100.000 € Entschädigung für einen deutschen Häftling?

Mimikama-Mitarbeiter, 31. Oktober 2017

Ein vielfach nachgefragter Artikel behauptet, ein deutscher Häftling habe 100.000 € erhalten, weil seine Diabetes innerhalb der Haft schlimmer geworden sei.

Den Fall gab es zwar wirklich – allerdings nicht in Deutschland. Unter anderem wird behauptet:
„Der Pfarrer sagte, dass die Opfer von Herrn Maiers Verbrechen in der Lage sein werden, Ansprüche auf das Geld zu erheben, bevor er darauf zugreifen kann, aber die politische Opposition sagte, dass „Pfusch“ bei den Strafvollzugsbehörden in erste Linie an der Auszahlung schuld sei.
Herr Schmidt sagte, Herr Maier habe ursprünglich versucht, mehr als 2 Millionen € zu fordern, und dass der Anwalt der Regierung viele seiner zahlreichen Behauptungen zurückwies, indem er argumentierte, dass auch sein eigenes Verhalten zur Verschlechterung seiner Gesundheit beigetragen habe.“

Sowie auch explizit Deutschland genannt wird:
Er sagte, die Regierung von Deutschland würde prüfen, ob es eine Regelung geben sollte, dass der Staat die Mittel in solchen Situationen zurückholen kann, wenn sich keine Opfer melden.
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Ähhh … aha

Wie man schon am holprigen Sprachstil und der offenen Nennung der kompletten Namen inklusive „Herr…“ merkt, handelt es sich hier offenbar um einen Artikel, der nicht aus Deutschland kommt, sondern eher in den amerikanischen oder englischsprachigen Journalismus passt, einfach wörtlich übersetzt und dann mit anderen Namen eingedeutscht wurde.
Eine kurze Recherche bestätigt dies. Im Gegensatz zu vielen eingedeutschten Fällen handelt es sich dabei allerdings nicht komplett um einen Hoax, sondern den Fall hat es so ähnlich gegeben. Ort des Geschehens war Australien. Darüber berichtet beispielsweise die DailyMail[1], MSN News[2] und die Herald Sun[3].

Und nun?

Ansonsten ist die sehr pauschal und ohne Quellenangaben versehene Geschichte eher mit Vorsicht zu genießen, denn aufgrund der falschen Darstellung des Ortes (Deutschland) und auch des fehlenden temporären Zusammenhangs, sowie auch unter Berücksichtigung des boulevardesken Charakters, bekommt diese Geschichte in ihrer aktuellen Erscheinungsweise eine eher falsche Gewichtung. Hier präsentiert eine Webseite, die kein Impressum trägt, eine Geschichte aus dem Februar 2017, ohne einen aktuellen Bezug liefern zu können und mit der bewussten Auslassung der Herkunft.
Ebenso weichen Facebookteaser und Story selbst voneinander ab!
Es dürfte sich hierbei also um eine Form der Fake-News handeln, die Leserklicks mithilfe von emotionalen Geschichten generieren möchte. Eine Viral-Story aus kommerziellem Antrieb. Dafür spricht auch das Titelbild, welches sich oftmals in klassischen Fake-News Artikeln finden lässt (vergleiche), nur dass dort eben die typischen Affiliate Links in die Fake-News eingebaut sind.


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