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In seiner Kolumne “Kleiner Mann, große Worte” schaut sich Friedemann Kipp die Kommentarspalten zu bestimmten Themen an. Diesmal geht es um die Anschläge in England. Und er hat ein paar echt skurrile Dinge gesehen…

Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe von “Kleiner Mann, große Worte”. Ich beginne diesen Eintrag am 6. Juni 2017 und ein kurzer Blick auf die Ereignisse der letzten Tage lässt eigentlich nur ein Thema zu: Terror.

Was nicht alles passiert ist in den vergangenen Wochen. Ein Anschlag auf ein Konzert in Manchester, ein Selbstmordattentat im Diplomatenviertel in Kabul, eine Unterbrechung des Festivals „Rock am Ring“ wegen akuten Terrorverdachts und nicht zuletzt die jüngsten Ereignisse in London. Islamismus (oder mindestens der Verdacht darauf), wohin man blickt. Man könnte von einer Krise sprechen.

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Und wieder einmal liegt das Schicksal des gemeinen Wutbürgers in den Händen von aus seiner Sicht handlungsunwilligen und ohnehin unfähigen Politikern, denen er zwischen Desinteresse am Problem und dem unbedingten Willen, das eigene Volk vollständig zu annihilieren, gerne alles vorwirft, was ihm so einfällt.

 




Man sehe mir nach, wenn ich mich heute nicht auf Kommentare zu lediglich einem Artikel beschränke. Zu den jüngsten Ereignissen gab es eine Vielzahl an Meldungen und es war einfacher, hier aus dem Vollen zu schöpfen. Ich werde natürlich zu jedem Kommentar kenntlich machen, was genau jeweils kommentiert wurde.

Hintergrund: Was ist in London passiert?

Rekapitulieren wir kurz, was in London passiert ist. Drei Attentäter sind mit einem Transporter in eine Menschengruppe auf der London Bridge gefahren und haben anschließend weitere Menschen in Bars bzw. Restaurants angegriffen. Es gab sieben Tote und mehrere Dutzend Verletzte. Alle drei Attentäter wurden von den Einsatzkräften der Polizei erschossen. Darüber, dass das ziemlich verachtenswert ist, braucht man sicherlich nicht zu diskutieren.

Wer ist’s gewesen? Die Kommentierenden wussten es natürlich:

Was passierte als Nächstes? Richtig, der IS hat sich dazu bekannt. Das ist jetzt zunächst einmal wenig überraschend. Die Daesh bekennen sich ja derzeit vom Netzausfall bei der Telekom bis hin zum hohen Stauaufkommen in NRW zu so ziemlich allem. Aber ich muss zugeben, ich glaube ihnen in diesem Fall. Und auch die Leser des obigen Artikels scheinen hieran überwiegend keine Zweifel zu haben.

Ok, drei islamistische Terroristen haben also im Namen einer islamistischen Terrororganisation gehandelt. Es wird noch zu klären sein, ob sie wirklich von Verantwortlichen des IS instruiert und geschickt wurden oder ob sie lediglich im Sinne der IS-Ideologie – jedoch eigenmächtig – gehandelt haben. Man kann jedoch davon ausgehen, dass das Motiv ein islamistisches war. Oder etwa nicht?

Zwar scheitere ich daran, die Herleitung nachzuvollziehen (den IS als Glaubensrichtung kann es nicht geben, weil Anschläge sinnlos sind… ähm… was?), doch schließt Barsik ja am Ende damit, dass Anschläge wie der in London als „Grund“ dienen, die Freiheit abzubauen. Ein Klassiker unter den Verschwörungstheorien. Hat jetzt noch jemand eine Ahnung, wer die Attentäter genau geschickt hat?

Ach, schau an, wir waren das. Huch. Aber okay, spielen wir das doch kurz durch. ANGENOMMEN, unsere Regierung wirbt solche Attentäter an: Wie sieht denn dann der Deal genau aus? Die gehen ja meistens bei ihren Attentaten drauf. Klar, ein religiöser Fanatiker rechnet ja ohnehin damit, dadurch in die Märtyrer-Kartei aufgenommen zu werden und ins Paradies zu kommen, aber glaubt irgendjemand ernsthaft daran, dass ein fanatischer Islamist sich von einer westlichen Kufr-Regierung beauftragen lässt, Anschläge zu verüben, damit diese endlich in Ruhe einen Überwachungsstaat basteln kann? Und wenn die Täter keine Fanatiker sondern Söldner gewesen sein sollen, würden sie sich wohl kaum so bereitwillig für ein Selbstmordkommando melden, oder? Und wieso sollte die deutsche Regierung überhaupt Anschläge in Großbritannien anordnen? Fragen über Fragen…

Toleranz tötet?

Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle noch den folgenden Kommentar, der sich ebenfalls unter der Nachricht von der IS-Bekennung fand:

„Toleranz tötet“, wird hier behauptet. Liebe Maja, unsere Gesellschaft basiert auf Toleranz. Solange nicht alle Menschen eine absolut deckungsgleiche Meinung zu absolut allem haben, ist Toleranz unerlässlich, sonst würde man sich nämlich schon wegen unterschiedlicher Lieblingsfarben gegenseitig den Schädel einschlagen. Wenn eine Haltung überhaupt „töten“ kann, dann ist es die Intoleranz, die wir täglich weltweit beobachten können. Wenn nämlich Menschen aufgrund ihrer Ansichten, Meinungen oder religiösen Zugehörigkeit umgebracht werden, dann geschieht dies, weil diese Ansichten, Meinungen und religiösen Zugehörigkeiten in manchen Ländern eben genau NICHT toleriert werden. Abgesehen davon garantiert eine tolerante Gesellschaft leider nicht, dass es keine intoleranten Mitglieder in dieser Gesellschaft gibt.

Man wird nicht eingesperrt, weil es gibt keine Anzeichen dafür gibt, Islamist zu sein, obwohl man so aussieht? Frechheit!!

Springen wir etwas weiter in der zeitlichen Abfolge. Im Nachgang der Anschläge wurden von der Polizei in London mehrere Razzien durchgeführt und mehrere Verhaftungen vorgenommen. Man vermutete bei den Verhafteten einen Zusammenhang mit den Anschlägen. Als sich diese Verdachte nicht erhärteten, wurden die Personen am Montag wieder freigelassen. Soweit, so normal. Das sieht jedoch nicht jeder so.

Ohje, wo fange ich hier an? Also zunächst einmal scheint es genau zwei Erscheinungsbilder von Islamisten zu geben. Einem davon zu entsprechen ist offenbar bereits strafbar. Jemanden zu verhaften, weil er aussieht „wie jeder zweite Islamist“ scheint für Claus also total okay zu sein. Aber dann werden diese Menschen ja auch noch wieder freigelassen! Laut Claus kann man einer Verhaftung scheinbar entgehen, wenn man beispielsweise einen Wohnsitz hat (hä?). Was mich aber an Claus‘ Kommentar, neben der wirren Argumentation zu Beginn, wirklich stört, ist, dass er scheinbar wirklich alle Menschen, die aus dem islamischen Kulturkreis kommen, pauschal als Islamisten sieht. Der Fall, auf den hier Bezug genommen wird, dürfte der Mord an einem Fünfjährigen in Arnschwang sein. Der Täter stammte aus Afghanistan und war in Deutschland bereits wegen Brandstiftung vorbestraft. Zum Tatzeitpunkt stand er unter sogenannter „Führungsaufsicht“, durfte die ihm zugewiesene Asylunterkunft also nicht verlassen. Besagter Kerl hat nun ein fünfjähriges Kind erstochen und die Mutter des Jungen schwer verletzt.




Hintergrund: Mord im Asylbewerberheim

Keine Frage, der Kerl war ein krankes Arschloch und ich weine ihm keine Träne nach. Aber er war (höchstwahrscheinlich) kein Islamist. Die Vorbestrafung rührte von einer Brandstiftung im Jahr 2009 her, bei der er versucht hat, seine damalige Ehefrau und seinen Cousin zu töten. Die Gründe, aus denen er nun den Jungen und seine Mutter angegriffen hat, sind unklar und Gegenstand laufender Ermittlungen. Der Asylantrag des Mannes wurde übrigens abgelehnt. Er befand sich lediglich als Geduldeter noch in Deutschland. Eine Abschiebung scheiterte bisher daran, dass Richter des VG München für den Mann in seinem Heimatland eine Todesgefahr sahen, da er zum Christentum konvertiert war. Klingt für mich nicht nach etwas, das man als überzeugter Islamist tut.

 

Versteht mich nicht falsch, ich sehe es auch so, dass hier Fehler gemacht wurden. Jemand wie dieser Kerl gehört eingesperrt und nicht nur für sechs Jahre. Aber so widerlich die Tat ist und so krank der Typ war, kann man das nicht pauschal als islamistisches Verbrechen abstempeln, nur weil der Täter Afghane war.

