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Der türkische Staatspräsident Erdoğan erfreut sich vieler Anhänger, die ihm in jeder Aussage blind zustimmen. Davon gibt es auch welche, die in Deutschland leben. Kipp schaut sich deren Argumente an.

Hallo und willkommen zum neuen Eintrag. Heute soll es mal um einen der ganz Großen auf der Bühne der Weltpolitik gehen. Er ist ein Mann mit unvergleichlichem Sinn für Gerechtigkeit, einem Gespür für schützenswerte Traditionen und einer, wie er zuletzt noch einmal eindrucksvoll demonstrierte, bemerkenswerten Volksnähe.

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Die Rede ist von Recep Tayyip Erdoğan, dessen Namen ich im weiteren Beitrag konstant falsch schreiben werde, da ich zu faul bin, herauszufinden, wie man diesen Haken auf das „g“ bekommt. Ich hoffe, dass der Majestätsbeleidigungsparagraph rechtzeitig abgeschafft wird, damit ich für diesen Frevel nicht strafrechtlich belangt werden kann.

Ich könnte jetzt hier eine Menge darüber schreiben, was Erdogan schon alles in seiner politischen Laufbahn gemacht hat, doch das würde zu lange dauern, also versuche ich, es kurz zu halten. Legen wir den Fokus einfach mal auf jüngere Ereignisse. Wir alle erinnern uns an das große Verfassungsreferendum vor einigen Monaten, an die Böhmermann-Affäre und nicht zuletzt an den Putschversuch im Jahr 2016.




Hintergrund: 50.000 Verhaftungen und Machtergreifung

In der Türkei wurde sofort die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich gemacht und fortan begann man, eifrig Staatsdiener zu entlassen und fröhlich alles und jeden festzunehmen, der einem nicht passte. Konkret trifft es dabei meist Oppositionelle und andere Regierungskritiker, nicht selten Journalisten (z. B. Deniz Yücel) und zuletzt auch Menschenrechtsaktivisten. Über 50.000 Verhaftungen wurden in dem Jahr nach dem Putschversuch vorgenommen. Na, wenn das mal kein Grund ist, die Türkei für einen Friedensnobelpreis vorzuschlagen.

Vor wenigen Tagen hat sich der Putsch nun also zum ersten Mal gejährt, was in der Türkei beinahe festlich begangen wurde. Erdogan machte daraus ein Spektakel. Eine ganze Gedenkwoche wurde abgehalten, der Zusammenhalt der Türken wurde gelobt, es war die Rede von einem „Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit“. Ein Jahr lang hatte man nun also die Demokratie gerettet, den Ausnahmezustand aufrechterhalten und jeden Kritiker mundtot gemacht, den man erwischen konnte.

Die Erdoğan-Fanboys

Trotz allem erfreut sich Erdogan immer noch einer ordentlichen Fanbase, die ihm in jeder Aussage blind zustimmt. Auch unter den in Deutschland lebenden Türken und Türkischstämmigen blicken einige regelmäßig hinüber in die geistige Heimat und loben den guten Recep über den grünen Klee.

So, kommen wir langsam mal zu den Kommentaren. Ich bekomme ohnehin schon dauernd zu hören, dass ich zu lange Einträge schreibe.

Die ersten Kommentare habe ich unter diesem Artikel der WELT gefunden, der darüber berichtet, dass am Jahrestag des Putschs bei Telefonaten innerhalb der Netze der größten Mobilfunkanbieter der Türkei ein sechzehnsekündiger Audioclip abgespielt wurde, bevor sich die Telefonverbindung aufbaute. Im Clip gratuliert Erdogan den Türken zum Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit.

Grundsätzlich gibt es bei Meldungen zu Erdogan und der Türkei immer zwei dominierende Lager, nämlich Pro und Contra Erdogan. Und beide haben dabei je ein absolutes Totschlagargument.

Ergebnisoffener Whataboutismus

Die Recep-Fanbase, überwiegend türkischstämmig, gerne mit Türkeiflagge als Profilbild, argumentiert dabei mit dem, was ich gerne „ergebnisoffenen Whataboutismus“ nenne. Man lenkt vom Thema ab, indem man auf ein anderes Thema verweist, welchem vermeintlich mehr Aufmerksamkeit zusteht. Hier geht man allerdings noch einen Schritt weiter und nennt das Ersatzthema gar nicht erst. Konkret sieht das dann so aus:

Also, an dieser Stelle erkläre ich dir und allen anderen, die dahingehend noch Lücken haben, gerne kurz, wie Nachrichtenmeldungen funktionieren. Das Stichwort lautet hier Parallelität. Jede Nachrichtenseite schreibt parallel Artikel zu mehreren Themen, indem sie mehrere Mitarbeiter auf diese Themen ansetzt. Auf diese Art können zu allen potentiell relevanten Themen Meldungen generiert werden und die Frage, was davon relevant ist und was nicht, kann dann jeder Rezipient für sich beantworten, indem er aus den Artikeln nur diejenigen liest, die ihn thematisch ansprechen.

