Undurchsichtig: die Eilmeldung (!!!!) der Thügida und der NPD


Sind wir Deutsche nur noch Freiwild? Diese Frage ist mehr berechtigt denn je!

Denn immer mehr stellt sich die Frage: sind wir Deutsche Freiwild in einem (Des-) Informationskrieg, in dem es nur darum geht, so zu schreiben, dass man Wut und Hass aufbaut?

Ein vorbildliches Beispiel dieser Arbeit zeigt die vielzitierte Statusmeldung der “Thügida” (Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes), welcher einfach mal ganz sauber aufgearbeitet werden muss. In der folgenden Meldung stecken viele Fünkchen, welche stattgefunden haben, jedoch in ihrer Gesamtdarstellung einfach nicht korrekt sind.

Unser Hinweis: dieser Text fällt länger aus, weil hier einfach viel passiert ist. Wer an allen Aspekten interessiert ist, sollte daher bis zum Ende lesen.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Die “Caps Lock” Meldung im Klartext:

!!!!!!!EILMELDUNG!!!!!!!

VOR WENIGEN STUNDEN STÜRMTEN CA. 20 ASYLBEWERBER EINEN JUGENDCLUB IN SÖMMERDA. GEWALTSAM VERSCHAFFTEN SICH DIESE ZUTRITT. BEWAFFNET MIT ZAUNLATTEN, UNTER DEN AUGEN DER POLIZEI, DRANGEN SIE IN DAS OBJEKT UND RICHTETEN IMMENSEN SCHADEN AN.
AUCH “ JENS“ WURDE JÜNGST ZUM OPFER IN SÖMMERDA.
SEIN KOPF WURDE AUF EINEN BETONMÜLLEIMER GESCHLAGEN.

SIND DEUTSCHE NUR NOCH FREIWILD ?

SPONTAN TRAFEN SICH DEUTSCHE PATRIOTEN ZUSAMMEN GEGEN AUSLÄNDERGEWALT.

THÜRINGER FÜR THÜRINGEN!

Wir geben unsere deutsche Heimat nicht auf!

Wer nun diese Meldung ohne zu hinterfragen liest, kann folgendes Bild bekommen: am Montagnachmittag (27.07.) stürmten 20 Asylbewerber einen Jugendclub in Sömmerda. Sie randalierten dort, zerstörten blind die Einrichtung und richteten eine Person namens “Jens übel zu. Die beigefügten Bilder von “Jens” zeigen wirklich böse Verletzungen.

Ganz in Ruhe!

Beginnen wir am 27.07, um 17:23 Uhr

Was ist da in Sömmerda passiert? Ist dort ein Jugendclub verwüstet und ein Bürger namens “Jens” grauenvoll zugerichtet worden, so dass eine spontane Demonstration nötig wurde? Woher stammt diese Information?

Die Quelle dieser Meldungen ist augenscheinlich auf der öffentlichen Seite des NPD-Politikers Franz Kotzott zu finden. Anmerkung: es handelt sich hierbei um die Seite einer öffentlichen Person, kein Privatprofil. Dieser beschreibt recht frühzeitig:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

ACHTUNG!!! In Sömmerda haben vor wenigen Stunden 20 Syrer versucht einen Jugendclub mit Zaunslatten und diversen anderen Gegenständen zu attakieren laut ersten Informationen. Wer Zeit hat 19:00 Uhr Spontankundgebung in Sömmerda – Lucas – Cranach Straße! Bitte teilen!

Warum frühzeitig? Ganz einfach: gemäß Pressemitteilung fand dieser Vorfall am 27.07. um ca. 15:30 Uhr statt. Bereits um 17:23 Uhr wurde daher schon auf der Seite von Herrn Kotzott die Aussage getroffen, dass es sich hier um 20 Syrer handelte, die einen Jugendclub angegriffen haben. Direkt wurde zu einer spontanen Kundgebung aufgerufen.


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Was ist dort vorgefallen?

