„Mord durch Corona-Impfungen“ – Es sterben nicht 0,8 Prozent aller Geimpften

Ralf Nowotny, 15. November 2021
Falsch
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Eine Behauptung, die von Mike Yeadon, Ex-Vizepräsident von Pfizer, stammen soll, kursiert nun als Pressetext: Angeblich sterben 0,8 Prozent aller Geimpften.

Es werden 100 Prozent aller Geimpften sterben. Irgendwann. Doch der Zeitraum für die 0,8 Prozent aller Geimpften ist laut einer Presseaussendung (siehe HIER, archiviert) nur zwei Wochen. Unmittelbar nach der ersten Impfung würden jene 0,8 Prozent sterben, sagte laut der Presseaussendung der Ex-Chef von Pfizer, Mike Yeadon.
Doch schon alleine mathematisch kann diese Behauptung nicht stimmen!

Wer ist Mike Yeadon?

Ob die Aussage tatsächlich von Yeadon stammt, ist nicht verifizierbar, eine direkte Quelle konnten wir jedenfalls nicht ausfindig machen. Yeadon ist ein britischer Pharmakologe und Anti-Impfstoff-Aktivist, der bereits im Oktober 2020 mit Falschinformationen auffiel, als er behauptete, die Corona-Pandemie sei „effektiv vorbei“ und eine Impfung sei nicht nötig.

Von 1995 bis 2011 war Yeadon tatsächlich erst wissenschaftlicher Leiter, dann zusätzlich als Vizepräsident bei Pfizer tätig. Dort war er für die Forschungsabteilung für Allergien und Atemwegserkrankungen zuständig.

Im Laufe der letzten Monate fiel er mit weiteren, kruden Thesen auf, so forderte er beispielsweise im Dezember 2020 zusammen mit Wolfgang Wodarg (der im März 2020 in SARS-CoV-2 keine besondere Gefahr sah) in einer Petition, alle Tests mit Corona-Impfstoffen sofort zu stoppen.

Hierzulande ist Mike Yeadon weniger bekannt, in den USA jedoch gilt er als der „Held der Impfgegner-Szene“, seit die Behauptung von ihm, dass die Corona-Impfung Frauen unfruchtbar machen würde, viral ging.

Kann das mit den 0,8 Prozent stimmen?

Dazu packen wir einfach mal den Taschenrechner aus oder öffnen eine Taschenrechner-App, denn da es mittlerweile Milliarden Impfungen gab, ist die Behauptung leicht nachzuprüfen.

Werfen wir dafür einfach mal einen Blick in die USA:
Dort wurden 225 Millionen Menschen verimpft (Stand: 8. November). Es müssten also bereits 1.8 Millionen Menschen innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung gestorben sein (0,8 Prozent).

Nun schauen wir auf die Berichte über Todesfälle nach der COVID-19-Impfung für den gleichen Zeitraum. Vom 14. Dezember 2020 bis zum 8. November 2021 erhielt das Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS) 9.549 Meldungen über Todesfälle nach den Impfungen.

Wichtig: Die FDA verlangt von den Gesundheitsdienstleistern, jeden Todesfall nach einer COVID-19-Impfung an VAERS zu melden, auch wenn unklar ist, ob der Impfstoff die Ursache war. Meldungen von unerwünschten Ereignissen an VAERS nach einer Impfung, einschließlich Todesfällen, bedeuten nicht unbedingt, dass ein Impfstoff ein Gesundheitsproblem verursacht hat.

Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle ist also 9.459 – das sind keine 0,8 Prozent, sondern gerade mal 0,004 Prozent, bei insgesamt 225 Millionen Geimpften und 432 Millionen Impfdosen.

Und das ist nicht einmal die endgültige Zahl, da nur bei sehr wenigen Todesfällen bisher ein direkter Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen werden konnte, so gibt es einen plausiblen Kausalzusammenhang zwischen dem Impfstoff von J&J/Janssen und TTS (Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom), einer seltenen und schwerwiegenden Nebenwirkung, die zu Blutgerinnseln mit niedrigen Blutplättchen führt und fünf Todesfälle in den USA verursacht hat.

Fazit

Die Presseaussendung mit der Behauptung wurde von dem österreichischen BZÖ-Politiker Karlheinz Klement veröffentlicht, der schon zuvor durch zweifelhafte Pressemeldungen auffiel, die widerlegt wurden.

Ob die Behauptung wirklich von Mike Yeadon stammt, ist nicht verifizierbar, doch eine einfache Rechnung beweist bereits, dass sie falsch ist:
Selbst die gemeldeten Todesfälle sind prozentual weitaus niedriger als die behaupteten 0,8 Prozent der Geimpften, die spätestens zwei Wochen nach der ersten Impfung sterben.

Die von Klement veröffentlichte Presseaussendung ist somit eine eindeutige Falschbehautpung. Eine weitere Aussage in der Presseaussendung über „infektionsverstärkenden Antikörper“ haben wir in einem gesonderten Artikel (siehe HIER) behandelt.


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