Der Bürgermeister von London ist Moslem? Ahaa!

So, der Nächste bitte.

Achims Auswurf ist ein Musterbeispiel für einen kontraproduktiven Kommentar. Er wirft eine vage, unbewiesene Aussage in den Raum und schließt dann auf abstruse Szenarien, die infolgedessen nun zwingend passieren werden. Die „Gerüchte“, von denen hier gesprochen wird, sind übrigens völliger Schwachsinn. Aber beginnen wir vorne.

Seit Mai 2016 ist Sadiq Khan Bürgermeister von London. Und er ist Moslem. Soweit stimmt noch alles. Dass er irgendwas an den Anschlägen „nicht so ernst nimmt“, ist wiederum Unfug. Diese „Gerüchte“ beziehen sich vermutlich darauf, dass Donald Trump (wie schon sein Sohn beim letzten Anschlag in London) sein offenbar erbliches Talent dazu bewiesen hat, die Aussagen anderer zu verdrehen, bis sie den eigenen Absichten in die Hände spielen.

 

Trumps Sohn hatte seinerzeit die Aussage von Sadiq Khan, dass eine Stadt wie London sich auf Terrorangriffe vorbereiten müsse, dahingehend fehlgedeutet, dass Kahn es als vollkommen okay ansehe, dass in Städten wie London hier und da mal ein Anschlag verübt wird. Papa Trump hat sich offenbar vorgenommen, diese Tradition fortzuführen, indem er die Aussage Kahns, dass eine Verstärkung der Polizeipräsenz in London für die Bürger kein Grund sein soll, alarmiert zu sein, so verdreht, als habe Kahn gesagt, dass der Anschlag kein Grund zur Alarmierung sei. Ein Sprecher Kahns antwortete darauf, dass der Bürgermeister „Besseres zu tun habe, als auf die schlecht informierten Tweets des US-Präsidenten zu reagieren“. Kahn sprach sich unlängst auch dagegen aus, Trump nach London einzuladen. Aber genug des Exkurses, zurück zu Achim.

Lieber Achim, bereits 30 Sekunden Googeln hätten dir deinen lächerlichen Auftritt hier ersparen können

Stattdessen müssen wir armen Leser uns deine erbärmliche Pseudo-Dystopie von verwahrlosten, dem Terror schutzlos ausgelieferten Städten durchlesen, oder was auch immer du mit „andere Verhältnisse“ gemeint hast.

Übrigens schreckt man auch nicht davor zurück, Khan selbst eine Rolle bei den Anschlägen anzudichten.

Ivan, du bist ja ein Fuchs! Diese Parallele rückt Khan natürlich in ein ganz neues Licht, nicht wahr? Da hast du aber ganz schön was aufgedeckt, du investigatives Kerlchen. Khan UND die Attentäter sind (bzw. waren) also Muslime? Und die stecken alle unter einer Decke? Na ich weiß ja nicht… Es gibt derzeit schätzungsweise 1,7 Milliarden Muslime. Stecken die dann alle mit drin? Die Attentäter waren übrigens nachweislich Säugetiere. So wie du auch, Ivan. Warst du etwa auch beteiligt? Und nein, wer da Zusammenhänge sieht, ist nicht böse… nur selten dämlich.

…uuund Nazi-Nostalgie:

Etwas, das ich auch seit einiger Zeit nicht gesehen habe, hat Volker von sich gegeben:

Wow, Nazi-Nostalgie. Dass sich manche echt noch trauen, sowas von sich zu geben. Ja, 1937 hätte es das nicht gegeben, dass Menschen, denen man kein Verbrechen nachweisen konnte, einfach wieder freigelassen werden und nicht etwa wegen ihrer ethnischen Herkunft weiter festgehalten oder ihnen sogar noch Schlimmeres angetan wird. Gut erkannt, Volker. Aber irgendwie komme ich nicht umhin, einen leicht sehnsüchtigen Unterton aus deiner Aussage zu lesen. Falls du dich wirklich nach den Zeiten „damals“ sehnst, gibt es eine Reihe von potentiellen Urlaubszielen, in denen du dich bloß in die Öffentlichkeit zu stellen und als Christ zu outen brauchst, um ein paar Beamte auf den Plan zu rufen, die dir die ersehnte Nostalgie in den Leib prügeln werden. Meinen Segen hast du.

Und… ähm, was?

