Faktencheck

Ein Affenvirus im AstraZeneca-Impfstoff soll die Affenpocken auslösen? Gute Güte…

Viele NutzerInnen sind da einer ganz heißen Sache auf der Spur: Die Schimpansen-Adenoviren im AstraZeneca-Impfstoff sollen der wahre Auslöser der Affenpocken sein. Weil… Affen und Viren halt. Doch diese simple Schlussfolgerung ergibt biologisch absolut keinen Sinn.

Ralf Nowotny, 30. Mai 2022

Die Behauptung

Es wird behauptet, dass ein Affenvirus im AstraZeneca-Impfstoff der wahre Auslöser der Affenpocken ist.

Unser Fazit

Die Behauptung entbehrt jeder Logik: In der Impfung befindet sich ein abgeschwächtes, nicht vermehrungsfähiges Adenovirus, die Affenpocken werden durch einen Orthopoxvirus ausgelöst. Alleine Biologisch ergibt die Behauptung keinen Sinn.

Nach dem Ausbruch der Affenpocken in verschiedenen Ländern zerbrachen sich Impfgegner anscheinend den Kopf, wie man diesen Virus irgendwie mit Impfungen in Verbindung bringen könnte und kamen auf eine scheinbar geniale Lösung: Sind im AstraZeneca-Impfstoff nicht Affenviren? Also sind das bestimmt die Auslöser, denn wie sonst sollen Viren, die (vom Namen her nur!) von Affen stammen, in den menschlichen Körper gelangen?
Tatsächlich aber wird da ein sehr simpler Schluss gezogen, der sämtliche, biologische Fakten außer Acht nimmt.

Die Behauptung

Ich war zugegebenermaßen erst einmal nur belustigt, als diese Behauptung in einem Kommentar unter einer unserer Artikel auf Facebook auftauchte, da dies doch nicht ernst gemeint sein konnte. Aber nein, tatsächlich ist diese Behauptung unter Impfgegnern weit verbreitet und beliebt:

Viele NutzerInnen haben sich daran erinnert, dass ja ein Schimpansen-Adenovirus im AstraZeneca-Impfstoff enthalten ist, zusammen mit embryonalen Zellen, also „tote Babys und Schimpansen“. Daraus wird dann gefolgert, da sich ja Affenpocken verbreiten, dass die Erkrankung von der Impfung kommen muss.

Die Inhalte des AstraZeneca-Impfstoffs

Wir berichteten bereits ausführlich darüber HIER. Adenoviren sind dem menschlichen Körper sehr bekannt, da sie Auslöser für eine Reihe von Beschwerden sind, unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut. Unser Immunsystem kennt also Adenoviren und würde sie sofort angreifen, deswegen wird beim AstraZeneca-Impfstoff getrickst:

In der Impfung finden sich stattdessen Adenoviren, die bei Schimpansen eine Erkältung auslösen. Diese wurden natürlich genetisch modifiziert: Sie können sich nicht mehr vermehren und können auch keine Krankheiten auslösen. Dieses Adenovirus transportiert die DNA des Coronavirus-Spike-Proteins in den Körper, damit das Immunsystem das Protein erkennen und schlussendlich auch das Coronavirus selbst bekämpfen kann.

Im AstraZeneca-Impfstoff befinden sich tatsächlich genetisch modifizierte Schimpansen-Adenoviren.

Auch über angeblich embryonale Zellen in dem Impfstoff berichteten wir bereits HIER: Tatsächlich werden Klone von Nierenzellen eines 1972 abgetriebenen Fötus zur Züchtung der Viren verwendet, doch diese gelangen nicht in die Impfung. Sie werden im Beipackzettel nur erwähnt, um die Herstellung der Viren transparent zu machen.

Die Affenpocken

Die Affenpocken, werden nicht etwa durch einen Schimpansen-Adenovirus ausgelöst, sondern durch einen Orthopoxvirus. Auch wenn Adenoviren ein breites Spektrun von Beschwerden auslösen können, werden sie allgemein auch als Erkältungsviren oder Schnupfenviren bezeichnet.

Orthopoxviren hingegen, die zur Familie der Poxviridae gehören, nehmen durch ihren Aufbau und ihre viruseigenen Enzyme eine Sonderstellung innerhalb der Viren ein, funktionieren auch gänzlich anders als Schimpansen-Adenoviren. Sie haben ein sehr großes Wirtsspektrum und lösen beispielsweise Kuhpocken, Katzenpocken, Elefantenpocken und Rattenpocken aus.

Der Name „Affenpocken“ stammt von den ersten dokumentierten Fällen der Krankheit bei Tieren im Jahr 1958, als zwei Ausbrüche bei zu Forschungszwecken gehaltenen Affen auftraten. Da man damals vermutete, dass diese Art der Pocken spezifisch bei Affen vorkommt, bekamen sie den Namen Affenpocken.

Heute wissen wir, dass das Virus nicht vom Affen auf den Menschen übergesprungen ist, auch sind Affen nicht die Hauptüberträger der Viren. Als dieser gelten afrikanische Nagetiere.

Die Affenpocken sind also keine spezifische Krankheit bei Affen, sondern tragen nur den Namen, da sie zuerst bei Affen beobachtet wurden.

Fazit

Es wurde also sehr simpel geschlussfolgert: In der AstraZeneca-Impfung ist ein Affenvirus, es breiten sich die Affenpocken aus, also muss das zusammenhängen. Doch nicht nur sind Affenpocken gar keine spezifische Affenkrankheit (afrikanische Nagetiere gelten als Hauptüberträger), auch handelt es sich um zwei unterschiedliche Virenfamilien.

Affenpocken bei Menschen sind seit 1970 bekannt, deswegen wirkt die damalige Pockenimpfung (in der BRD bis 1976, in der DDR bis 1982) auch zum größten Teil gegen die Affenpocken, da das die Affenpocken auslösende Orthopoxvirus simiae eng mit dem klassischen Pocken auslösende Orthopoxvirus variolae eng verwandt ist.

Zudem ergibt es auch keinen Sinn, dass die Affenpocken dann nur in bestimmten Clustern und jetzt erst auftreten, nicht etwa einige Wochen nach einer AstraZeneca-Impfung – denn die Schimpansen-Adenoviren halten sich ja schließlich nicht zig Monate im Körper, sie waren nur „Transportmittel“ für die DNA des Spike-Proteins.

Die Vermutung, dass die Affenpocken durch das Schimpansen-Adenovirus in der AstraZeneca-Impfung ausgelöst werden, ist also sowohl von der Logik, als auch biologisch absolut nicht haltbar.


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