War es denn nicht schlimm genug?


Die sexuell gewalttätigen Angriffe zum Jahreswechsel in Köln, Hamburg, Stuttgart und weiteren Städten waren doch im Grunde schon grausam genug. Es gibt genügend Menschen, die darunter leiden mussten und auch weiterhin unter den Folgen leiden werden.

(Bei diesem Artikel handelt es sich um den Stand 06.01.2016, alles was danach zu diesem Thema geschieht, kann nicht berücksichtigt werden. Bitte auch unsere Stellungnahme unter „Uns ist klar“ am Ende des Artikels beachten.)

Warum muss man dazu nun falsche Bildzusammenhänge konstruieren? Welchen Sinn macht es, die Situation mit Fehldarstellungen ad absurdum zu führen? Bullshitbilder wie das Folgende erreichen letztendlich nur das Gegenteil: sie ziehen real existierende Situationen ins Lächerliche, da hier nachweislich konstruiert wird. Damit schadet man der Diskussion nur.

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Kein Mensch benötigt falsche Bilder, um zu beschreiben, welch grausame Erfahrungen die betroffenen Menschen vor Ort machen mussten. Das sollte uns in den letzten tagen auch so bewusst geworden sein. Jedem einzelnen sollte bewusst sein, dass die kriminellen Angriffe scharf und mit allen gesetzlichen Mitteln verurteilt werden müssen.

Genug jedoch der Ansage, machen wir an dieser Stelle lieber klassisches ZDDK. ZDDK as ZDDK can be: woher stammen diese Bilder?


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Beide nicht aus Köln

Das überrascht jetzt nicht wirklich. Das obere Bild aus der Grafik stammt weder aus Köln, noch vom Oktober 2015. Aber ok, es ist Frankfurt, vermutlich Ende August/Anfang September 2015. Es handelt sich dabei um ein dpa Foto, welches in der Hessenschau am 06. September mit folgenden Worten beschrieben war:

Auch in der der Nacht zum Sonntag hatten die Hessen bereits ihre Hilfsbereitschaft bewiesen. Am Frankfurter Hauptbahnhof empfingen zahlreiche Frewillige die ersten Flüchtlinge.

Siehe dazu hier Hessenschau.de

Damit kann man noch halbwegs umgehen, jedoch das untere Bild in der Grafik hat rein gar nichts mit der Situation in den deutschen Großstädten zum Jahreswechsel zu tun. Hier hat jemand bewusst gesucht und gefunden: wir datieren die ältesten Quellen dieses Bildes auf Dezember 2010. Herkunft? Unbekannt! Jedoch nicht Deutschland. Die älteste Quelle, der wir dieses Bild zuordnen konnten, ist eine spanischsprachige Funpicture-Serie. Dort wurde das Bild am 15. Dezember 2010 auf der Webseite namens Taringa.net gepostet.

Im Anschluss verbreitete sich das Bild unter dem Namen “Black guy fail” hauptsächlich auf Funpicture Seiten. Dieses Bild sah man ebenso als Vorschaubild eines Blogs zu diesem Thema, welcher lediglich einen Artikel aus dem Focus zitierte und dieses Bild damit ausschmückte. Und dann ausgerechnet ein Bild, was gemeinhin als „Funny picture“ genutzt wurde?

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(Quelle: lolpics)

Archivmaterial?

Netter Versuch, diese Grafik als Archivmaterial oder Beispielbilder zu titulieren, vor allem im Nachhinein. Nein, die Grafik beinhaltet weder den Hinweis, dass es sich um Beispielmaterial handelt, noch die Anmerkung, das “Archivmaterial” verwendet wurde. Zudem wäre dann die Archivquelle zu nennen, welche an dieser Stelle wohl eine der vielen Funpicseiten wäre. Die Angabe sähe sehr skurril aus.

Uns ist klar,

dass viele Menschen ihre Wut und ihren Schmerz ausdrücken wollen. Auch wir sind sehr verärgert über die sexuell gewalttätigen Angriffe in den genannten Städten. So etwas darf einfach nicht passieren! Ebenso schlimm ist das Bild und das Signal, welches gerade aus Richtung Politik gesendet wird. „Eine Armlänge Abstand“ ist vielleicht einer der dümmsten Ratschläge, wenn man einer Gruppe von Menschen gegenüber steht, die einen ausrauben und angehen wollen. Wir haben bereits vor Tagen Polizei und Innenministerium angeschrieben und um Verhaltenstipps gebeten, eine Antwort ist weiterhin ausstehend und zeigt auch ein wenig, dass diese Art von Kriminalität Politik und Polizei zum Handeln bewegen muss. Zu bedachtem, jedoch konsequenten Handeln.

Denn gerade aufgrund vieler offener Fragen stehen die Verantwortlichen nun in Zugzwang: wie konnten die Situationen so dermaßen eskalieren? Wieso konnte an dem Abend nicht konsequent der Ort geräumt und entsprechend aggressive Personen entfernt werden? Wieso kann nicht klar gesagt werden, wie man in Zukunft gegen derartig aggressive Formen von Kriminalität vorgegangen werden?

Ebenso zeigt sich auch wieder, dass wir gesellschaftlich tief gespalten sind. Sascha Lobo schrieb heute im Spiegel:

In diesem Kontext ist aber essentiell, zu unterscheiden zwischen den Kölner Tätern und denjenigen, die vermeintlich so aussehen wie die Kölner Täter. Hier ist der Scheidepunkt, und er ist schmerzhaft, weil Differenzierung nur eine Armlänge von Verharmlosung entfernt ist.

Mit diesem Satz hat er mehr als recht und liegt ganz nah an dem Geschehen, was sich derzeit abspielt. Uns ist aus der Beobachtung auch nicht entgangen, dass Menschen absolut entzweit sind und sich wegen den kriminellen Übergriffen gegenseitig beschimpfen, weil die Meinungen zu dem Thema weit auseinander gehen. Jedoch macht sich niemand glaubwürdig, indem man völlig fremde Bilder in diesen Zusammenhang setzt.

Es ist deutlich, dass diese Attacken auf unschuldige Personen nie wieder geschehen dürfen, jedoch ist es völlig kontraproduktiv, mit Hilfe falscher Grafiken ein Stimmungsbild zu erstellen.

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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