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Vorsicht Geschichtsverdrehung: Heute ist nicht 1953

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Einschränkende Maßnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht vom 17. Juni 1953 in Dresden werden mit heutigen Corona-Eindämmungsmaßnahmen gleichgesetzt.

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Und mit diesem Vergleich wird das Plakat auf Facebook geteilt. In dem Aufruf von 1953 wurden Versammlungen mit mehr als drei Personen und Meetings in Dresden untersagt. Auch mussten Kinos und Restaurants  um 21 Uhr schließen. Wer sich widersetzte, dem drohte das Kriegsgesetz. Absender ist der Kommandant der sowjetischen Streitkräfte in Dresden.

In einigen Kommentaren wurde bereits angezweifelt ob jener Aufruf vom 17. Juni 1953. überhaupt echt ist. Tatsächlich ist er das, wie uns das Sächsische Landesarchiv in einem Schreiben bereits bestätigte. Es gehört zur Zeitgeschichtlichen Sammlung und wurde unter andrem 2003 in der „Dresdner Neuesten Nachricht“ abgedruckt. Interessanterweise benutzten laut Staatsarchiv die Sowjets tatsächlich auch den Begriff „Meeting“, der für einige Kommentator*Innen nach Fake klang.

Befehl von 1953
Befehl von 1953

Geschichte wiederholt sich immer?

Das scheinen sich zumindest einige Facebook-Nutzer*Innen  beim Anblick dieses Aufrufs zu denken. Und so wird auf Facebook zurzeit in einigen Posts ganz schnell die Verbindung zwischen Dresden 1953 und Deutschland 2020 gezogen. Denn für jene Nutzer*Innen hören sich die Anordnungen der sowjetischen Besatzungsmacht von damals verdächtig nach den Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie an. Ein Schelm wer da Böses denkt.

Wer hat in Geschichte wieder einmal nicht aufgepasst?

Weniger ein Schelm als Menschen, die in Geschichte wohl geschlafen haben. Am 17. Juni 1953 kam es zum sogenannte Volksaufstand in der DDR. An zahlreichen Orten fanden Proteste und Streiks statt, die von den Sowjets zum Teil gewaltsam niedergeschlagen wurden. Etwa 120 Menschen starben.

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Nun die Frage, kann man diese Situation mit der heutigen gleichsetzen? Nein, kann man nicht. An so einem Vergleich ist Vieles falsch, zentral ist jedoch: Die Eindämmung einer für viele Menschen potenziell lebensgefährlichen Pandemie und diesbezügliche Maßnahmen stellen eine vollkommen andere Situation dar als Menschen, die gegen ein unterdrückerisches politisches System protestieren.

Auch wird Deutschland anders als die DDR damals nicht von einer undemokratischen Regierung und einer diktatorischen Besatzungsmacht kontrolliert, die jenes Versammlungsverbot in Dresden erlies. Im Gegenteil, die Corona-Maßnahmen werden von einer demokratisch gewählten Regierung bestimmt, die sich gegenüber der Justiz verantworten muss. Tatsächlich haben Gerichte Corona-Maßnahmen bereits gekippt.

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Geschichtsverdrehung als Gefahr

Solche falschen historischen Übertragungen können auch gefährlich sein. Denn sie suggerieren zum einen das Bild des heutigen Deutschlands als Unterdrückungsystems mit einer diktatorisch-stalinistischen Regierung, was nun wirklich nicht stimmt. Zum anderen werden die Gefahren der Pandemie als nicht-existent erklärt und Maßnahmen dagegen mit der unfreiheitlichen Regierungsweise in der DDR und unter den Sowjets gleichgesetzt. Auch wird der Protest von 1953 mit dem gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen auf eine Stufe gebracht.

Außerdem wird Geschichte verharmlost. Denn anders als damals werden heute keine Panzer gegen Demonstrant*Innen eingesetzt oder Menschen aufgrund von Protest jahrelang ins Gefängnis geworfen. Auch wird solch ein Vergleich den Protestierenden von 1953 nicht gerecht, von denen einige ihr Leben ließen, als sie für mehr Freiheit kämpften.

Das Ganze hat aber auch etwas Ironisches: Denn Menschen können heute Kritik an Maßnahmen öffentlich äußern. Auch können sie auf Facebook und auf anderen Plattformen Geschichte falsch darstellen. Denn anders als in der DDR 1953 gilt in Deutschland heute das Recht auf Freie Meinungsäußerung. Noch so ein kleiner signifikanter Unterschied.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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