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Abzocke auf Facebook: „Ich habe einen Gehirntumor und ich möchte Ihnen 150.000 EUR hinterlassen“

Tom Wannenmacher, 20. Oktober 2020
Abzocke auf Facebook
Abzocke auf Facebook

Auf Facebook versuchen Betrüger wieder einmal Nutzer abzuzocken!

Betrüger verteilen im Moment abermals erfundene Geschichten um Facebook-Nutzer abzuzocken. Diese Geschichten werden entweder als Statusbeitrag veröffentlicht oder direkt über den Messenger versendet. Man findet sie aber auch bei diversen Seiten-Bewertungen vor. Traurige Bilder, mitleiderregende Geschichten, harte Schicksale: Betrügern und Scammern ist kein Mittel zu pietätlos, um mit ihren Betrugsmaschen Aufmerksamkeit zu bekommen. Ganz neu und vielfach lesbar:

Was ich Ihnen sagen möchte ist, dass ich einen Gehirntumor habe, eine tödliche Krankheit, und es scheint mir, dass ich Ihnen bereits gesagt habe, dass ich schwer krank bin. Mein Arzt hat bestätigt, dass ich nicht mehr lange leben kann und dass meine Tage auf der Erde gezählt sind. Ich habe über 5 Jahre an dieser Krankheit gelitten. Ich habe meine Eltern und meinen Mann bereits bei einem Unfall verloren und ich habe keine Kinder in meinem Leben, weil mein Mann steril war. Ich suche jemanden, der ehrlich und freundlich ist und in Gott gewachsen ist, um mein Geschenk zu geben. Das Geschenk ist, dass ich 150.000 Euro auf meinem Bankkonto habe, die ich nicht verlassen und diese Erde verlassen möchte, und ich bereue es nicht, Sie zu kennen, aber ich danke Gott sehr, dass er mich zu Ihnen geführt hat. Ich bitte sie lediglich, dieses Geschenk mit beiden Händen anzunehmen, da es dazu beiträgt, Ihre Bedürfnisse und die Ihrer Familie oder Ihrer Lieben zu erfüllen. Nimmst du mein Geschenk an? Danke für dein Verständnis. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an diese E-Mailadresse: Larsenkarinahamborg@gmail.com

Mit solchen Nachrichten, wie diesen hier, drücken Betrüger gewaltig auf die Mitleidsdrüse, erwecken mit ihren Inhalten aber auch gleichzeitig die Gier der Menschen!

Zudem wurde auch noch Fotos über den Messenger gesendet, welche Beweisen sollen, dass es sogar auch schon eine Operation gab:

Screenshot / Facebook-Messenger
Screenshot / Facebook-Messenger

Die Fotos selbst, stammten mit Sicherheit nicht von der Person, die Im Moment diese Nachrichten an Facebook-Nutzer sendet. Ein Recherche ergab, dass diese aus dem Intern geklaut wurden. Man findet diese auf einer Webseite vor, wo man u.a. genau diese Bilder kostenpflichtig erwerben kann. Diese Webseite nennt sich: footage.framepool.com

Es handelt sich hierbei um einen sogenannten “Vorschussbetrug”

Diesen kennen wir bereits von diversen dubiosen Kreditangeboten auf Facebook. Wir haben u.a. hier darüber berichtet.

Solche Angebote wurden in der Vergangenheit zuhauf verschickt. Sei es per E-Mail oder auf dem Weg über Soziale Netzwerke… am Ende wollen diese Betrüger an euer Geld.

Verschickt werden solche Betrugsversuche unter anderem von der so genannten Nigeria Connection, die ihre Opfer um den Finger zu wickeln versucht, um dann dank der entstandenen emotionalen Nähe um einen finanziellen Vorschuss bitten zu können.

Meldet man sich also auf das oben genannte Angebot, in diesem Falle per E-Mail, kann man sich zu fast 100% sicher sein, dass man erst mal Transaktionsgebühren von mehreren Tausend Euro zu berappen hat, ehe man in den Genuss der genannten Spende kommt – oder auch nicht, denn es wird höchstwahrscheinlich keine Spende geben.

Die Nigeria Connection ist aber keine strukturierte Organisation, sondern es handelt sich hierbei um verschiedene Gruppen von afrikanischen Betrügern. Diese Betrüger leben zum Teil in Europa und zum anderen Teil in Nigeria.

Diese Internetbetrüger haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentenfälschung, Vorschussbetrug uvm. spezialisiert und sind seit geraumer Zeit auch mit vielen Fake-Profilen auf Facebook unterwegs.

Sie kontaktieren ahnungslose Facebook-Nutzerinnen, gewinnen ihr Vertrauen und geben nach einiger Zeit vor, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden.

Zusammengefasst:

Es wird kein Erbe bzw. wie in diesem Falle keine Spende geben. Auch sonst gibt es eher kaum jemanden im Internet, der so liebenswürdig und freundlich ist und unbedingt sein Geld verschenken möchte. Also tut es ihnen gleich und verschenkt nicht blindlings Geld an Internet-Bekanntschaften, die ihr noch nie real gesehen habt!

Artikelbild: Shutterstock / Von Chepko Danil Vitalevich

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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