Die Meldung des NPD-Politikers über 20 attackierende Syrer in allen Ehren, jedoch gibt Polizei und Presse ein anderes Bild wieder. Folgende Angaben stammen aus der Thüringer Allgemeinen vom 28.07.2015:

Am Montag war es gegen 15.30 Uhr dort, in der Straße der Einheit, vor dem nach der Pazifistin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner benannten städtischen Bürgerzentrum zu hässlichen Szenen gekommen. […]
Am Montag, so Schnuphase-Stahn, seien dann etwa 15 Kosovo-Albaner mit Holzknüppeln vor dem „B27“ erschienen, vielleicht um Rache zu nehmen.

In das Objekt gelangten sie nicht. Die Eritreer seien beleidigt und bedroht worden.

Ok. Die Volksgruppe Syrer hat damit nichts zu tun gehabt, jedoch sind sich hier gemäß Polizei- und Presseangaben Kosovo-Albaner und Eritreer fast an den Hals gegangen. Fast – denn die Polizei scheint schnell genug für Ruhe gesorgt zu haben.

Als die Angreifer bemerkt hätten, dass die Polizei informiert wurde, seien sie geflüchtet. In mehreren Funkstreifenwagen herbeigeeilte Polizisten hätten 13 Personen vorläufig festgenommen sowie in der Umgebung mehrere der Holzknüppel gefunden und sichergestellt.

Also fassen wir zusammen: laut Polizei und Presse haben sich hier zwei Gruppierungen angefeindet, welche den Streit mit körperlicher Gewalt austragen wollten. Das ist definitiv nicht schön zu reden und auch nicht zu tolerieren. Die Polizei hat hier durchgegriffen und die Konfrontation beendet. Von Verletzten oder gar demoliertem Inventar ist hier nicht die Rede. Aus der Berichterstattung kann man auch lesen, dass der Jugendclub “B27” an sich nicht das Ziel war.

Das war jedoch erst der Anfang

27.07. um 21:09 Uhr

Abermals geht die Berichterstattung auf der Seite des NPD-Politikers Franz Kotzott weiter. Gegen 21 Uhr, also gut 4 Stunden nach dem Vorfall, gleichzeitig aber auch eine Stunde nach Beendigung der Kundgebung, berichtet der Politiker auf seiner öffentlichen Seite:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

!!!!!!!EILMELDUNG!!!!!!!

VOR WENIGEN STUNDEN STÜRMTEN CA. 20 ASYLBEWERBER EINEN JUGENDCLUB IN SÖMMERDA. GEWALTSAM VERSCHAFFTEN SICH DIESE ZUTRITT. BEWAFFNET MIT ZAUNSLATTEN, UNTER DEN AUGEN DER POLIZEI, DRUNGEN SIE IN DAS OBJEKT UND RICHTETEN IMMENSEN SCHADEN.

SPONTAN TRAFEN SICH DEUTSCHE PATRIOTEN ZUSAMMEN GEGEN AUSLÄNDER GEWALT.

THÜRINGER FÜR THÜRINGEN!

Wir geben unsere deutsche Heimat nicht auf!

Selbige Meldung ging kurz vorher auf der Seite der “Thügida” Online. Diese beiden Meldungen unterschieden sich nicht, ebenso waren auch die Bilder anfangs identisch und die beiden Statusmeldungen hatten 10 Fotos dabei.

Thügida um 20:50 Uhr

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Anhand dieses extrem kurzen zeitlichen Abstandes und der exakt identischen Inhalte kann man durchaus spekulieren, ob es sich bei dem Betreiber der Politikerseite, sowie der Thügidaseite um physisch ein und die Selbe Person handelt. Denn es handelt sich nicht um einen geteilten Inhalt, sondern um zwei völlig identisch erstellte Inhalte, inklusive Fotos.  Dies sind jedoch Spekulationen auf der Grundlage von technischen Möglichkeiten.

Was aber jetzt neu in dem Thema ist: der Bürger “Jens”

Jens

In den Bildern ist das Bild von einem Mann zu sehen, welcher übel zugerichtet wurde. Dieser Mann ist zunächst nicht weiter inhaltlich thematisiert, doch er ist da. Sowohl auf der Seite des Politikers, als auch auf der Thügida-Seite taucht in mitten der Bilder ein Mann mit schweren Verletzungen im Gesicht auf. Diese Verletzungen sehen jetzt nicht sonderlich neu aus, aber sie sehen schlimm aus.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Um 23:16 Uhr taucht auf der Thügida-Seite ein Video auf, welches besagten Jens zeigt, der davon spricht, wie übel er zugerichtet wurde, indem er drei mal auf einen “Stein-Papierkorb” geschlagen wurde.