Hättest du weitergescrollt, hättest du vermutlich weitere Meldungen zu anderen Themen lesen können. Vielleicht hätte dich eines davon interessiert. Vielleicht wäre ein Artikel dabei gewesen, der dir erklärt, dass zum Beenden eines Satzes nur ein Satzzeichen notwendig ist und nicht zwei.

Doch du hast dich dafür entschieden, allen Lesern aktiv mitzuteilen, dass dich der Artikel nervt. Ich weiß ja nicht, ob du die Zeit nicht besser hättest verbringen können. Was soll denn nun passieren? Soll der Redakteur bei N24 sich jetzt denken „Ach jo, wenn der Cüneyt das sagt, dann schreiben wir da besser nix zu“?

Weißt du, was das Witzige daran ist? Was ein „Topthema“ ist und was nicht, richtet sich danach, wie viele Leser man damit erreicht. Würden Meldungen über die Türkei und Erdogan keinen interessieren, würde sie keiner anklicken und es würden weniger Meldungen dazu geschrieben werden. Aber sie werden angeklickt wie blöd. Und kommentiert. Von dir zum Beispiel. Somit hast du also mit deinem Gejammer einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass wir auch weiterhin viel über Erdogan in unseren Medien finden werden. Nett von dir.

Ok, zunächst einmal: Was soll das mit diesem „Erdogan hoch, Erdogan runter“? Das habe ich in wirklich vielen Kommentaren gelesen. Ist das irgendein Insider in der Türkei? Gibt es da ein gleichnamiges Gesellschaftsspiel oder sowas?

Esra macht sich Sorgen, wie wir uns fühlen. Nun, Esra, ich bin tatsächlich ein wenig geschockt. Ich persönlich wäre ziemlich angepisst, wenn sich meine Regierungschefin oder sonst irgendwer ungefragt auf meinem Handy dazwischenschaltet und mich vollblubbert, anstatt mich in Ruhe telefonieren zu lassen. Das würde mich nerven und zwar unabhängig davon, was ich sonst von der Person halte.

Den Vorwurf des Neids habe ich in dem Zusammenhang auch öfter gelesen und musste immer ein wenig lachen.

Basiert vermutlich grob auf folgendem fiktiven Dialog:

„Hey, deine Regierung unterdrückt kritische Meinungen, sperrt Leute unter Vorwänden ein und untergräbt den Rechtsstaat!“

„Ach komm, du bist doch nur neidisch.“

„Mist, erwischt. Ja, du hast Recht. Voll schlimm hier. Ich kann auf die Straße gehen und laut sagen, wie doof ich meine Regierung finde und die unternimmt rein gar nichts! Ihr habt’s gut, ihr werdet wenigstens einkassiert, wenn ihr das macht. Oder wenigstens mal gescheit mit Gummigeschossen bearbeitet, wenn ihr für die Rechte von Homosexuellen auf die Straße geht. Hach, muss das schön sein.“

Merkste selbst, ne, Esra?

Und ja, es  waren Millionen auf den Straßen. Einige sind sogar ein paar hundert Kilometer spazieren gegangen. Ach Moment, das waren ja gar keine Erdogan-Fans. Das war ja der Oppositionsführer. Zusammen mit tausenden weiteren Demonstranten, die alle nicht wirklich begeistert von Erdogan als Alleinherrscher sind.

Jaja, wir sind neidisch, wir haben es langsam verstanden. Aber dass unsere Regierung keiner will, wäre mir neu. Klar, es gibt viel Kritik an der Regierung, aber das ist ja nicht ungewöhnlich (bei uns ist das ja erlaubt. Neidisch? :P). Und hey, wenn wirklich alle Angela Merkel hassen, können sie sie das im September ja mal spüren lassen und sie abwählen. Dann müsste die in den aktuellen Wahlumfragen ja so richtig am Boden sein, oder?

