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[Kolumne: Der Volksverpetzer. Eine Mischung aus Politik, Zeitgeschehen und Meinung.]

Journalismus ist nicht mehr das, was er einmal war. Aber wir können nicht auf „die Mainstreammedien“ verzichten. Denn es gibt keine Alternative zu Experten. Wir müssen besser lesen lernen.

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Expertise ist tot! Viele Menschen holen sich ihre alternativen Fakten von alternativen Medien. Weil man den Mainstreammedien und den Experten – oder gar der „Lügenpresse“! – nicht mehr trauen kann. Wäre das wirklich der Fall, dann könnten wir uns gänzlich vom Konzept der Wahrheit und Informationsbeschaffung verabschieden!

Niemand kann sich über alles selbst informieren. Niemand hat die Ressourcen, die Zeit oder die Ausbildung, um selbstständig Tatsachen, Aussagen, Statistiken und Zahlen zu überprüfen und zu recherchieren. Die meisten Leser*Innen haben nicht einmal die Zeit, mehr als die Überschriften zu lesen. Das sollte ein erfahrenes und ausgebildetes Team machen. Eine Redaktion. Dafür sind sie ja da!



Wissenschaftler, Journalisten, Ärzte etc.. Das sind alles Menschen, die von der Gesellschaft die Aufgabe erhalten haben, bestimmte Sachen zu verstehen. Dafür haben sie jahrelang studiert und Erfahrung gesammelt. Wenn wir diesen Menschen immer weniger vertrauen, stehen wir doch vor der Frage: Wem vertrauen wir dann?

Wenn wir Experten immer weniger vertrauen: Wem vertrauen wir dann?

Naja, wir glauben denjenigen, die einfach sowieso schon das sagen, was wir ohnehin glauben und erfreuen uns unserer sozialen Filterblase. Wenn wir Informationen bekommen, die uns gefallen, verbreiten wir sie weiter und wenn sie uns nicht gefallen, ignorieren wir sie stillschweigend. Dafür gibt es viele Gründe.

So funktionieren wir nun mal. Aber die Regierung konzentriert sich auch viel zu oft darauf, Wahlen zu gewinnen als zu regieren und die Medien haben ihre Glaubwürdigkeit dadurch verloren, dass sie sich mehr darauf konzentrieren, billige, einfache Dinge zu publizieren, die skandalös oder aufregend sind. Wahrheit und Glaubwürdigkeit verkaufen sich nicht. Sensationen schon. Und nicht immer ist das ein und dasselbe.

Warum funktioniert Journalismus heute nicht (mehr)?

Das liegt einfach daran, dass das finanzielle Modell, auf dem basierend Journalismus bisher funktioniert hat und die redaktionelle Kontrolle darüber, was und in welcher Reihenfolge die Menschen gelesen haben gleichzeitig zerstört wurde.

Vom Internet.

Im Internet gucken wir inzwischen nur sehr selten auf Titelseiten. Wir sehen hauptsächlich die Sachen in unserem Feed. Und was in unserem Feed erscheint wird nicht nach Wahrheitsgehalt, Ausgewogenheit oder Relevanz von Experten gefiltert, die beurteilen können, was was ist, sondern von unseren niedersten Instinkten.

Was man dann am Ende in unseren Feeds wiederfindet, sind Drama, Meinungen, Kontroversen, Dämonisierungen der Anderen und Selbstgefälligkeit. Einfaches, emotionales Schwarzweißdenken.

Und wie sieht das Angebot der Mainstreammedien aus?

Auf den Titelseiten der Zeitungen und Magazine oder der Tagesschau finden sich vorsortierte, gut recherchierte, seriöse und sachliche Meldungen. Wer hätte das gedacht? Wenn man eine breite Masse an wissenschaftlich fundierten, seriös verfasste Medien konsumiert, stellt man fest: Die Experten wissen tatsächlich, wovon sie reden. Und meistens kann man dabei wirklich was lernen.

Aber was ist mit den ganzen Negativbeispielen?

Ich sage gar nicht, dass Berichterstattung nie schlecht, schlampig, voreingenommen oder manipulativ ist. Das gibt es zu Genüge in der Medienlandschaft. Ganze Zeitungen sind voreingenommen oder bilden hauptsächlich eine politische Agenda ab. Aber schlechte Zeitungen oder schlechte Artikel machen nicht automatisch alle Zeitungen und alle Journalisten unglaubwürdig. Es gibt auch gute Artikel, gute Journalisten und gute Zeitungen.

Aber “die Medien” als Ganzes zu kritisieren, ohne ihre Schwächen und konkrete, fehlerhafte Berichterstattung qualitativ zu korrigieren, ist kontraproduktiv. Das lässt einen sich lediglich für etwas Besseres halten, ohne es wirklich besser machen zu können. Seiten wie BILDBlog oder Übermedien kritisieren den deutschen Journalismus, aber sie haben auch die Ressourcen und die Expertise, seine Fehler zu verbessern. Sie lehnen nicht Journalismus per se ab.

Es gibt schlechten und irreführenden Journalismus. Aber wir müssen ihn verbessern, nicht ihn ablehnen

Dass die Informationsbeschaffung heutzutage nicht mehr wirklich funktioniert, hat verschiedene Ursachen. Die großen Medienhäuser haben die neue Realität des Onlinejournalismus teils verschlafen, teils sind sie machtlos gegen den neu aufgekommenen status quo.

Eben weil Journalismus online viel größere Konkurrenz hat und Qualität kein Kriterium mehr ist, müssen sich Medien von Geldgebern abhängig machen – Und dies oftmals mit der Bedingung, mit einer bestimmten Agenda zu schreiben. Aber wir als Leser sind auch mitverantwortlich dafür, welche Arbeit wir durch unseren Klick und ein Teilen oder Retweeten belohnen.



Wenn wir ausgiebige Recherchen und jahrelange Erfahrung von Experten ignorieren oder gar ablehnen, weil sie unserer Weltsicht widersprechen, und dafür nur Clickbait lesen, der uns die Top 10 der süßesten Hundewelpen präsentiert, dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn alle Medienhäuser gezwungen werden, nur noch leichten, sensationellen und tendenziösen Mist zu produzieren. Angebot und Nachfrage.

Guter, seriöser und zuverlässiger Journalismus von Experten, die unabhängige Arbeit leisten, ist da draußen. Man muss ihn nur finden und lesen.

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Onlineaktivist aus Augsburg. Auf dem Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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