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Auf den letzten Artikel unseres Autors Matthias Werner „Das hat natürlich was mit dem Islam zu tun“ gab es einige empörte Reaktionen. Der Autor hat sich entscheiden, auf diese nochmal einzugehen.

Ich habe mich über die vielen Reaktionen auf den Artikel (Hier Link dazu) gefreut, auch über die Kritischen.

Es war uns bewusst, dass ein solcher Artikel Staub aufwirbeln würde. Die Reaktionen haben mich auch bewogen, noch einmal auf die Kritik zu reagieren. Ich habe auch festgestellt, wie schwer es ist, eine Antwort zu schreiben, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, persönlich beleidigt zu sein oder in wehleidige Forderungen nach Verständnis zu verfallen. Besonders hervorheben möchte ich eine sehr ausführliche und erkenntnisreiche Kritik, die ein User mir geschrieben hat. Danke für die Mühe!

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Ferner gibt es Dinge, die ich dadurch gelernt habe und als positiv ansehe: Die erwähnte Kritik schreibt zum Beispiel, dass sich 130 britischen Imame weigerten, den Attentätern von London eine islamische Bestattung zu gestatten, was unter Gläubigen eines der höchsten Sakramente ist. Die Verweigerung kommt quasi einem Ausschluss aus der islamischen Gemeinschaft gleich. Auch eine geplante Großdemo gegen Terror ist ein eindrucksvolles, positives Zeichen.

 

Dennoch gibt es beim Umgang mit Terror Aspekte, die kritisch zu sehen sind. Um diese sollte es im vorigen Artikel gehen, was wohl nicht deutlich genug wurde. Deswegen diese Stellungnahme zu einigen Kritikpunkten.




Ihr verbreitet rassistische Hetze!

 

Wenn jemand diesen Vorwurf machen will, dann bitte mir persönlich. Immerhin habe ich den Artikel geschrieben, der auch gerne kritisiert werden kann. Gerne kann man dem Volksverpetzer den Vorwurf machen, dass er diesem eine Plattform gegeben hat. Dabei ist aber zu bedenken, dass es im Vorfeld und auch im Nachgang redaktionsinterne Kritik an dem Artikel gab. Es stehen auch nicht alle RedakteurInnen hinter dem Artikel.

 

Aber ich bin froh, dass Thomas [Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer] ihn veröffentlicht hat. Er hat verstanden, dass es nicht darum gehen soll Hetze zu verbreiten, sondern darum Argumentationsmuster zu hinterfragen. Dies ist wohl nicht gelungen, dazu später mehr.

Die Seite heißt nicht ohne Grund Volksverpetzer. Wir sind Petzen und das kann auch durchaus bedeuten, dass eine Meinung veröffentlicht wird, die nicht jedem Menschen gefällt.

 

Ich teile auch nicht die Sichtweise eines jeden Artikels, aber ich lasse es mir gefallen, wenn die Argumente stimmen. Aber wenn es darauf hinausläuft, dass Rassismusvorwürfe pauschal gegen die gesamte Redaktion gemacht werden (ohne diese näher zu begründen) dann ist das keine legitime Kritik. Genau dasselbe gilt für Behauptungen, dass wir „Gift in die Gesellschaft“ träufeln und Ähnliches.

 

Mittel vs. Motive

 

Zunächst sollte zwischen Motiven und Mitteln unterschieden werden. Dass in dem Artikel Argumente auftauchen, die islamophobe Seiten ebenfalls verwenden, ist möglich, da ich solche Seiten nicht lese, kann ich es aber auch nicht beurteilen. Sollte dem so sein, könnte der Vorwurf gemacht werden, dasselbe zu sagen wie diese. Allerdings sollten in dem Fall auch die Motive betrachtet werden: Der Volksverpetzer handelt aus der Motivation heraus, Problemlagen aufzuzeigen, um diese dann angehen zu können. Da unterscheiden sich unsere Motive und Ziele doch massiv von Hetzseiten, die Muslime nur verunglimpfen wollen. Allerdings sollte bedacht werden, dass solche Seiten auch durchaus korrekte Dinge aussagen können (Mittel) – allerdings aus einer höchst fragwürdigen Motivation heraus – von der wir uns auch absolut distanzieren.

