Warum wir verpixeln müssen ….


Künstler, Museen und Satireprojekte: Facebook kriegt sie alle. Jüngstes “Opfer” (Juni & Juli 2015): ein Satireprojekt auf Facebook.

Die folgenden Kunstwerke, bzw. Schnappschüsse müssen wir teilweise verpixeln. Nicht, weil es uns Spaß bereitet oder uns empört, sondern weil wir unsere Accounts schützen wollen.

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(Bild mit freundlicher Genehmigung von Martin Perscheid / martin-perscheid.de/ )

Und auch die Accounts unserer Leser schützen wir. Ja – wir wollen Eure Facebookaccounts schützen, und zwar davor schützen, dass Facebook sich genötigt sieht, Beitrage bei Euch zu löschen oder gar einen ganzen Account übergangsweise zu sperren. Denn man stelle sich vor, wir würden dieses Bild ohne Balken abbilden und jemand von Euch teilt unseren Bericht bei Facebook (soll vorkommen), dann müsste Facebook einschreiten und den Post löschen – und eventuell den Verteiler vorübergehend sperren!

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Das wollen wir jedoch nicht. Und da wir um den durchgehenden Fortbestand Eurer Accounts bemüht sind, bearbeiten wir diesen Ausschnitt aus einem der berühmtesten Deckenfresken der Welt. Zugegeben, die “Erschaffung des Adams” wirkt schon beunruhigend anstößig, wahrscheinlich wurde es daher in der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo auch an die Decke gemalt – schön weit weit vom Betrachter. Nicht?

Zumindest urteilt Facebook  so. Denn da staunte der Buchautor Eckehard Bamberger nicht schlecht, als er sein Buch auf Facebook bewerben wollte, dessen Umschlag mit einem nachgemalten Ausschnitt dieser Szene verziert ist, und er folgende Meldung bekam:

Deine Werbeanzeige wurde abgelehnt, weil das Bild nicht unseren Werberichtlinien entspricht. Werbeanzeigen dürfen keine übermäßig sexualisierten Bilder einsetzen, den Eindruck von Nacktheit erwecken, viel Haut bzw. Dekolleté zeigen oder sich unnötigerweise auf bestimmte Körperteile konzentrieren. Dies gilt auch für die Bilder auf deinen Seiten.

Nehmen wir mal so hin …

Vielleicht liegt es ja daran, dass es nicht das Original, sondern eine nachgemalte und leicht interpretierte Variante des Adams ist. Oder doch nicht? Das Pariser Museums „Jeu de Paume“ erlitt eine Sperre wegen folgendem Bild, welches auf der eigenen Facebookseite im Rahmen der Retrospektive der französischen Fotografin Laure Albin Guillot gepostet wurde.

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(Screenshot: Jeu de Paume)

Nein, das ist kein Kubismus, sondern auch wir haben hier den Pinsel anlegen müssen, denn falls jemand diesen Bericht verteilt und Facebook cached dieses Foto als Beitragsbild, hätte man ja Nacktheit verteilt. Da beruft sich Facebook ganz klar auf die eigenen Regeln.
Rechte und Pflichten, Absatz 3 Punkt 7 besagt:

Du wirst keine Inhalte posten, die: Hassreden enthalten, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt verleiten oder Nacktdarstellungen bzw. grafische oder sonstige Gewalt enthalten.

Da haben wir es. Eine Nacktdarstellung. Ist es Kunst – ist es nackt? Facebook meint auf die Anfrage des Pariser Museums, warum Kunst zensiert werden würde nur, das Netzwerk erlaube „bedauerlicherweise“ Gemälde von Nackten, jedoch keine Fotos.

Daher wohl auch folgende Löschung

Muss man denn auch alles fotografieren und bei Facebook hochladen? Das Wiener Leupold Museum lud ein Foto seiner Werbekampagne in das soziale Netzwerk – mit ein paar Burschen drauf zu sehen, wie Gott sie schuf. Zumindest an gewissen Stellen.

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(Screenshot: Der Standard)

Wir haben vorsichtshalber mal die potentiellen Sprösslinge des Übels ausgeblendet. Denn sollte dieses Bild gecached werden und der Beitrag verteilt werden ….. Jungejunge, das können wir nicht verantworten.

Satire? Kennt man nicht …

Denn den “Volksfahrräder” wusste Facebook als volksverhetzendes Material einzuschätzen und maßregelte den Gruppenadmin des Satireprojektes “Hooligans Gegen Satzbau” mit einer Siebentagessperre und der Aufforderung, das Bild zu entfernen.

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(Bild mit freundlicher Genehmigung von Hooligans Gegen Satzbau)

Dass es sich bei dem bildlichen Wortspiel zum “Volksfahrräder (sächs.)” um offensichtliche Satire handelt, stört Facebook nicht.

06. Juli 2015

Und wieder sind es die Rechtschreibhools, die angeblich mit den Grafiken gegen die Facebookstandards verstoßen. Fraglich für alle beteiligten: was bewertet Facebook an diesem Bild so sperrwürdig, dass man den postenden Administrator für 30 Tage sperren muss?

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Mittlerweile sind die Seitenbetreiber schon dazu übergegangen, ihre Seite zu kennzeichnen, und das auch auf Englisch, so dass man es auch in Irland verstehen kann.

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Und wieder eine völlig unverständliche Sperrung.

Auch wir haben Leid erfahren müssen

Mitte 2014 ereilte auch uns das Leid einer temporären Sperrung – was natürlich ein Missverständnis war. Wir posteten die Abbildung einer Frau in einer Badewanne um zu zeigen, dass Facebook in der Vergangenheit ihre Ellbogen als Brüste interpretierte. Wir markierten sogar die Ellbogen und schrieben dazu, dass die keine Brüste sind.

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Vielleicht hätten wir das auf Englisch machen sollen, denn Facebook hat es nicht verstanden und somit war das gesamte ZDDK/Mimikama Team temporär blockiert. Unser Fehler, wenn man es auch nur auf Deutsch hinschreibt.

Darum haben wir verpixelt

Sollte nun, wenn wir diesen Beitrag bei Facebook verteilen oder einer von Euch diesen Beitrag verteilt, eines der oberen Bilder im Statusbeitrag abgebildet sein, kann nichts passieren. Alle Brüste, Penisse und anmutenden Brüste sind entfernt.

Ein Glück, dass in lebensverachtenden Prügel- und Quälvideos keine Nacktheit zu sehen ist, denn sonst würde Facebook ja noch die ganzen Handyvideos sperren, in denen Personen sinnfrei verprügelt oder Tiere grundlos gequält werden. Wo kämen wir da denn hin. Lieber markiert man Gewaltvideos und sagt den Nutzern “Achtung, hier kommt was böses, aber wir machen es nicht weg.

Zum Glück dürfen wir uns auf unserer eigenen Seite die Inhalte aussuchen, die wir hochladen. Warnend sagen wir jedoch:
liebe Facebookmitarbeiter, falls Euch die folgende Darstellung der vorangegangenen Bilder zu anstößig ist, einfach jetzt nicht hinsehen oder diese Seite mit Katzenvideos aufrufen. Gleiches gilt auch für Googlemitarbeiter …

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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