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FrauMaja stellt fest, dass wir einen falsche Vorstellung von Arbeit haben: Der Arbeitsplatz ist das Wichtigste im Leben, ob man davon leben kann ist zweitrangig. Und wer keinen bekommen kann, wird geächtet. Auch darum versagt die SPD.

Die Sozialdemokraten sind in den letzten Wahlen ziemlich auf die Nase gefallen. Offenbar nehmen die Wähler*innen ihnen das Engagement für soziale Gerechtigkeit nicht mehr ab. Zu sehr ging ihre Politik in den letzten Jahren an dem Ziel vorbei, tatsächlich die Arbeitsbedingungen und die Absicherung von Erwerbstätigen zu verbessern. Stattdessen wurden die Repressionen gegen Menschen ohne Job verschärft.

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Ein Grund dafür ist wohl auch der Arbeitsbegriff, den die Sozialdemokraten im Jahr 2017 pflegen. Arbeit, und mit diesem Wort ist eigentlich immer abhängige Erwerbsarbeit gemeint, ist weiterhin nicht nur das halbe, sondern gar das ganze Leben. Wer keinen Erwerbsjob hat, ist faul, unfähig oder schlicht ein Schmarotzer.

Begründet ist die Fixierung auf Arbeit als sinnstiftendes Element im Leben in der Reformation.

Luther sah Müßiggang als Sünde an. Calvin ging sogar einen Schritt weiter. Er glaubte, dass von Geburt an feststeht, ob ein Mensch errettet oder verdammt ist. Harte, disziplinierte und erfolgreiche Arbeit galten für ihn als Hinweis auf die Errettung. So wurde denn aus Angst vor dem, was im Jenseits warten könnte, richtig rangeklotzt. Die Bauern waren derweil enteignet, die Bauernkriege niedergeschlagen und das Modell der abhängigen Lohnarbeit biblisch begründet. Dieses wurde denn auch von der Aufklärung dankend übernommen und in der Industrialisierung auf die Spitze getrieben.




Die Sozialdemokraten haben ihre Wurzeln in der Arbeiterbewegung, die sich für die Rechte dieser abhängigen Lohnarbeiter einsetzte, eine durchaus wichtige Tradition, die heute vielleicht aber auch ihr größtes Dilemma ist, weil es ihren Blick einengt. Alles läuft darauf hinaus, Arbeitsplätze zu erhalten. Egal wie diese aussehen, egal wie sinnvoll das ist und egal ob abhängige Lohnarbeit wirklich der Traum eines jeden Menschen ist.

Der Arbeitsplatz ist das Totschlagargument der Politik

So wurde der Arbeitsmarkt liberalisiert, um es Unternehmen so bequem wie möglich zu machen, Hauptsache, die Arbeitsstellen werden geschaffen und erhalten. Ob diese gut genug bezahlt sind, um dem Arbeitnehmer und womöglich seiner Familie zum Leben zu reichen – zweitrangig.

Gleichzeitig wurde mit dem System Hartz 4 ein Druckmittel gegen Menschen ohne Arbeit geschaffen, jede Arbeit, und sei sie noch so schlecht bezahlt und noch so weit von den eigenen Vorstellungen entfernt, anzunehmen. Das führt dazu, dass es mehr prekäre Jobs gibt und somit mehr Menschen, die darauf angewiesen sind, trotz Arbeitsstelle mit Geld vom Amt ‚aufzustocken‘.

Kurz: Die wichtige Funktion der Arbeiterbewegung von einst wurde besonders von den Sozialdemokraten in ein ziemlich wirres Gegenteil verkehrt, weil die weiteren Entwicklungen in der Arbeitswelt nicht miteinbezogen wurden.

Das Wirtschaftswunder der 50er und 60er ist Vergangenheit, Vollbeschäftigung heute ein unrealistisches Ziel, auch wenn es wirtschaftlich gar nicht schlecht aussieht.

Dazu muss man natürlich auch einberechnen, dass sich die Vollbeschäftigung von damals zwar hübsch anhört, aber es damals auch noch mehr als heute der Standard war, dass Frauen beispielsweise bei den Kindern daheim blieben und deshalb nicht als arbeitssuchend galten.

Darüber hinaus sind heute viele Arbeitsplätze der Automatisierung und Digitalisierung zum Opfer gefallen, andere Arbeitsplätze haben sich in die Dienstleistungsbranche verlagert.




All das wird nicht einkalkuliert, wenn heute Arbeitspolitik betrieben wird.

Ich wünsche mir hier, dass einerseits weiterhin für einen höheren Mindestlohn gestritten wird, der zum Leben reicht, und außerdem unabhängig von den dynamischen Prozessen am Arbeitsmarkt ein Grundeinkommen geschaffen wird. Dies kommt dann allen zugute.

Warum ich für die Doppelstrategie „BGE und Mindestlohn“ bin, darum geht es dann nächste Woche!

FrauMaja, Redakteurin Volksverpetzer FrauMaja ist 31 Jahre alt, Bloggerin aus der Ruhrpottperipherie und hat ein Herz für das Bedingungslose Grundeinkommen und soziale Themen. Hier schreibt sie über ihren Traum von progressiver Politik. Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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