Über Blogger und Rollstühle


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Magnolienverwirrung

Wieder einmal sitze ich hier am Kopfende meines Tisches und starre nachdenklich vor mich hin, aus dem Fenster in den erkalteten Garten. An der Magnolie zeigen sich die ersten zarten Knospen, weiß die Pflanze, dass es durchaus noch einmal kalt werden kann, dass die armen Knospen eventuell dem Erfrierungstod entgegenwachsen? Sind es gar Kanonenfutterknospen auf einem Himmelfahrtswachstumskommando? Sollen sie dem Winter die letzte Kälte entlocken, ist es Ende Januar nicht ein wenig übermotiviert zu hoffen, es würde nicht mehr kalt werden? Magnolienknospenhimmelfahrtskommando. Vielleicht will die Magnolie aber auch so den Sommer herbeilocken, die Sonne motivieren die Wolken vom Himmel zu schieben, uns wieder munter zu wärmen, soweit sie es eben um diese Jahreszeit schafft, eine Motivationsmagnolie sozusagen.

Ich mag ja auch lieber Sonne und Wärme, aber ein paar Wochen werde ich es gerne noch kalt aushalten, umso weniger stechiges Fluginsektengeschwirr wird mir um den Schädel summen.

Sollte diese arglistige Magnolie gar die Sonne und Wärme hervorlocken wollen, damit am Ende mehr Stechzeugs herumschwirrt? Durchtriebenes Gestrüpp garstiges welches – erinnert mich daran sie fällen zu lassen…

Natur und Gegenrede

Erst weht und windet es ums Haus und jetzt bereitet das Gesträuch vor die Lufthoheit mit Hilfe der Stechbiester zu erobern, die Natur ist so grausam und sie verhöhnt uns, wie sonst sollte man es sich erklären, dass es Gräser gibt, die so aussehen wie die Haarpracht eines Präsidenten, Obst in Form eines Kanzlerkopfes?

Wir haben Tomaten auf den Augen und Bohnen in den Ohren, wobei, wenn man sich im Moment die Vorgänge auf diesem einzigartigen Erdball anschaut, wünschte man sich fast es wäre so, oder wir könnten wenigstens mal den Kopf in den Sand stecken, allerdings bestünde dann wiederum die Gefahr, dass wir am nächsten Tag gar fürchterlich mit den Zähnen knirschen, sofern wir es nicht sowieso schon machen. Über diesen grasnabenbewachsenen Politanfänger, der von vielen, auch von mir, unterschätzt, oder zumindest als das kleinere Übel gegenüber seiner Mitbewerberin angesehen wurde, also über den Orangeblonden wurde in den letzten Tagen so unheimlich viel geschrieben und gesagt und es wird auch weiterhin viel gesagt werden, zumindest bleibt dies zu hoffen. Nicht, dass ich täglich über seine Winkelzüge in den Nachrichten informiert werden möchte, nein, ich hoffe vielmehr, dass die heimische Presse nicht doch letztendlich einknickt und klein beigibt, sie ist die letzte Bastion, die den freiheitlichen Grundgedanken der USA aufrechterhält. Es ist durchaus wohltuend zu sehen wie viele Menschen aufstehen und gegenreden.

mehr Gegenrede bitte

Genau so geht es, wir haben die Diskussion ja auch über Hassposts im Internet, auch da hilft es aufzustehen (also virtuell, ihr wisst ja, ich und aufstehen, das ist so eine Sache, das ist irgendwie unvereinbar, aber virtuell geht, so im übertragenen Sinne, was auch wieder interessant ist, bin ich doch rein körperlich eigentlich nicht in der Lage mal eben was ins andere Zimmer rüberzutragen, kann ich durchaus etwas übertragen zum Beispiel von einem Blatt auf ein Anderes – verwirrend? Gut dann hör ich hier auf und mach mit dem Aufstehen im übertragenen Sinne weiter) und gegenzureden. Hass, der vielfach aus Unwissenheit und Nachplappern geboren wird, nicht einfach zu stehen zu lassen, sondern ruhig und sachlich dagegen zu diskutieren, aufzuklären. Wenn der Gegenüber nicht völlig verbohrt ist, besteht durchaus die berechtigte Hoffnung ihn, oder sie, zu einer gemäßigteren Ansicht zu bewegen. Wir brauchen viel mehr Gegenrede.