Unter einem weiteren Artikel, der die Freilassung der Verhafteten behandelte, fand sich noch dieses Schmuckstück hier:

Ich bin nicht ganz sicher, was ich Lakota entgegnen soll, weil ich auch nicht ganz sicher bin, was hier ausgesagt werden soll. Ich versuche es mal so: Falsches Staatsoberhaupt, falsche Zeit, falsches Land und inhaltlich auch sonst eher lückenhaft. Durchgefallen.

Fake-News von der Tagesschau… mehr oder weniger.

Wir neigen uns dem Ende. Die letzten Kommentare des heutigen Eintrags fanden sich unter einem kurzen Video der Tagesschau, in dem Sadiq Khan sich als Moslem entschieden von dem Anschlag distanziert. Dazu sagt Markus das hier:

Ich weiß leider nicht genau, was Markus hier als positiven Rassismus – vermutlich gemeint im Sinne der Reverse discrimination – sieht. Dass Khan sich hier äußern darf? Das passt schon, Markus, der ist Bürgermeister, der hätte auch etwas sagen müssen, wenn er Christ oder Buddhist gewesen wäre. Oder besteht Markus‘ Problem etwa darin, dass die Tagesschau hier die Aussage eines Moslems verbreitet? Sollen sich Muslime dazu etwa nicht äußern dürfen? Wird nicht sogar dauernd das Gegenteil verlangt? In den letzten Tagen werden doch immer mehr Beschwerden laut, dass sich die Muslime nicht ausreichend von den Islamisten distanzieren bzw. dagegen demonstrieren. Zuletzt hatte sich da ja Marek Lieberberg, der Veranstalter des Rock am Ring-Festivals, beschwert. Was genau, lieber Markus, hat die Tagesschau denn hier an umgekehrtem Rassismus verbrochen?




 

Inwiefern die Tagesschau hier „Fake-News“ verbreitet, ist mir übrigens ebenfalls schleierhaft. Das ist ein Video. Es steht nicht einmal ein Artikel dabei. Die Tagesschau hat nichts weiter getan, als das Video zu verbreiten. Glaubst du, die haben das neu vertont und Khan hat in Wahrheit lautstark zum Jihad aufgerufen? Was für ein Schwachsinn…

Und der offiziell dümmste Kommentar zum Thema:

Beschließen möchte ich den heutigen Eintrag mit einem Kommentar, den ich leider selbst nicht verstanden habe. Ich werde ihn auch nicht weiter kommentieren, sondern einfach hier reinstellen und darauf hoffen, dass ihn jemand anders versteht. Schreibt mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht auf Facebook, falls ihr hieraus eine Aussage ziehen könnt:

Alles als Fake-News zu bezeichnen, was die eigene Weltanschauung nicht unterstützt, wird auf Dauer anstrengend und schränkt das Vokabular ein

Fazit: Ich erlaube mir heute, das Fazit sehr kurz zu halten, da ich nichts zu sagen habe, was nicht schon von klügeren Menschen mit mehr Reichweite gesagt wurde. Daher reihe ich mich dort nun einfach ein und rufe zu ein wenig Besonnenheit auf. Bevor es daran geht, planlos mit Anschuldigungen und Panikmache um sich zu schmeißen, sollte man sich wenigstens mit den Fakten auseinandergesetzt haben. Hier haben drei Islamisten einen Anschlag begangen. Das ist bekannt. Die drei sind erschossen worden und nun sind entsprechende Behörden damit zugange, die Hintergründe aufzuklären. Das dauert eben ein wenig. Es gibt einen Grund, warum die Behörden ermitteln, statt neunmalkluge Möchtegern-Gesellschaftsexperten auf Facebook zu befragen. Und wenn dann mal Fakten geliefert werden, dann akzeptiert sie. Alles als Fake-News zu bezeichnen, was die eigene Weltanschauung nicht unterstützt, wird auf Dauer anstrengend und schränkt das Vokabular ein. Schaut euch den Donald an, da seht ihr, wie es endet.

Also dann, bis in zwei Wochen.


Achja: Das ist bereits der vierte Teil von Friedemann. Teil 3 „Die dümmesten Argumente gegen die Ehe für Alle“ gibt’s hier. Wer Lust hat, auch Teil 1 und Teil 2 zu lesen kann doch seinen Blog Kippfenster besuchen!

Friedemann Kipp, Kolumnist Volksverpetzer Ende 20, Wahlruhrpottler, Naturwissenschaftler auf Abwegen und angehender Blogger. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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