(Quelle: Stern)

Upps… Na, so schlecht steht die CDU doch gar nicht da. Die CDU ist übrigens die Partei der Kanzlerin. Wir haben hier mehrere Parteien und es dürfen auch mehrere bei der Bundespolitik mitmachen. Bei uns werden bei den Wahlen mittlerweile statt Personen auch nur noch Parteien gewählt, die dann wiederum einen Kanzlerkandidaten stellen. Seitdem wir in den 1930ern mal schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, haben wir auch Abstand davon genommen, die Regierung aus lediglich einer Person bestehen zu lassen. Die fangen dann früher oder später immer an, Leute mit anderer Meinung zu verfolgen und… ach, was mache ich mir die Mühe?

Disclaimer: Ich habe hier nicht die Absicht, Werbung für die CDU oder für Angela Merkel zu machen. ich möchte nur der Aussage, dass alle Deutschen ihre Regierung hassen, entschieden widersprechen.

Okay, hier machen wir es kurz: Baho, die Aktion wurde von einem Vertreter der türkischen Telekommunikationsbehörde BTK bestätigt (siehe WELT-Link weiter oben). Da kannst du dich auf den Kopf stellen, es stimmt trotzdem. Aber okay, ich erklär dir kurz nochmal die Details: Es war ein Audioclip, der bereits weit im Vorfeld aufgezeichnet wurde. Der wurde dann quasi einfach abgespielt. Erdogan hat nicht mit allen telefoniert. Das wäre sehr aufwändig und kaum an einem Tag zu schaffen.

Ich möchte übrigens entschieden daran zweifeln, dass N24 mit dieser Meldung verschleiern möchte, was „im Bundestag so abgeht“, aber SOLLTE es tatsächlich die Intention der Meldung gewesen sein, so ist es ihnen nicht geglückt. Ich kann hier immer noch ziemlich detailliert nachlesen, was im Bundestag so passiert.




Kommen wir noch kurz zu den Erdogan-Gegnern.

Einige davon bekleckern sich argumentativ nämlich auch nicht gerade mit Ruhm. So wie auch bei der Pro-Erdo-Fraktion wird hier nämlich oftmals einfach immer dasselbe „Argument“ wiedergekäut:

Ich muss zugeben, ich verstehe den Grundgedanken. Jemand, der in einem Land A lebt, sich jedoch Land B verbundener fühlt und die dortige politische Situation als besser empfindet, den sollte ja theoretisch nichts davon abhalten, einfach dorthin auszuwandern. Wenn ich in Kommentaren so etwas wie „Scheiß Deutschland, die Türkei wird euch niedermähen!!!eins1elf!!“ lese, bin ich bei dieser Forderung sogar mit an Bord.

Aber ich muss auch sagen, dass die Richtung, aus der hier argumentiert wird, den Dialog zwischen den Meinungen eher untergräbt. In der Summe stehen sich hier „Kümmer dich um deinen Scheiß!“ und „Hau doch ab!“ gegenüber. Wer schon einmal versucht hat, nur mit diesen Aussagen einen Dialog zu führen, wird verstehen, was ich meine.

Auch wenn ich selbst Erdogans Politik sehr kritisch sehe, gibt es eben Leute, die dahinterstehen. Ja, auch in Deutschland. Dies führt nicht dazu, dass sie den Anspruch, hier zu leben, einbüßen. ich empfehle auch nicht jedem, der Volksabstimmungen nach Schweizer Modell fordert, sich doch einfach in die Schweiz zu verpissen. Fragt stattdessen lieber, welche Vorteile man sich als Türke von der Politik Erdogans verspricht. Fragt, WARUM das Gegenüber hinter Erdogans Politik steht. Außer „Er vereint die Nation. Er fördert den Zusammenhalt der Türkei“ kommt da nämlich meistens nicht viel.

„Die Türkei ist viel stärker wie Deutschland!!1“

Die übrigen Kommentare habe ich unter diesem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung gefunden, der ein relativ dystopisches Zukunftsbild der Türkei zeichnet, indem er die derzeitige Lage mit den Verhältnissen nach dem Militärputsch zu Beginn der 1980er vergleicht.

Bei „stärker wie“ musste ich mich schon kurz in die Tischplatte krallen, aber hier soll es ja nicht um Orthographie gehen. Zunächst mal: Was heißt denn für dich bitte „stärker? Sprechen wir hier von Wirtschaftsstärke? Wohl kaum. Oder hast du irgendwie vor, die Bevölkerungen beider Staaten im Armdrücken gegeneinander antreten zu lassen?