Ich konnte mit mir noch nicht schlüssig vereinbaren, was mich mehr erschüttert, die naive, dummdreiste Herangehensweise des politisierenden Grasbüschels, oder die teilweise erschreckende Unwissenheit seiner Anhänger, es mag natürlich angehen, dass sie das nur machen um diejenigen, die noch schlichteren Gemüts sind, aufzuwiegeln. Das wird die Zeit zeigen.

Das lenkt doch nur ab

Eines ist aber dennoch traurig, wir verlieren dadurch wieder den Blick auf die kleinen Dinge in unserer mehr oder weniger nahen Umgebung, in Deutschland und Europa.

So ist es nahezu unbeachtet geblieben, dass in Hofgeismar ein Rollstuhlfahrer von einem Gastwirt des Schankraumes verwiesen wurde, weil er mit seinem Begleiter nicht in das Lokal passen würde, verbunden damit war auch ein deutlicher Hinweis auf ein Hausverbot, schließlich wurden die beiden gebeten nicht wieder zu kommen. Der Begleiter ein Student mit indischen Wurzeln, der Sonderpädagogik studiert, vermutet, dass die Konstellation dunkelhäutiger Begleiter und Rollstuhlfahrer das Weltbild des Gastronomen zutiefst erschüttert habe.

Rausschmiss

Dieser Vorfall wollte fast ungehört an uns verbeihuschen, ja aber nicht mit uns mein lieber Vorfall, da ist noch drüber zu reden. Während sich alle Welt mit Grausen von den USA abwendet, weil der Grashügel die angekündigte Mauer in Auftrag gegeben hat und Muslime aus sieben Ländern mal eben so per Dekret die Einreise verweigert, bekommen wir gar nicht mit wie Minitrumps in ihren Gaststätten ähnlich vorgehen. Sollen wir da jetzt gegen auf die Strasse gehen? Nein, so hoch muss man es gar nicht hängen, vielleicht als anwesender Gast, der Zeuge eines solchen Vorfalles wird, einfach zahlen und zusammen mit den beiden Betroffenen das Lokal verlassen und gemeinsam ein anderes Lokal aufsuchen. Es sollte aber dennoch nicht unter den Tisch fallen, vielleicht sollten ein paar Studenten der verschiedensten Fachrichtungen in solchen Gaststätten einfach mal eine Diskussionsrunde bilden und aktiv über den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz diskutieren, gerne mit Bezug auf den dann aktuellen Fall aus der Gaststätte, natürlich ohne diese direkt zu benennen. Während der Diskussion könnte dann der Wirt mit einbezogen werden, mit etwas Glück bekommt man ihn so wieder auf die Basis eines gesunden Umganges miteinander, denn wer weiß vielleicht hatte er zu dem Zeitpunkt privaten Stress, einen schlechten Tag oder irgendwelche anderen Probleme, da muss man nicht gleich zum Boykott aufrufen, auch, wenn man sich im ersten Moment tierisch drüber aufregt, als nichtbetroffener und doch Rollifahrer umso mehr, schließlich hätte es ja auch mich treffen können und ich weiß ehrlich nicht, wie ich reagiert hätte.

Verlassen wir die Welt der Heubeladenen Regierungshäupter und ihrer kleinen freilaufenden Nachbauten und kommen wir ausnahmsweise mal zu etwas erfreulicherem.

Sprachliche Verwirrung

Am 30.01.2017 wurde in Berlin ein weiteres Mal Geschichte geschrieben, nicht in Buchstaben, sonst hätte ich ja eben auch schon Geschichte geschrieben und oops I did it again, nein nein, Geschichte im wörtlichen Sinne von Historie, um es einfacher und zugleich anders auszudrücken, es schickte sich an etwas Historisches zu geschehen. Das klingt aber noch nicht vergangen genug, oder? Also nochmal, am 30.01.2017 sollte sich in Berlin historisches zugetragen gehabt, nein auch nicht, hmmm..

