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Ich dachte früher, Frauen würden gleich behandelt werden. Bis ich in die Politik ging. Plötzlich war ich die hysterische Frau, die sich mal nicht so aufregen soll. Oder das Dummchen, dass doch keine Ahnung vom Leben hat. Oder auch gerne die Frau, die untervögelt ist und deshalb so unzufrieden, dass sie sich erdreistet, eine Meinung zu haben.

Es gibt diese Themen, mit denen befasst man sich gern. An denen hängt das Herz. Und für die brennt man.

Bei mir ist soziale Gerechtigkeit so ein Thema. Ich hätte mir auch 10 andere politische Themen aussuchen können, von denen ich persönlich auch denke, dass sie sehr wichtig sind, aber bei denen bin ich nicht mit dem Herzen dabei.

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Und dann gibt es aber auch politische Themen, die mich eigentlich richtig nerven. Die mir Stresspusteln verursachen und einen hohen Blutdruck. Aber mit denen ich mich trotzdem immer wieder befassen muss, weil sie mir immer wieder vor die Füße fallen.

Das sind unter anderem feministische Themen.




Ich habe mich früher ausdrücklich nicht als Feministin bezeichnet. Inzwischen bezeichne ich mich ausdrücklich als eine.

Ich bin in der festen Überzeugung aufgewachsen, dass Männer und Frauen gleich sind. Dass sie gleichberechtigt sind und auf einer Stufe stehen. Und dass Frauen und Männer natürlich auch die gleichen Chancen haben, das war für mich eigentlich eine völlig logische Schlussfolgerung.

Meine Eltern sind überhaupt nicht sonderlich politisch oder feministisch oder emanzipatorisch, aber sie haben nie auf solche Klischees wie man als Mädchen zu sein hat oder wie man als Junge zu sein hat wert gelegt. Ich habe zugegebenerweise als Kind viele typische Mädchendinge gespielt und mochte Lila am liebsten. Aber meine Schwester hatte ihre Matchboxautos und ihren Autoteppich und ihre Rennbahn und es war nie ein Thema, dass das etwas besonderes sei, weil sie ein Mädchen ist.

Und es gibt Fotos von meinem kleinen Bruder auf denen er freudestrahlend seine Puppe in einem Puppenkinderwagen durch die Gegend schiebt.

Von Genderrollen und Gleichberechtigung

Wenn ich heute Texte von feministischen Müttern lese, die stolz darauf sind, dass ihre Kinder sich eben nicht nur genderrollengemäß verhalten, dann muss ich an unsere eigene Kindheit denken und daran, dass solche Dinge für uns auch schon Realität waren, auch wenn meine Mutter das nie als einen Akt des Feminismus angesehen hätte uns diese Freiheiten zu lassen.

Die einzige Begebenheit, an die ich mich in Sachen Rollenbilder erinnern kann, und das vor allem, weil sie seit nunmehr fast 30 Jahren immer wieder aufgewärmt wird, ist, dass meine Schwester einmal im Kinderwagen sitzend für einen Jungen gehalten wurde, weil sie so kurze Haare hatte. Das kriegt meine Mama von meiner Oma noch heute aufs Brot geschmiert.

Aber ich habe es eigentlich immer als Fakt und gegeben genommen, dass die Geschlechter gleichberechtigt sind. Und dass dies auch allgemeiner gesellschaftlicher Konsens ist.

Bis ich anfing mich politisch zu engagieren.

Wenn es um Politik und Meinung und letztendlich auch Macht geht – und wenn es nur die ‚Meinungsmacht‘ ist – dann wird es schmutzig.

Denn wenn es darum geht, meiner Meinung etwas entgegenzusetzen, greifen manche Menschen -meist Männer- nicht zu sachlichen Argumenten. Nein.

Plötzlich bin ich die hysterische Frau, die sich mal nicht so aufregen soll.

