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Eigentlich wollte ich die zweite Verfilmung von 50 Shits ja genauso galant ignorieren, wie den dazugehörigen literaturverstümmelenden Roman. Wenn man allerdings über ein sozial gefestiges Leben oder auch nur rudimentären Kontakt zur Außenwelt verfügt, ist es fast unmöglich sich der hormongesteuerten Massenhysterie zu entziehen.

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50 Shades of Grey ist der Kassenschlager schlechthin und hat sich besonders in Amerika in die Herzen und Höschen konservativer Hausfrauen geschlichen. Obwohl mich feuchte Ökosysteme sonst eher weniger interessieren, kam ich diesmal nicht umhin, mich mit dem Phänomen etwas näher zu beschäftigen; und ich muss ehrlich sagen: What the fuck?!

Mal abgesehen von der literarischen Anspruchslosigkeit des Buches, den lahmen Dialogen und dem latenten Antifeminismus ist 50 Shades of Grey äußerst verstörend. Nicht wegen der Unterwerfungsfantasie und dem mittelmäßig erotischen kinky stuff, sondern weil hier ein Mann zum Sexidol erklärt wird, der offensichtlich ein psychisches Problem hat. Hauptcharakter Christian Grey war jahrelang Opfer sexuellen Missbrauchs und ist derart von seiner Vergangenheit traumatisiert, dass er ein sexuell von der Norm abweichendes Verhalten entwickelt. Nicht weil er tatsächlich auf Bondage und Dominanz steht, sondern weil er es nicht anders kennt.




BDSM wird zum Symptom eines Traumas

Der Grundgedanke hinter BDSM wird zum Pathologismus pervertiert und macht aus einer unproblematischen sexuellen Praktik das Symptom eines psychischen Traumas. Schlimmer noch: Dieses psychische Trauma und das dazugehörige Verhalten werden sowohl von der Autorin und den Filmproduzenten, als auch von den Lesern und Zuschauern zum Ideal männlichen Verhaltens stilisiert. Dass diese Story derart unreflektiert gehyped wird, zeigt was in unserer Gesellschaft schief läuft. Es zeigt, wie wenig männliche Missbrauchsopfer ernst genommen werden und es zeigt den Sexismus auf, der den Großteil der Frauenwelt durchsetzt.

Denn die Geschichte eines gebrochenen Mannes, der infolge der erlebten sexuellen Übergriffe Hilfe benötigt, hätte für sich allein eben keine nassen Flecke auf den Kinositzen hinterlassen. Offenbar interessiert sich laut Text die Frauwelt nicht für das Innenleben des männlichen Protagonisten. Der Fokus liegt auf seiner Attraktivität, dem Erfolg und seinem Machogehabe. Letzteres natürlich nur dann, wenn die Frau das gerade geil macht. Hier entfaltet sich eine durch und durch ambivalente Erwartungshaltung. Einerseits muss der Mann kühl, abweisend und mysteriös sein, gleichzeit jedoch emotional, nähesuchend und offen. Kein normaler, geistig gesunder Mann kann dieser Schizophrenie gerecht werden. Es braucht also einen Christian Grey.

50 Shades VVP

50 Shades und sein absurdes Geschlechterbild

Es braucht einen labilen, von Verlassensängsten geprägten Mann, der so verunsichert ist, dass er einen Kontrollzwang entwickelt. Er soll innerlich gespalten sein und die Frau soll ihn wieder ganz machen. Sie will das sein, worauf der Mann sein ganzes Leben lang gewartet hat: die Erlösung aus dem Leiden. Prinzessinnen-Märchen reversed. Wer hier wirklich Dominanz ausübt ist die Frau. Es wird ein Idealbild entworfen, welches den Mann derart innerlich zerreißt, dass es einer rettenden Hand bedarf, nämlich die der Frau, um ihn wieder zusammenflicken. Natürlich wird auch diese Fantasie in 50 Shades bedient: Christian erkennt, dass seine sexuelle Abnormität lediglich seine Methode war, mit den traumatischen Erlebnissen umzugehen. Nun, da er Ana hat, ist er natürlich endlich geheilt, weshalb er nun wieder zum guten, alten Blümchensex abspritzen kann.

Dieses Geschlechterbild ist absurd. Dass es einfach so toleriert, sogar idealisiert wird ist gefährlich. Bücher und Filme wie 50 Shades of Grey marginalisieren einerseits sexuellen Missbrauch und laden andererseits krankhaftes Verhalten mit sexuellen Fantasien auf. Dass wir Frauen dies wohl völlig unreflektiert tolerieren, spricht nicht unbedingt für unser Urteilsvermögen. Und vor allem ist es unmöglich uns noch ernst zu nehmen, wenn wir an anderer Stelle Genderequality und den respektvollen Umgang mit der Frau fordern. Gleichstellung muss schon in beiden Hosen stattfinden.

Vanessa Magri, Redakteurin Volksverpetzer Hier könnt ihr dem Volksverpetzer auf Facebook folgen.
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