 

Was nicht geschehen darf, ist eine komplette Verdammung der Religion. Ich nehme an, dass viele Kritiker die Sorge hatten, dies sei meine Absicht. Ich hoffe aber, dieses Missverständnis hiermit aufklären zu können.

Was wollte der Artikel eigentlich aussagen?

 

Ziel des Artikels war es, die Diskussionsmuster zu beleuchten, die nach Terroranschlägen  durch muslimische Fundamentalisten auftreten. Mein Vorhaben war es zu zeigen, warum viele dabei auftauchende Aussagen kritisch zu sehen sind.

 

Denn diese bestehen oft aus Whataboutisms und anderen Ablenkungsmanövern, die eine Debatte erschweren.

 

Einige Beispiele wurden verwendet:

 

 

  • Der Verweis auf die Vielfalt des Islams, der Terror als nur einen irrelevanten Aspekt sieht und dass andere Dinge beim Islam wichtiger sind. So richtig das sein mag, lenkt dies aber von der Problematik ab, dass Terroristen behaupten, im Namen des Islams zu handeln und es durchaus Punkte im Koran gibt, auf die sie sich beziehen können.

 

  • Die Trennung von Islam und Islamismus, die einen Zusammenhang zwischen beidem leugnet. Gleichzeitig wurde mir vorgeworfen, von “dem Islam” zu sprechen, obwohl es “den einen Islam” in dem Sinne nicht gibt. Nun spreche ich von “dem Islam” als Sammelbegriff für diverse muslimische Strömungen – von liberalen bis fundamentalistischen. Ferner existiert keine Strömung für sich, sondern in einem Netzwerk von Auslegungsformen, die sich auch gegenseitig beeinflussen.

 

Fundamentalistischer Terror existiert auch nicht in einem Vakuum, sondern steht in einem Zusammenhang mit anderen Ereignissen: Sei es die Faszination des IS für Jugendliche oder salafistische Strömungen in Deutschland. Bei Radikalisierungen sind Übergänge fließend. Das heißt nicht, dass jeder Moslem affin für fundamentale Auslegungen des Glaubens ist, aber es gibt Menschen, die in diese Richtung beeinflussbar sind und diese Menschen müssen davor geschützt werden, abzugleiten. Wer eine Trennung, die einen Zusammenhang von Islam und Islamismus, fordert, leugnet solche fließenden Übergänge. Damit gibt man Terror und radikalen Sichtweisen eine Stellung außerhalb des Systems, in dem sie eigentlich zu verorten sind. Dass hierbei nicht das Gesamtsystem unter Generalverdacht gestellt werden sollte, ist richtig, nur sollte dies anders gehandhabt werden als mit o.g. Relationsauflösungen.

 

  • Ferner habe ich versucht, diese Muster in einen Gesamtkontext zu stellen, deswegen wurde auch das Türkeireferendum und die AfD erwähnt. Hier laufen nämlich ähnliche Muster in den Diskussionen ab.

 

Offenbar habe ich es nicht geschafft, dies deutlich genug darzustellen. Deswegen hat der Artikel wohl auch auf einige “wirr” gewirkt. Vielleicht habe ich bestimmte Vorannahmen zu falsch eingeschätzt und hätte diese besser berücksichtigen sollen.




Warum aber kam ich zu der These, dass die Art, wie über islamistischen Terror gesprochen wird, kritisch zu sehen ist?

 

Jean Baudrilliard nimmt an, dass nicht die Wahrheit wichtig ist, sondern nur noch die Verhandlung dessen, was für Wahrheit gehalten wird. Es ist ein typisches Phänomen in modernen Gesellschaften und dies kann jedem passieren. Sei es durch unreflektierte Vorannahmen oder durch Vorurteile. Es ist wichtig, dies zu bedenken und auch bei den eigenen Standpunkt darauf hin zu überdenken, ob man selbst solchen Simulakren unterliegt.