Oder das Dummchen, dass doch keine Ahnung vom Leben hat.

Oder auch gerne die Frau, die untervögelt ist und deshalb so unzufrieden, dass sie sich erdreistet, eine Meinung zu haben. Skandal!

Wenn es ganz schäbig wird – und das wurde es zu den Zeiten, als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen und ich für Willkommenskultur argumentiert habe, besonders oft – dann wünscht man mir vergewaltigt zu werden.

Ernsthaft. Manche Männer wünschen mir, dass mir andere Männer Gewalt antun, nur weil ich anderer Meinung bin als sie. Ist das zu glauben?

Auch gerne genommen werden sonstige Unterwerfungsfantasien. Bilder von gefesselten Frauen, die ich geschickt bekam oder Andeutungen, was man gerne höchstselbst mit mir täte – es ist einfach nur eklig.

Am Ende ist der Mechanismus ein ganz einfacher – indem man nicht auf meine Meinung eingeht, sondern mein Geschlecht und meine sexuelle Selbstbestimmung eingeht, nimmt man meiner Meinung die Berechtigung.

Wenn ich in der ‚Rangfolge‘ unter jemandem stehe, ist meine Meinung eben auch nichts, was man ernst nehmen müsste oder mit dem man sich auf einer Sachebene mit Argumenten auseinander setzen müsste.

Ich bin ja nur eine dumme, hysterische Frau und deshalb zählt meine Meinung nicht. Somit entzieht man sich jeglicher Diskussion.

Für eine politisch aktive Frau gehören Vergewaltigungsdrohungen zum Alltag

Frauen, besonders welche mit feministischen und linken Meinungen, erleben so etwas oft. Eigentlich kenne ich wenige politisch aktive Frauen, die sich in diesem Spektrum öffentlich äußern, die noch nie Vergewaltigungsdrohungen oder Unterwerfungsfantasien gelesen haben. Das ist quasi Standard. Darüber hinaus kenne ich sogar einige (linke) Männer, denen sowas auch passiert ist.

Viele von uns haben sich daran gewöhnt. Am Anfang ist es noch schockierend, aber wenn dir das zehnte mal jemand wünscht vergewaltigt zu werden, dann seufzt du nur noch.

Aber ist es wirklich etwas, mit dem man sich abfinden sollte? Dass es nun mal Leute gibt, die einem wünschen Gewalt zu erfahren?

Und diese Mechanismen funktionieren auch auf sehr viel harmloseren Ebenen. Wenn typisch Frau, typisch Mann Witze gemacht werden, wenn wir gefragt werden ‚ob wir unsere Tage haben‘ wenn wir schlecht gelaunt sind, wenn Werbung wieder einmal nackte Frauenkörper als Projektionsfläche benutzen, wenn uns wieder mal jemand die Welt erklären will, weil er uns für unterlegen hält. Wir kennen all das, haben es tausend mal gesehen und gehört.




Wir sind daran gewöhnt. Aber ist es deswegen okay? Nein, ist es natürlich nicht.

Meistens bin ich allerdings trotzdem in diesem Gewöhnungs- und Ignoranzmodus. Einfach, weil es leider besser für meinen Blutdruck ist. Und weil mir eben andere Themen mehr am Herzen liegen.

Aber alle halbe Jahr fällt mir wieder ein besonders ätzender Fall vor die Füße und mir wird wieder bewusst: Wir haben als Frauen viel erreicht. Aber wir werden trotzdem viel zu oft auf unser Geschlecht reduziert und wegen unseres Geschlechtes objektifiziert..

Feminismus ist weiterhin notwendig und wichtig. Schon allein, weil wir als Frauen andere Themen nicht voran bringen können, wenn uns wegen unseres Geschlechtes die grundsätzliche Kompetenz abgesprochen wird.

Und genau deswegen bin ich Feministin.

Artikelbild: Shutterstock

Maja_TFrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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