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Freitag, 22 Oktober 2021

Bei +5°, wird der größte Teil unseres Planeten unbewohnbar!

1,5 Grad sind doch gar nicht schlimm!

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Tom Wannenmacher
Chefredakteur

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Es ist interessant, dass viele Menschen einen größeren Wert darauf legen, ihr Hackfleisch im Kühlschrank wohltemperiert zu lagern, als sich darum zu kümmern, was zu hohe Temperaturen mit der Erde anrichten können, die wir unsere Heimat nennen. Wenn das Hack zu lange zu warm gelagert wird, verdirbt es, fängt an zu müffeln und wir schmeißen es weg. Etwas komplizierter verhält es sich aber mit der Erde.

Temperaturschwankungen, Kälte- und Hitzeperioden gab’s doch schon immer! – Wirklich?

Ja. Tatsächlich gab es auch in der Historie der Erde immer wieder kältere und wärmere Perioden – Stichwort: Eiszeit oder mittelalterliche Warmzeit (ca. 950 – 1250 n. Chr.). Während diese aber sehr langsam verliefen und nur regionale Erscheinungen waren, steigt die Erdtemperatur derzeit deutlich rasanter und global. Hätte es einen solch kontinuierlichen Anstieg der Temperaturen bereits damals gegeben, wäre die Erde vermutlich bereits jetzt unbewohnbar.

Wie der Klimareport des Weltklimarates (IPCC) von 2013 zeigt, ist in der Zeit zwischen 1880 und 2012 die Mitteltemperatur in Erdnähe im Schnitt um Rund 0,85°C gestiegen, davon fallen rund zwei Drittel auf den Zeitraum seit Mitte der 70er Jahre. Seit 1980 gibt es bis heute immer neue Hitzerekorde. Klimaforscherinnen und Klimaforscher prognostizieren einen weiteren Temperaturanstieg um zwei bis vier Grad innerhalb dieses Jahrhunderts.

Ziel: 1,5 Grad Celsius

Seit dem Übereinkommen der Klimakonferenz von Paris im Jahr 2015 mit 190 Vertragspartnern, ist das sogenannte 1,5-Grad-Celsius-Ziel in aller Munde und wird als Maß für den Klimawandel gesetzt.  Das bedeutet, dass der Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius eingeschränkt werden muss, um die Folgen und Risiken des Klimawandels deutlich zu vermindern. 1,5 Grad Celsius klingt zunächst nicht erheblich. Aber wie wirkt sich diese so klein erscheinende Zahl auf das Leben und die Welt aus?

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Grad der globalen Erwärmung

Die Entwicklung des Temperaturanstiegs bei…

0,5°: Zunehmende Intensität und Häufigkeit extremer Wetterereignisse

: Instabilität der Nahrungsmittelversorgung

1,5°: Mehr extreme Hitzewellen, mehr Überschwemmungen, mehr Dürren

: Tödliche Hitzewelle und hohes Risiko von Lebensmittelknappheit

: Auslösung einer unkontrollierbaren Erwärmungsspirale. Dürren und Hungersnöte für Milliarden von Menschen

: Tödliche Hitzewellen jeden Sommer, hunderte überschwemmte Städte

5°: Der größte Teil des Planeten wird unbewohnbar, mögliche Reduzierung der Bevölkerung auf eine Milliarde


Grad der globalen Erwärmung | Wie heiß darf es werden?

Graph als Tabelle mit horizontaler Achse, Jahr 1880 bis 2100 und vertikaler Achse 0°C bis 5°C

Die durchgezogene Linie zeigt den 5-Jahres-Durchschnitt der globalen Land- und Ozeantemperaturanomalien (NOAA). Gepunktete Linien zeigen verschiedene Perzentile der Erwärmungsvorhersagen nach Raftery et.al, 2017. Inspiriert von The Guardian. Grafik: Gregor Aisch, Datawrapper Erstellt mit Datawrapper
Die durchgezogene Linie zeigt den 5-Jahres-Durchschnitt der globalen Land- und Ozeantemperaturanomalien (NOAA). Gepunktete Linien zeigen verschiedene Perzentile der Erwärmungsvorhersagen nach Raftery et.al, 2017. Inspiriert von The Guardian.  erstellt mit Datawrapper. Übersetzung: Mimikama


Bislang war es immer so, dass sich Menschen, Tiere und das gesamte Ökosystem an langsam steigende Temperaturen weitestgehend anpassen konnten. Dies ist bei einer derart rasanten Erderwärmung, wie sie derzeit stattfindet, kaum möglich. Die Erde besitzt in ihren verschiedenen Ökosystemen sogenannte Kipp-Punkte, bei denen ein Temperaturanstieg von 1,5 bzw. 2 °C bereits riesige und meist unumkehrbare Konsequenzen mit sich zieht:

Meere und Flüsse

Der Meeresspiegel steigt. Bei einer Erderwärmung um weitere 1,5 Grad Celsius um ca. 10 cm. Das klingt wenig, kann aber schwerwiegende Folgen haben. Beispielsweise eine schwere Sturmflut rund alle 100 Jahre an der Nordsee. Bei einem Anstieg um 2 Grad könnte eine solche Flut bereits alle 33 Jahre eintreffen. Hinzu kommt ein völliges Sterben der Korallenriffe, welche bei einem Anstieg von 1,5 Grad Celsius immerhin zu rund 30 Prozent erhalten bleiben könnten. Der steigende Meeresspiegel führt zudem zu extremen Wetterphänomenen, wie Wirbelstürmen. Einen Anstieg um ein Viertel im Vorkommen von Hurrikans der stärksten Kategorien konnte bereits verzeichnet werden.

