Faktencheck

Nein, es wurden nicht 29 Wissenschaftler von 4 Robotern in Japan getötet!

Aktuell wird behauptet, dass in Japan 4 mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboter in einem Labor 29 Wissenschaftler getötet haben – doch die einzige Quelle dafür ist eine Ufologin und Verfechterin verschiedener Verschwörungsmythen.

Ralf Nowotny, 31. August 2022

Die Behauptung

Es kursiert die Behauptung, dass 4 Roboter in einem Labor in Japan 29 Wissenschaftler getötet haben.

Unser Fazit

Die Quelle ist eine Ufologin und Anhängerin verschiedener Verschwörungsmythen, die dies von einem unbekannten Marine erfahren habe. Letztendlich gibt es keinerlei Beweise, die für die Echtheit der Erzählung über Killer-Roboter sprechen, dafür aber einige Logik-Fehler, die gegen die Echtheit sprechen.

Der Aufstand der Maschinen – eigentlich etwas, was im großen Katastrophen-Bingo noch fehlt oder? Dieses fehlende Kreuzchen scheint eine kursierende Behauptung zu machen, wonach 4 Roboter in einem Labor in Japan 29 Wissenschaftler getötet haben sollen.
Doch irgendwelche Beweise, Medienberichte, Zeugenaussagen oder ähnliches gibt es nicht – nur eine bekannte Verfechterin von Verschwörungsmythen.

Die Behauptung

Die Geschichte von den gewalttätigen Robotern kursiert bereits seit Jahren, wird aber in den letzten Tagen wieder neu und breitflächig gestreut:

Auf Facebook alleine findet sich die Behauptung bereits oft
Auf Facebook alleine findet sich die Behauptung bereits oft

Demnach wurden zwei der Roboter auseinandergenommen, einer war nur ausgeschaltet, ein weiterer war teilweise demontiert. Der Letztere soll sich mit einem Satelliten verbunden haben, dort die Anleitung zum Zusammenbau heruntergeladen haben und sich selbst wieder zusammengebaut haben.

Dann hat der Roboter auch noch seine drei Kollegen wieder auf Vordermann gebracht, bevor sie dann 29 Wissenschaftler mit „Metallkugeln“ töteten – was eine „bekannte und respektierte Reporterin“ namens Linda Moulton Howell (was bereits ein Fehler ist, ihr Nachname ist Howe) berichtete.

Ist das guter Science Fiction Stoff, oder was? Ein verbreitetes Video mit den Aussagen Howes soll sogar die Roboter zeigen:

In dem Instagram-Video ist die oben genannte Linda Moulton Howe zu sehen, die von dem Hergang, wie oben beschrieben, erzählt, dazwischen sind kurze Videos mit Robotern zu sehen, die den Eindruck erwecken, als ob es sich um die „Killer-Roboter“ aus der Erzählung handele.

Wer ist Linda Moulton Howe?

Laut ihrer Webseite (siehe HIER) ist Howe eine in Stanford ausgebildete Journalistin, die sich zunächst auf Umweltthemen konzentrierte, dann aber zur UFO-Thematik umschwenkte, wofür sie beispielsweise 2017 von Erich v. Däniken den Stellar Citizen Award für herausragende Leistungen im investigativen Journalismus über UFO-Phänomene überreicht bekam.

Worum drehte sich die Rede?

Das Originalvideo der Rede ist zwar nicht mehr auf YouTube ersichtlich, jedoch konnten wir mit der Wayback Machine eine gesicherte Version finden, die auch abspielbar ist (siehe HIER). Wer also eineinhalb Stunden Zeit hat, kann sich den Vortrag gerne anschauen, für alle anderen fassen wir sie mal kurz hier zusammen.

In ihrem Vortrag, den sie im Februar 2018 (also nicht aktuell!) auf der „Conscious Life Expo 2018“ in Los Angeles hielt, dreht es sich hauptsächlich um Gefahren der künstlichen Intelligenz, Geschichten über Begegnungen mit Außerirdischen, Entführungen und alternativen Dimensionen.