Wie „Erdogan mit der deutschen Regierung umgeht“, bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass ihm dauernd Nazivergleiche und Auslieferungsforderungen aus dem Gesicht purzeln. Ich muss sagen, ich störe mich da auch nur begrenzt dran. Klar, es ist unverschämt, aber ich muss da immer ein wenig an diese winzigen Hunde denken, die alles, was sich ihnen auf Sichtweite nähert, so laut anbellen, dass sie nach zwei Minuten vor Anstrengung hecheln müssen. Und dann habe ich unweigerlich Mitleid.

Journalisten dürfen übrigens, solange sie nichts Volksverhetzendes schreiben, in Deutschland unabhängig von der Regierung arbeiten.

Nicht jeder Deutsche, der in die Türkei kommt, arbeitet also für die Regierung. Und im Ernst, was glaubst du denn, wie das abgelaufen wäre? Glaubst du, die Regierung sitzt dann da und überlegt sich, wie man am besten die Türkei infiltrieren kann und kommt ernsthaft zu dem Schluss, Spione als Journalisten getarnt hinzuschicken, obwohl in der Türkei derzeit beinahe täglich Journalisten verhaftet werden?

Oliver geht noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach sind nämlich ALLE, die jemals (also „gestern“ und „heute“. Mal im Ernst, was soll das mit den Anführungszeichen?)  aus beruflichen Gründen aus Deutschland in die Türkei gereist sind, BND-Spione. Klingt ein bisschen paranoid, wie ich finde.

Welche Rassisten? Bezeichnest du, lieber Mert, hier wirklich alle Erdogan-Gegner als Rassisten? Hat dir schon mal einer erklärt, dass es auch eine Menge Türken gibt, die gegen Erdogan sind? Sind die dann auch Rassisten? Also… türkische Türkenhasser? Kannst dich entspannen, Mert. Wer die Türken aus rassistischen Gründen nicht mag, der mochte sie auch vor Erdogan nicht und wird sie auch nach Erdogan nicht mögen. Diejenigen, die gegen Erdogan protestieren, finden in erster Linie einfach Erdogan scheiße. Ja, es ist so einfach. Der Mythos von der „starken Türkei“, die der Westen krampfhaft zu unterbinden versucht, kratzt uns hier kein bisschen. Dementsprechend lautet meine Antwort auf die Aussage, dass wir „Angst haben“, auch: Ne, geht so.

Aber… aber… ich hasse die Türkei doch gar nicht. Okay, ich habe auch keine Produkte zu verkaufen. Aber was genau soll denn ein Boykott jetzt bringen? Glaubst du, uns gehen nun reihenweise Geschäfte pleite, weil du dort nichts mehr kaufst? Und beziehst du dich dabei auf Produkte deutschen Ursprungs oder generell auf Käufe in Deutschland, sodass dem deutschen Staat die Mehrwertsteuer zugute kommt? Wenn du Letzteres meinst, wird das aber für einen beispielsweise in Hessen wohnenden Türken ganz schön unangenehm, für den Wocheneinkauf jedes Mal ein paar Hundert Kilometer zu fahren.

Okay, Glückwunsch, du scheinst ja echt viel Geld zu verdienen. Aber irgendwie sind mir deine Urlaubspläne egal…

Okay, nun kenne ich auch dein Gehalt, ohne es zu wollen. Du verdienst ja wirklich viel Geld. Voll lieb von dir, dass du es in Deutschland versteuerst, obwohl deine „Heimat“ ja nach eigener Aussage in der Türkei ist.

Okay, so langsam wird es ein wenig gruselig. Schreibst du als Nächstes, welches Shampoo du verwendest? Also mal abgesehen davon, dass sich wahrscheinlich keiner darum schert, was du verdienst, wo du studiert hast und welches Auto du fährst (und wie schnell), ist mir jetzt auch noch immer nicht klar, was wir jetzt mit der Information anfangen sollen. Hat das irgendwas mit Erdogan zu tun oder wolltest du hier einfach mal ein wenig den Dicken markieren?

Achja, „Performance“ schreibt sich mit „a“. Wenn du schon den intellektuellen Besserverdiener raushängen lassen willst, mach es wenigstens richtig.




So, einen habe ich noch.

