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Wenige Menschen in Deutschland werden eine differenzierte Aufarbeitung der G20 und der Proteste zu Gesicht bekommen. Die Arbeitswoche hat wieder begonnen, keine Zeit zur Lektüre gut recherchierter, abgewogener Artikel. In Erinnerung bleiben nur unverstandene Bilder brennender Autos und Barrikaden, verprügelter Demonstranten, geplünderter Apple-Stores, Uniformierten mit Sturmgewehren.

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Ein großer Teil der Artikel, die ich nach dem Wochenende wahrnehme, bemüht sich um Differenzierung. Was ist in Hamburg alles passiert? Welche friedlichen Demos wurden leider medial kaum wahrgenommen? Welche Anliegen wollte man vertreten? Wo gab es erfreuliche Szenen der Deeskalation (zwischen Anwohnern und gewaltbereiten Autonomen; zwischen friedlich Demonstrierenden und der Polizei)?

Wer waren die gewalttätigen Akteure? „Die Linken“? Krawalltouristen? Linke (und womöglich auch rechte) Autonome? Leute aus der Hamburger linken Szene oder eher angereiste Linksextreme aus anderen Teilen Europas?
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Manche Linke halten entgegen, die Polizei habe gezielt „agents provocateur“ unter die Demonstrierenden geschickt, um Anlässe für ein hartes Vorgehen zu schaffen. Belege dafür gibt es indes nicht, auch wenn diese Taktik in der Vergangenheit schon angewendet worden sein soll. Ein Handy-Video, das als Beweis für die Theorie gelten soll, ist sehr wahrscheinlich anders einzuordnen.




Gleichzeitig stabilisiert man von der politischen Mitte bis ganz rechts eine alte Feindbildpolitik, pflegt eine fies verallgemeinernde gehässige Freude gegenüber dem linken Spektrum samt der erwartbaren (und schiefen) Gleichsetzungen rechter und linker Gewalt. Hierbei hilft es ganz ungemein, dass die Bilder wahrlich sinnloser Gewalt – gegenüber öffentlichem Eigentum und Privateigentum, gegenüber Mitgliedern der Polizei und gegenüber Anwohner*innen – betroffen machen und Verständnislosigkeit erzeugen.

Die Polizei kommt sehr unterschiedlich weg:

Von der Bundespolitik und vielen Menschen in Hamburg wird sie gelobt und ihr gedankt.
Bilder von erschöpften Beamten nach dem Einsatz und Videos versöhnlicher Gesten wecken Sympathie. (ab Minute 4)

Trotz einer halbwegs friedlichen Schlusskundgebung beim G20-Gipfel ist es in Hamburg erneut zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Unser Reporter Maximilian Marquardt berichtet live vor Ort.

HuffPost Deutschland 发布于 2017年7月8日

Bleibt zu hoffen, dass auch jene Polizist*innen nicht anonym bleiben, die sich hart vergangen haben – etwa jene beiden Uniformierten, die stereo-pfeffersprayend einer einzelnen jungen Frau zugesetzt haben.

#hamburg #noG20 #G20 #BlockG20

Occupy Gezi – Deutschland 发布于 2017年7月7日

Einige Demonstrierende schildern rückblickende Erlebnisberichte, die einem den kalten Grusel über den Rücken treiben und stark darauf hindeuten, dass es bei der Polizei Personen gibt, denen man nicht mal einen stumpfen Kochlöffel anvertrauen sollte – geschweige denn einen geladene Waffe!
Die Polizei sei zu schnell, zu häufig und zu massiv gegen Demo-Teilnehmer*innen  vorgegangen, die – nach ihrer Sichtweise – keinen Anlass geliefert haben. Wieder andere (besonders im rechten politischen Spektrum) sehen das konträr: Die Polizei in Deutschland habe ein Autoritätsproblem und müsse härter auftreten; sie habe an vielen Orten nicht oder zu spät oder zu zögerlich eingegriffen; sie habe dadurch die Randalierenden eingeladen und ermutigt. Selbst in der ARD muss sich der Hamburger Polizeichef fragen lassen, warum überhaupt so viele Störenfriede in die Stadt kommen konnten. Hätte man nicht z.B. italienische, spanische oder griechische Autonome schon am Flughafen oder in Zügen aufgreifen und ausweisen können?

Kurios, wenn dann ausgerechnet der Polizeichef vor laufender Kamera noch mal die Prinzipien von EU-weiter Freizügigkeit und Demonstrationsrecht erklären muss, deren Gewährleistung er (auch) als seine Aufgabe ansieht.

Ein bemerkenswerter TV-Moment: Der ARD-Journalist (und mit ihm große Teile der Bevölkerung) scheinen zu glauben, man könne und solle präventiv einigen EU-Bürger*innen aufgrund ihrer politischen Haltung die Grundrechte beschneiden – und ein ranghoher Vertreter der Polizei, der man genau diese Intention häufig unterstellt, erklärt, warum man das nicht machen kann und nicht machen will.

Viele Menschen in Deutschland werden diese vielschichtigen Betrachtungen im Nachgang nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Die Arbeitswoche hat wieder begonnen, keine Zeit zur Lektüre gut recherchierter, abgewogener Artikel. In Erinnerung bleiben nur unverstandene Bilder brennender Autos und Barrikaden, verprügelter Demonstranten, geplünderter Apple-Stores, Uniformierten mit Sturmgewehren.




Schade eigentlich. Man hätte ja nach dem Wochenende etwas lernen können.

Zumindest eine differenziertere Sicht auf die Anforderungen der Polizeiarbeit. Oder ein besseres Bild von linken Gruppen und Akteur*innen, wie etwa Armin Pfahl-Traughber es hier versucht (via Humanistischer Pressedienst und Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)):

„Der Krawall wird zum politischen Ausdruck an sich, der nicht gezielt eingesetzt wird, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern der ‚den Preis´ hochtreiben soll, den ‚das System´ zu zahlen hat – für ein Atomkraftwerk, ein geräumtes Haus …“

Falko Pietsch, Autor bei Volksverpetzer Falko Pietsch studierte Philosophie & Germanistik und tut, was man von so einem erwarten würde: schreibt, hält Vorträge, moderiert, debattiert. Wenn es nach ihm ginge, gälten in einer idealen Welt Grundrechte auch für nicht-menschliche empfindungsfähige Lebewesen. Das Verbreiten von Aberglaube, Pseudowissenschaft und Esoterik würde mit Nachhilfestunden bestraft.
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