Historisch

Am 30.01.2017 hat sich etwas Historisches in Berlin ereignet, na geht doch, dort wurden nämlich die goldenen Blogger, in insgesamt 18 Kategorien, vergeben, ganz am Ende der Veranstaltung wurde dann „Der Blogger des Jahres“ gekürt, in dieser Kategorie ging neben Mama-Arbeitet.de und Übermedien.de auch Mimikama.at an den Start, hey noch Fragen für wen mein Herz schlug, wem ich die Daumen drückte. Dann der entscheidende Moment, der Moderator murmelte etwas von „ganz knapp“, „müssen wir stechen“ wurde gefragt und dann, dann war es soweit „Gewinner ist“… immer diese bedeutungsschwangeren Pausen, aber immerhin wurde uns die Gameshowfahrstuhlmusik erspart, stattdessen – Stille – wie es sich für eine bedeutungsschwangere Pause auch gehört, weil dann nervt sie so richtig „Mimikama.at“. Beinahe hätte es unseren Andre dahingerafft und eigentlich wollte er nur hin, weil es ein Buffet gab und dann gab es auch noch einen Preis, ach was sag ich, DEN Preis gab es.

Herzlichen Glückwunsch Tom

Ich muss gestehen, ich bin stolz ein Teil dieses Teams zu sein, aber, man möge es mir verzeihen, am meisten habe ich mich für Tom gefreut, der den Verein mit Herzblut und jeder Menge Engagement aufgebaut hat, immer wieder auf sein Bauchgefühl gehört hat, endlich wurde er dafür mal belohnt. Ganz tief aus meinem Herzen herzlichen Glückwunsch Tom, du hattest bei deinen Entscheidungen stets das richtige Gefühl, alles richtig gemacht, weiter so.

Noch ein Lichtblick

Aber der Preis war bei weitem nicht mein einziger Lichtblick des Abends für einen anderen sorgte, eher ungewollt, Juli vom heimatPOTT, sie war unter anderem in der Kategorie Snapchat nominiert und weigerte sich erfolgreich ihren Lieblingssnap noch einmal durchzuspielen, stattdessen wollte sie mit der Jury, oder aus der Jury, ihr Gesicht des Tages erstellen. Gesagt, getan, naja fast getan, sie begann mit den aufmunternden Worten „Steht mal alle bitte auf.“ Und aus den Reihen der Jury erklang ein „Nein“ von Christiane Link ihres Zeichens Rollifahrerin. Beherzt und sympathisch nahm Juli dieses kleine Missgeschick auf und bot ihr an die Nase zu sein. Was für viele im ersten Moment vielleicht ein Skandal oder Affront darstellen mag, zeigt mir als Rollifahrer, vielleicht ist es auch nur meine eigene, wie immer unmaßgebliche Meinung, aber mir zeigt es den unverkrampften Blick mit dem Juli die Jury wahrgenommen hat, nicht auf Äußerlichkeiten achtend, sondern nur die Person als solches sehend.

Kenn ich, war ich schon mal

Ich kenne beide Seiten, bin als Fußgänger auch hin und wieder mal in diese Situation gelaufen, irgendwann mit meinem rollifahrenden Spezi auch absichtlich „geh mal Beiseite“ „steh mal auf“ bis hin zu „bleib ruhig sitzen“ und das immer genau da wo die meisten Menschen unterwegs waren, sollte ja jeder was davon haben, Hauptsache wir hatten unseren Spaß dabei und den hatten wir.

Wenn wir gerade dabei sind noch einen herzlichen Glückwunsch

Jetzt selber als Rollifahrer passiert mir sowas aus genau dem anderen Blickwinkel auch noch hin und wieder, ja teilweise auch mit Absicht, aber auch durchaus mal ungewollt. Ein guter Bekannter sagte mal, je länger wir uns kennen umso weniger nimmt er den Rollstuhl wahr. Etwas Schöneres kann es eigentlich für beide Seiten nicht geben. Deshalb irgendwie Danke Juli für diesen Licht- und Einblick in die unbegrenzten Möglichkeiten menschlichen Zusammenlebens, es zeigt deutlich, was alles möglich ist, wenn man ungezwungen und offen aufeinander zugeht respektive zurollt. Achja, und natürlich an dieser Stelle auch meine Glückwünsche zu beiden Auszeichnungen, du hast sie redlich verdient.

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Autor

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