Puuh, was soll man dazu sagen? Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Mehmet gerade auf der Ebene ganzer Bevölkerungen vorgeschlagen, „mal vor die Tür zu gehen“ und sich zu boxen. Harter Knochen, der Mehmet. Leider ist er mit seiner Mentalität ein paar Jahrhunderte zu spät dran.

Und überhaupt, was ist „Pion“ denn bitte für eine dämliche Beleidung? Könntest du bitte spezifizieren, was genau du meinst? Hier eine Auswahl:

(Quelle links: Wikipedia; Quelle rechts: Wikipedia)

Übrigens hat sich dadurch, dass eine ganze Bevölkerung zur Masturbation aufgefordert wird, noch nie etwas geändert. Aber bitte, blöke ruhig weiter, dir scheint es ja zu helfen.

Fazit: Ich halte nichts von Erdogan. Ich halte ihn und seine Politik für gefährlich.

Man muss kein Historiker sein, um zu erkennen, dass das sukzessive Vereinen von immer mehr Macht und Entscheidungsbefugnissen auf einer einzigen Person unweigerlich zu einer Diktatur führt, unabhängig davon, ob man mit der Politik dieser Person einverstanden ist oder nicht.

Aber wenn das, was man in den Kommentaren von Erdogans Anhängern so liest, repräsentativ ist, ist es offenbar gar nicht so schwer, sich immer mehr Macht einzuverleiben und dafür trotzdem noch gefeiert zu werden. Wer Star Wars gesehen hat, erinnert sich vielleicht noch an den Satz von Padmé aus Episode III: „Und so geht die Freiheit zugrunde – mit donnerndem Applaus.

Wir im Westen wundern uns dauernd, wie eine einzelne Person ein dermaßen aufgeblasenes Ego haben kann, dabei ist es beinahe egal, was er tut, seine Fanbase freut sich darüber. Wenn Erdogan morgen verkünden würde, dass er mit sofortiger Wirkung das Recht der ersten Nacht in der Türkei einführen will, würden einige seiner Fans ihm wahrscheinlich noch persönlich ihre Verlobte vorbeibringen.

Erdogans Kurs führt eben genau nicht zu einer starken Türkei. Einen säkularisierten Staat mit wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern zu isolieren und die Rechtsprechung immer weiter an rückständige, von der Religion diktierte Gesetze anzugleichen, macht ein Land nicht stark, sondern kaputt.

In diesem Sinne noch einmal ein Wort an diejenigen, die dem Westen vorwerfen, nur „Angst vor einer starken Türkei“ zu haben: Haben wir nicht.

Einige von uns aber machen sich Sorgen. Es ist beunruhigend, dass sich ein Land in der heutigen Zeit derart schnell politisch zurückentwickeln kann. Viele werden unter dieser Entwicklung leiden oder tun es bereits. Man werfe nur mal einen Blick auf die Tourismusbranche in der Türkei.

Bei euch in der Türkei bekommt ihr in den Medien vermutlich einen vermeintlich starken politischen Anführer gezeigt, der euch erzählt, dass die Türkei in Sachen Menschenrechte „der EU voraus“ sei. Dass die Türkei stark sei und den doofen Westen nicht brauche.

Wollt ihr wissen, was wir sehen? Jeden Morgen, wenn ich Nachrichten schaue, sehe ich Werbung, in der dazu aufgefordert wird, doch bitte Investitionen in der Türkei zu tätigen. Das widerspricht ein kleines bisschen dem Bild von der mächtigen Türkei, die einen Scheiß auf den Westen geben muss, oder nicht?

+++BREAKING NEWS+++ Während ich diesen  Eintrag schrieb, erreichte mich noch eine Eilmeldung. Da die Überschrift der Meldung bereits einen ausreichenden humoristischen Wert aufweist, werde ich sie hier einfach einfügen:

„Die türkische Regierung hat Deutschland eine Liste angeblicher Terrorunterstützer übergeben. Darauf stehen Großkonzerne, aber auch eine Imbissbude und ein Spätkauf.“

Eine Dönerbude… Was wird denen denn genau vorgeworfen? Drucken die Gülen-Zitate auf die Servietten?

So, genug für heute, bis in zwei Wochen.


Friedemann betreibt auch einen eigenen Blog, auf dem ihr diesen und weitere Texte sowie alle Einträge von „Kleiner Mann, große Worte“ findet. Schaut doch mal auf Kippfenster rein.

Friedemann Kipp, Kolumnist Volksverpetzer Ende 20, Wahlruhrpottler, Naturwissenschaftler auf Abwegen und angehender Blogger. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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