Durch Flüsse, die über die Ufer treten, wäre bei einem Anstieg um 1,5 Grad Celsius 11 Prozent der Landfläche gefährdet, bei einem Anstieg um 2 Grad bereits 21 Prozent. Was solche Fluten auslösen können, war erst kürzlich in vielen Regionen Deutschlands zu beobachten: Neben enormer Gefahr für Leib und Leben, wurden hierbei Gebäude, Infrastrukturen und ganze Existenzen zerstört.

Der Temperaturanstieg in Flüssen kann zudem zu einem Mangel an Kühlwasser für Kraftwerke führen, da Flusswasser häufig von Kraftwerken zu diesem Zweck verwendet wird.

Hitze

Insgesamt werden die Temperaturen weltweit steigen. In manchen Regionen weit mehr als um 1,5 Grad, insbesondere auf der Südhalbkugel. Hitzewellen und Dürreperioden haben vielerlei schwerwiegende Folgen: Neben dem Gesundheitsrisiko für Menschen – insbesondere mit Kreislaufproblemen – steigt durch enorme Hitze das Waldbrandrisiko, es drohen Ernteausfälle und Bäume können in sogenannten „Hitzestress“ verfallen. Das bedeutet, dass sie ihre Spaltöffnungen verschließen und dadurch weniger CO₂ binden können. Trockene Bäume wiederum steigern die Waldbrandgefahr, wodurch erneut CO₂ freigesetzt wird. Steigert sich die Erderwärmung um weitere 2 Grad Celsius könnten damit 62 Prozent der Fläche in Südeuropa durch Waldbrände zerstört werden, bei 1,5 Grad sind es rund 20 Prozent weniger.

Ein Anstieg der Erdtemperatur um 1,5 Grad Celsius würde dabei bedeuten, dass ca. jeder zweite Sommer ein Rekordsommer werden würde und die Höchsttemperaturen in Europa um ca. 3 bis 4 Grad Celsius ansteigen würden. Bei einem Anstieg um 2 Grad wären es bereits 9 von 10 Sommern und ein Anstieg der Höchsttemperaturen um fünf Grad Celsius. Bereits im Jahr 2018 gab es 20.000 Hitzetote, von denen laut einer Studie rund 37 Prozent auf den Klimawandel zurückzuführen sind.

Tiere und Pflanzen

Die Erderwärmung wird enorm zum Aussterben vieler Arten beitragen. Während es bei einem Anstieg von 1,5 Grad Celsius rund 4 Prozent der Wirbeltiere, 6 Prozent der Insekten und 8 Prozent der Pflanzen treffen würde, wären es bei 2 Grad bereits 8 Prozent der Wirbeltiere, 18 Prozent der Insekten und 16 Prozent der Pflanzen. Hinzu kommt ein Ungleichgewicht zwischen Pflanzen, insbesondere Bäumen und Insekten. Da sich Insekten schneller an klimatische Bedingungen anpassen können, als es bei Bäumen der Fall ist, werden voraussichtlich viele Bäume von Schädlingen befallen werden, die wiederum zum Baumsterben beitragen.

Eis

Im Zeitraum von 1979 bis 2012 reduzierte sich die Ausdehnung des Meereises in der Arktis in den Sommermonaten um bis zu 13,6 Prozent pro Jahrzehnt. Die Permafrostböden in Sibirien sind neben großen Eislandschaften auch ein riesiger Kohlenstoffspeicher. Nach Angaben des Potsdam-Instituts für Klimaforschung befinden sich dort mit 1300 bis 1600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff rund die Hälfte des gesamten weltweit im Boden vorkommenden Kohlenstoffs. Im Zeitraum von 1990 bis 2016 hat sich dieser Bereich bereits um 4°C erwärmt. Bis 2100 könnten dort durch weitere Erwärmung rund 15 Prozent des gespeicherten Kohlenstoffs freigesetzt werden und der Klimawandel somit nochmals beschleunigt werden.

Weitere Auswirkungen

Durch die wechselhaften Wetterlagen mit extremen Dürren, gefolgt von Starkregen und ggf. Überflutungen, kann es zu großen Ernteausfällen kommen. Generell wird es durch die Verschiebung der Vegetationsperioden für Landwirtinnen und Landwirte schwerer, Anbau und Ernte zu planen.

Dies kann wiederum zu Einkommenseinbußen, Armut und Ernährungsknappheit führen, was sich besonders in Entwicklungsländern zeigen wird – Lebensmittel werden durch die Knappheit zum Luxusgut. Hinzu kommt der Anstieg von Krankheiten, ob durch extreme Wetterbedingungen, Mangelernährung oder sonstige klimawandelbedingte Faktoren.

Wir müssen JETZT handeln!

Um das 1,5-Grad-Celsius-Ziel zu erreichen, dürfte die gesamte Welt nur noch rund 450 Milliarden Tonnen CO₂ ausstoßen. Um hier einen Anhaltspunkt zu haben: Allein Deutschland stieß im Jahr 2019 knapp 810 Millionen Tonnen aus.

Sollten tatsächlich alle bisher eingeleiteten Maßnahmen zum Klimaschutz eingehalten werden, wird die Erderwärmung dennoch am Ende des Jahrhunderts bei 2,4 Grad Celsius liegen. Die Folgen wären damit noch extremer als die oben aufgezeigten Beispiele bei Anstiegen von 1,5 oder 2 Grad Celsius.

Daraus lässt sich ableiten, dass die bisher getroffenen Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichen, um unsere Erde wieder auf einen Weg zu bringen, der sie für uns alle weiter bewohnbar macht. Es ist also jetzt an der Zeit zu handeln und mehr für den Klimaschutz zu tun!

Autorin: Annika Hommer

Quellen:

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