgl-Studie.

Was sagt die Uni Wien?

Da die Uni Wien von dem Nutzer besonders hervorgehoben wird, werden wir uns diese Veröffentlichung auch als Erstes betrachten. Dies dauert auch nicht allzulange, da das Informationspapier (also keine Studie!) nur 6 Seiten lang ist.

Oben wurde ja bereits ein Absatz zitiert, aber lesen wir doch mal weiter, was in dem Informationspapier steht (und von dem Nutzer anscheinend „übersehen“ wurde):

Quelle: Medizinische Uni Wien
Quelle: Medizinische Uni Wien

„Inzwischen wissen wir von Studien aus den USA und Deutschland, dass es sich dabei vor allem um Gedächtnis T-Zellen handelt, die im Rahmen von Infektionen mit jenen vier bekannten Coronaviren gebildet worden sind, die relativ milde respiratorische Infektionen verursachen. Sie werden als HCoV-OC43, -229E, -HKU1 und -NL63 bezeichnet, kommen weltweit vor und verursachen etwa 30% der Erkältungskrankheiten, die man allerdings jedes Jahr wiederbekommen kann.“

Einfach ausgedrückt: Man fand T-Zellen, welche anscheinend durch Infektionen mit den harmloseren, bekannten vier Coronaviren entstanden und auch eine Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 zeigen.

Das Interessant an der Entdeckung ist, dass sie eventuell erklärt, warum bei vielen Patienten eine COVID-19 Erkrankung asymptomisch und milder verläuft. Dies ist jedoch noch Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen immun gegen SARS-CoV-2 sind!

Und warum schreibt er dann von Immunität?

Dies kommt wahrscheinlich von dem Artikel auf bmj, denn dieser trägt den Titel „Covid-19: Do many people have pre-existing immunity?

Es wird also die Frage gestellt, ob viele Menschen bereits eine vorher existierende Immunität gegen COVID-19 haben. Im weiteren Verlauf des Artikels wird sehr ausführlich auf die bisherigen Erkenntnisse über T-Zellen eingegangen.

Allgemein vermutet der Autor, dass jene T-Zellen zumindest die Grundlage für eine eventuelle Immunität bilden könnten, dies aber nicht bewiesen ist. Und am Ende beantwortet er auch die Frage aus der Überschrift:

„Könnte eine bereits bestehende Immunität einen besseren Schutz bieten als künftige Impfstoffe? Ohne Untersuchung der Frage werden wir es nicht wissen.“

Das Ergebnis ist also offen, eine Immunität aufgrund der nachgewiesenen T-Zellen nicht gegeben.

Und die Ischgl-Studie?

Jener Artikel über die Ischgl-Studie ist vom 25. Juni 2020 und führt nur die Ergebnisse der Bluttests aus, hat allerdings noch nicht die erst kürzlich erworbene Erkenntnis, dass jene Antikörper von Gedächtnis T-Zellen produziert wurden.

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Fazit

Die Behauptung sollte anscheinend den Verschwörungsmythos füttern, nachdem es das neue Coronavirus schon seit einigen Jahren geben soll.

Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Nach allen bisherigen Erkenntnissen wurden die Antikörper von T-Zellen gebildet, welche durch frühere Erkrankungen mit anderen Coronaviren entstanden sind.

Zudem bedeutet der Nachweis jener T-Zellen nicht, dass man immun ist. Vermutet wird aber, dass sie mit einem leichteren Krankheitsverlauf zusammenhängen, was aber noch Gegenstand weiterer Forschungen ist.

Artikelbild: Shutterstock / Von Olena Yakobchuk

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