Gleich zu Beginn jedoch erzählt Howe von den Robotern, wobei diese im Gesamtumfang des Vortrags eher wie eine Fußnote wirken – was umso erstaunlicher ist, da es sich doch eigentlich um eine wirklich sensationelle Meldung handelt:

„Am Samstag, den 26. August 2017, also vor nicht allzu langer Zeit, erhielt ich einen Anruf von einem Whistleblower aus der Welt des Geheimdienstes, den ich seit etwa anderthalb Jahren kenne. Er ist ein ehrenhaft entlassener Marinesoldat, aber er arbeitet weiterhin an Verträgen mit den Agenturen CIA, NSA und DIA. Ich habe überall in meinem Haus, in meinem Büro, in meinem Auto, überall Notizbücher, damit ich einen Telefonanruf aufschreiben kann, den ich nicht aufzeichnen kann oder für den ich nicht in meinem Studio bin.
Also habe ich dies fast Wort für Wort aufgeschrieben.“

Darauf erfolgt dann die oben genannte Erzählung.

Die Roboter in dem Video

Diese haben nichts mit der Erzählung Howes zu tun.

  • Der schießende Roboter stammt aus einer Reportage von CNN von 2017 (siehe HIER auf YouTube) über einen humanoiden Roboter, an dem die russische Stiftung für fortgeschrittene Forschungsprojekte arbeitete
  • Der Purzelbaumschlagende Roboter Stammt aus einem Video von 2019 (siehe HIER), die Firma „Boston Dynamics“ bewarb ihn als „den dynamischsten humanoiden Roboter der Welt“

Warum die Geschichte mehr als unwahrscheinlich ist

  • Howe nennt weder die Quelle der Information namentlich, noch den Namen des Labors, noch irgendeinen Namen eines der getöteten Wissenschaftler
  • Natürlich wurden Berichte darüber „von der Regierung unterdrückt“, aber es gibt auch absolut keine, nicht einmal vielleicht gefälschte Berichte über 29 Wissenschaftler, die plötzlich von der Bildfläche verschwunden sind
  • Howe ging auch gar nicht näher auf die Geschichte ein, obwohl sie ja für sich genommen eine Sensation wäre… sie fungiert nur eher als anekdotische Einleitung für ihr Folgethema, die Gefahren der Künstlichen Intelligenz

Die Rede geht dann noch von der Künstlichen Intelligenz über Begegnungen mit Außerirdischen (der Hauptteil des Vortrags) bis zum Abschluss, der wieder die Kurve zum Anfang findet: Dass Menschen von Außerirdischen durch genetische Manipulationen geschaffen wurden und wir damit quasi die Androiden der Aliens seien, so wie es Roboter heute für uns sind.

Zudem wandelte sich die Vorgeschichte ein wenig und enthält einen Hollywood-Logikfehler: In einem Interview mit “Mysterious Outpost Radio” (HIER zu hören) erzählt Howe, dass ihre Quelle, der Marine, nur in kurzen Texten oder 30-sekündigen Telefonaten mit ihr kommunizierte, weil sein Telefon abgehört wurde – sie hätten ja sonst herausfinden können, mit wem er telefoniert.

Doch diese Behauptung enthält gleich zwei eklatante Fehler:

  1. Würde er von der ersten Sekunde an aktiv abgehört werden, hätte er gar keine Informationen verraten, nicht mal Fitzel davon, da er ja damit Landesgeheimnisse verraten würde (es wurde ja schließlich „von der Regierung unterdrückt“).
  2. Diese „30 Sekunden Regel“ beim Abhören von Telefonaten ist ein sogenannter TV-Trope, der nur in Filmen und Serien vorkommt. Vielleicht dauerte es früher, in den Anfangszeiten des Telefons, so lange, ein Gespräch nachzuverfolgen, doch spätestens seit den frühen 1980ern gibt es keine mechanische Schaltungen mehr, die die Kabel der Gesprächspartner physisch miteinander verbinden mussten.

Zudem sagte sie, im Gegensatz zu den Aussagen in dem Vortrag, sie habe keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Gespräche. Der unbekannte Marine war auch plötzlich kein direkter Zeuge mehr, sondern habe nur Informationen darüber gelesen.

Fazit

Letztendlich gibt es keinerlei Beweise, die für die Echtheit der Erzählung über Killer-Roboter sprechen, dafür aber einige Logik-Fehler, die gegen die Echtheit sprechen. Auch überrascht es, wie nebenläufig Howe davon erzählt, sodass die ganze Geschichte mit aller Wahrscheinlichkeit nur als (aufregende) Einleitung für ihre eigentlichen Themen sind: Der Mensch als künstlich erschaffene Wesen einer außerirdischen Rasse.

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