Video: Erscheinen um 23:16 Uhr

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Der Titel zum Video sagt klar aus: das waren “Fachkräfte” (Anmerkung: mit Fachkräften werden oftmals ausländische Mitbürger, vorzugsweise Asylbewerber beschrieben).

An dieser Stelle eskaliert die Berichterstattung

Kurz nach Veröffentlichung des Videos korrigiert Thügida die Statusmeldung von 20:50 Uhr: ab jetzt ist das Schicksal von “Jens” dabei.

Statusänderung um 23:23 Uhr

 

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Die Person “Jens” wird durch Thügida thematisiert und in den Kontext des Vorfalles am Jugendclub gebracht. Nochmals zur Erinnerung: der Vorfall fand zwischen zwei Gruppen statt, es wurde weder von einem Sachschaden, noch von einem Opfer körperlicher Gewalt durch Polizei und Presse berichtet.

Doch jetzt instrumentalisiert die Thügida das Schicksal von “Jens”, denn es heißt auf einmal um 23:23 Uhr:

AUCH “ JENS“ WURDE OPFER IN SÖMMERDA.
SEIN KOPF WURDE AUF EINEN BETONMÜLLEIMER GESCHLAGEN.

Diese Inhalte waren ursprünglich nicht zu lesen, sind also erst mit dem Erscheinen des Video von 23:16 Uhr nachgefügt worden.

Jens wir instrumentalisiert

Neue Bilder von 0:05 Uhr

Um 0:05 Uhr am 28.07.2015 tauchen an der öffentlichen Pinnwand des NPD-Politikers Franz Kotzott auf Facebook neue Bilder auf: sie zeigen “Jens” im Krankenhaus und mit frischen Wunden.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Speziell das untere Bild bildet die Person “Jens” in einem sehr desolaten Zustand im Krankenhaus ab, auf dem oberen Bild wirkt er schwer verletzt, jedoch nicht so bedrohlich verletzt wie auf dem unteren Bild (optisch).

Ungefähr zeitgleich findet auf der Thügida-Seite nochmals eine Änderung des Statusbeitrages von 20:50 Uhr statt: mittlerweile ist das Bild von “Jens” auch hier zu sehen. Das Bild des schwer verletzten “Jens” ist hier nicht abgebildet, sondern das Bild, auf dem er in einem Behördenzimmer abgebildet ist (Das „Kalenderbild“).

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Was hat “Jens” mit den Vorfall am Jugendclub zu tun?

Da es keine gemeldeten Verletzten zu dem Vorfall vom Montagnachmittag gab, ja im Grunde die gesamte Situation von der Polizei aufgelöst wurde und nicht mal in das Gebäude “B27” eingedrungen wurde, kommt unfreiwillig die Frage auf:  was haben die Verletzungen von “Jens” damit zu tun?

Auch wenn man es aus der Statusmeldung bei Thügida lesen könnte: das Schicksal von “Jens” hat damit nichts zu tun! Hier wiedersprechen sich einfach die Bilder an der Seite des NPD-Politikers, welche einen schwer verletzten “Jens” darstellen mit der logischen Möglichkeit, exakt 90 Minuten später aufrecht auf einer Kundgebung über ein Megaphon sprechen zu können.

Ferner zeigen die Bilder vom aktuellen Tag, auf denen “Jens” in einem schwarzen Shirt dargestellt ist, nicht dem Verletzungsgrad der Bilder, welche nachträglich in die bestehende Bilderserie eingefügt wurden.

Noch gravierender kommt hinzu, wenn die Personen aus der eigenen Freundesliste diese Bilder völlig anders kommentieren:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Aufgrund der Behauptung, das Bild stamme aus dem März 2015 (dazu kommen wir im Verlauf des Textes), setzte sich ein Freund, welcher sich nachweislich in der Freundesliste von “Jens” befindet zur Wehr und rückte den Aufnahmezeitpunkt des Bildes in die Vergangenheit.