 

Ein gutes Beispiel für ein solches “Simulakrum” (nach Baudrilliard) ist Kabarett: Hier wird aus einer eindeutigen Perspektive argumentiert, die auch bewusst andere Perspektiven und Argumente auslässt, um ihr Ziel (Lachen) zu erreichen. Kabarett ist nicht objektiv. Zu viele Menschen aber nehmen die dortigen Positionen als einzige Sichtweise wahr. Nehmen wir ein anderes Beispiel: Kapitalismus. Anstatt diesen kritisch zu beleuchten, werden Punkte herausgegriffen, um diesen lächerlich zu machen, anstatt zu schauen, wie diese Aspekte durch die Logik des Kapitalismus hervorgebracht werden können.

 

Anstatt zu sagen, dass Terror im Namen eines Glaubens immer widerlich ist – egal wer diesen verursacht – wird auf den Terror anderer verwiesen

 

Ähnlich scheint es beim Islam: Hier wird ebenfalls nur das herausgegriffen, was für die eigene Botschaft wichtig ist. Wird auf den Terror anderer verwiesen, findet also eine Relativierung von Terror statt, nicht eine Verdammung jeglichen Terrors.

Genau deswegen wurde auch Hagen Rether erwähnt: Wer seine Meinung überwiegend aus dem Kabarett hat – und das scheinen inzwischen sehr viele zu sein – wird eben nicht versuchen, ein Gesamtbild zu erfassen.

 

Natürlich ist mein Artikel auch nur ein Mosaikstein eines Gesamtbildes und soll auch keine ganzheitliche Abhandlung des Islam sein, sondern nur die Kritik an der Diskussion über islamistisch motivierten Terror. Daran kann Kritik geübt werden. Gerne auch daran, dass das nicht deutlich genug wurde.

 

Dass der Islam zahllose Auslegungen hat oder dass er im Mittelalter progressiver war – das waren Dinge, auf die ich hingewiesen wurde. Diese Punkte sind richtig.  Es stellt sich aber die Frage: Was haben die mit der Frage zu tun, wie über Terror gesprochen wird? Allerhöchstens läge ein Zusammenhang in der Tatsache, dass diese Punkte auch zur Relativierung beitragen und ein weiteres Muster des Diskurses darstellen.

 

Zu den Tippfehlern:

 

Es ist mir bewusst, dass  meine Schachtelsätze für jede*N Korrekturleser*In eine Qual sind, weil ich auch gerne mal dann ein Wort vergesse und alles ungrammatisch wirkt. In der Tat aber haben wir bei der Korrektur nicht so sorgfältig gearbeitet. Das sollte – da gebe ich allen Recht – nicht passieren.

Ein paar Dinge, die über den Artikel behauptet wurden, aber zurückgewiesen werden müssen

 

Einige Kommentator*Innen unterstellten mir, ich würde Rechtsextremismus verharmlosen. Es ging dabei um Nationalsozialismus, die AfD und Rechtsextremismus. Natürlich ist Nationalsozialismus eine Form des Rechtsextremismus, hat aber in diesem eine Sonderstellung, da dieser viele rechtsextreme Einstellungen vereint. Aber nicht jede Form des Rechtsextremismus ist nationalsozialistisch. Um wirklich jemanden als Nazi zu bezeichnen, müssen deswegen diverse Punkte zutreffen, sei dies Antisemitismus, Rassismus, Führerprinzip, Expansionismus usw.

 

Nun treffen viele Punkte auf die AfD nicht zu, weswegen ich die Gleichsetzung von Nazis und AfD kritisiert habe. Das heißt nicht, dass die AfD nicht als gefährlich anzusehen ist, sondern dass ein anderer Umgang mit ihr notwendig ist. Auch bei der AfD gibt es ein Simulakrum, dass das Wesen der Partei nur unzureichend erfasst und es gibt Ansätze, die das Phänomen besser erfassen.