Mit Hilfe dieser Angabe gibt es nun ein sehr überraschendes Fundstück im Fall “Jens”, denn es tatsächlich in der jungen Vergangenheit dort gab. Die folgende Meldung stammt von der Polizei Sömmerda:

Ein schwer Verletzter – Tathergang unklar – Sömmerda (14.07.2015)
Am Dienstag, gegen 20:15 Uhr, wurde die Polizei in die Kölledaer Straße gerufen. Hier wurde beim Eintreffen ein 37-Jähriger mit Kopfverletzungen durch Rettungskräfte behandelt und zur stationären Aufnahme ins Krankenhaus gebracht. Zur Herkunft der Verletzungen gibt es unterschiedliche Angaben. Ein 23-Jähriger hatte auf einer Bank sitzend mit seiner Mutter in spanischer Sprache telefoniert. Als der 37-Jährige mit einem 27-Jährigen (rund 1,9 Promille) vorbeilief, kam es aus bisher noch ungeklärter Ursache zu einem verbalen Streit zwischen dem 23-Jährigen und dem 37-Jährigen. Hieraus kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, in deren Folge der 37-Jährige verletzt wurde. Zum Hergang der Auseinandersetzung gibt es gegensätzliche Aussagen seitens des 23-Jährigen sowie des 27-Jährigen Begleiters. Der Verletzte selbst konnte noch nicht befragt werden.
Die Polizei in Sömmerda (03634/336-0) sucht nun Zeugen, welche sachdienliche Hinweise geben können.

(Quelle: Polizei Thüringen)

Verschiedene Personen aus dem Sömmerdaer Umfeld nannten uns diese Quelle ebenso als wahre Entstehung der Verletzungen. Die Polizeimeldung liest sich jedoch völlig anders, als alle aufgestellten Thesen. Zusätzlich teilte uns das Projekt “Endstation Rechts” mit, dass sie ebenfalls diesen Verdacht haben und bereits die Polizei Sömmerda um Auskunft gebeten haben. Wir bekommen daher von Endstation Rechts die Aussage der Polizei zugesandt und werden sie an dieser Stelle einfügen.

So lange keine offizielle Aussage vorliegt, gelten diese Indizien lediglich als These.

Abschließende Stellungnahmen

Wir sind nicht die Einzigen, die Ungereimtheiten in der Darstellung des NPD-Politikers und der Seite Thügida zu diesem Vorfall entdeckt haben. Jedoch müssen wir einer der Thesen, die im Laufe der Diskussion entstanden sind, deutlich widersprechen:

Auf dem Bild, welches “Jens” mit frischen Verletzungen Darstellt, ist ein Kalender zu sehen. Dieser Kalender trägt seine Tagesmarkierung auf einem Tag im März. Der daraus resutlierenden Behauptung, das Bild mit der Verletzung stamme vom März, wiedersprechen wir.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Unserer Ansicht nach wurde dieser Kalender nicht weiter “gepflegt”. Dafür spricht nicht nur die Möglichkeit, dass der Verlauf der Verletzungen vom heutigen Tage nicht mit der Entstehung im März übereinstimmen können, auch die Aussagen von Bewohnern der Ortes zu dem Vorfall, sowie die Aussage des “Freundes” passen nicht zu der These, dass dieses Bild aus dem März stammt.

Weitere Stellungnahme:
In diesem Artikel sind durchgehend Informationen bearbeitet worden, die nachvollziehbar auf den Seiten des NPD-Politikers zu finden sind, so wie auch auf der Seite Thügida. Alle zeitlichen Abläufe sind durch Facebook selbst dokumentiert.

Was hier durch diese Seiten betrieben wurde, war klare Manipulation von Facebooknutzern. In welchem Maße diese Manipulation bewusst durchgeführt wurde, wissen wir nicht. jedoch zeigt es, wie wichtig eine kritische Auseinandersetzung mit Facebookinhalten ohne Quellenangaben ist.

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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