Warum ist dies gefährlich? Es gibt genug Menschen, die anfällig für AfD Thesen sind und meinen, dass diese Partei ungerecht behandelt wird. Merken diese, dass die Gleichsetzung mit der NSDAP an vielen Stellen nicht greift, so werden sie sich in ihren Annahmen bestätigt fühlen, dass ‘die AfD nur verunglimpft wird’. Wer die AfD als “Nazis” angreift, wird dann von diesen Menschen nicht mehr ernst genommen.

 

Ein anderer Vorwurf lautete, es würde mich nicht interessieren, was in muslimischen Ländern passiert

 

Natürlich weiß ich das und ich bin mit der Person darin einig, wenn sie sagt, dass vor allem Muslime unter Islamisten leiden. Interessanterweise war dies in der ursprünglichen Form in dem Artikel, wurde aber rausgekürzt. Vielleicht sind diese Kürzungen ein weiterer Grund dafür, dass einige Stellen wirr gewirkt haben.

 

Hier eine heraus gekürzte Stelle:

 

„Oft wird unterstellt, die westliche Welt würde ignorieren, dass Muslime am meisten unter Islamisten leiden und nur bei Anschlägen in der westlichen Welt Betroffenheit zeigen. Das ignoriert allerdings die Tatsache, dass Menschen von Ereignissen in ihrem Nahbereich eher betroffen sind, als von jenen, die weit weg geschehen. Dies ist ein psychologisches Phänomen. Das kann gern kritisiert werden und ist auch richtig, solange es nicht dazu dient, Anschläge im Westen zu relativieren. Denn es sollte nicht angenommen werden, Menschen im Nahen Osten würden jeden Anschlag in Europa mit Betroffenheit folgen. Diese interessieren sich auch eher für das, was in den umliegenden Ländern geschieht.“




Es wurde behauptet, ich würde “das Märchen der Islamisierung” glauben

 

Ich weiß nicht, wo der Begriff “Islamisierung” in meinem Artikel fiel oder wo dies herausgelesen werden konnte. Muslime, wie auch andere Gläubige, können auf unsere Gesellschaft und auf die Politik Einfluss nehmen. Das ist aber kein Beweis für eine Islamisierung. Jede Interessengruppe in einer demokratischen Gesellschaft kann und soll ihre Interessen artikulieren. Genau so haben Gläubige das Recht auf Schutz vor Verfolgung und der freien Ausübung des Glaubens nach Artikel 4 GG. Aber Artikel 2 GG schützt auch die Freiheit des Einzelnen vor dem Eingriff anderer. Beide Artikel müssen somit von Fall zu Fall gegeneinander abgewogen werden. Ich sehe es kritisch, wenn der Glaube anderen aufgezwungen wird, wofür es auch Beispiele gibt. Ein Beweis für “eine Islamisierung” stellen solche Fälle aber dennoch nicht dar.

 

Ich halte eine säkulare Gesellschaft, in der Religion Privatsache ist, für wichtig.

 

Der Kampf gegen Rassismus und Islamophobie sollte letztendlich nicht dazu führen, dass Problemlagen verdrängt oder geleugnet werden. Diese sollen und müssen weiterhin angesprochen werden, um für eine freie Gesellschaft für alle zu kämpfen und jene zu kritisieren, die dieser entgegenstehen. Geschieht dies nicht, so führen jene die Debatte, deren Ziel es ist, Menschen(gruppen) aus unserer Gesellschaft auszugrenzen.

 

Ich hoffe, mit dieser Ergänzung und Stellungnahme meine Position verständlicher und unmissverständlicher gemacht zu haben.

Matthias Werner, Redakteur Volksverpetzer Werner studiert Sozial- und Kulturwissenschaften und wohnt im Ruhrgebiet.
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