“Skandal!!! Bank kommt zur Auszahlung per Bus zu den Asylanten” [Der Sparkassenbus]


“Skandal!!” – “Der Oberhammer”! so prangern die Überschriften ein Bild an, welches einen Bus der Jerichower Sparkasse zeigt, vor dem eine Menschenschlange steht.

Was nun an diesem Bild so skandalös sein soll, beschreiben einschlägig bekannte Seiten  wie folgt:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Die Seiten “Mut zum Widerstand”, sowie der “Netzplanet” sind sich da in ihrer inhaltlichen Widergabe recht einig und schreiben beide

Die nächste Filiale ist zu weit weg!? Ganze 250 Meter! Oder soll das Ganze der deutschen Bevölkerung verheimlicht werden? – Hier einmal der Bildbeweis der deutschen Willkommenskultur für wirkliche Flüchtlinge, aber auch in der Mehrzahl Wirtschaftsmigranten und sich illegal in Deutschland aufhaltende, bereits abgelehnte, aber natürlich in keinem Fall abgeschobene Migranten. Dieses Foto zeigt das Asylbewerberheim in Burg bei Magdeburg. Hierbei handelt es sich also keineswegs um die ZAST (Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber) in Halberstadt, wo Migranten nur für einen kurzen Zeitraum untergebracht werden, sondern vielmehr um eine Asylunterkunft, wo die Asylbewerber schon längere Zeit leben. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum Menschen die eigentlich um Integration bemüht sein sollten, hier ihre Sozialleistungen frei Haus in Bar geliefert bekommen, obwohl sich die nächste Sparkassenfiliale keine 250 Meter entfernt befindet.

Der Netzplanet gibt letztendlich noch als Quelle, von der er Text und Bild übernommen hat, die Facebookseite Pegida NordThüringen an. Hier findet man auch den Beitrag mit Bild und einer hohen Anzahl von Kommentaren, welche teilweise wieder recht verfassungsfeindlich sind. Weiter heißt es im Text:

In Betracht der Ansicht unserer linken und grünen Politverantwortlichen, könnte es natürlich auch gut möglich sein, dass die Deutsche Bevölkerung gar nicht in die Lage versetzt werden soll, wahrzunehmen, welche Beträge hier ausgezahlt werden. Es wäre ein Leichtes, auch und gerade der Integration und Spracherlernung geschuldet, sich selbst darum zu kümmern, seine Sozialleistungen bei der Sparkasse abzuholen, die einen Steinwurf entfernt ist. Mal ganz abgesehen von den monatlichen Kosten, für den Bus, die Arbeitskräfte und die Zeit für die Bereitstellung dieses Aufwandes. Die Politik sollte endlich einmal bestehende Deutsche Gesetze durchsetzen und damit anfangen 600.000 (!!!) illegal in Deutschland befindliche Migranten in ihre Heimat zu schicken

Doch was ist nun dran an Bild, Bus und Story? Was ist denn nun das Skandalöse? Ist es der Bus der Bank?

Der Sparkassenbus

Es gibt in der Tat einen Sparkassenbus im Jerichower Land (welches als geografische Quelle in der Meldung widergegeben wird). Die Nennungen eines Sparkassenbusses beziehen sich jedoch weniger auf eine “frei Haus Lieferung” von Sozialleistungen, sondern augenscheinlich um einen grundlegenden Dienst, welcher in ländlichen Bereichen angeboten wird.

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(Screenshot: Sparkasse MBS)

Die Jerichower Sparkasse hat nachweislich auch eine fahrbare Geschäftsstelle:

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(Screenshot: Sparkasse Jerichow)

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(Screenshot: Gemeinde Möser)

Ferner wird der Sparkassenbus von der Sparkasse auch in Sondersituationen genutzt, so wie zum Beispiel bei einem Ausfall der normalen Geschäftsstellen.

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(Screenshot: Volksstimme)

Die Aufgabe einer fahrbaren Geschäftsstelle

An dieser Stelle zitieren wir der Einfachheit halber Wikipedia:

Eine mobile Geschäftsstelle ist eine „rollende“ Filiale eines Unternehmens oder einer Institution, welche in kleineren Ortschaften, ländlichen Regionen oder Stadtrandzonen als Alternative zu stationären Geschäftsstellen dient.
Meist bieten mobile Geschäftsstellen das Vollsortiment stationärer Filialen an. Als Basisfahrzeug dient in der Regel ein speziell umgebauter Transporter oder kleiner Lastkraftwagen.

Dieser Service wird inzwischen von Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Privatbanken und Krankenkassen angeboten. Die mobile Geschäftsstelle fährt oft nach einem bestimmten Fahrplan und hält an vorher festgelegten „Haltestellen“, die mancherorts sogar beschildert sind.
Das Konzept war insbesondere mit so genannten Bankbussen in der Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg häufig zu finden, auch nach der Deutschen Wiedervereinigung versuchten westdeutsche Banken, ostdeutsche Sparer mit auf die Schnelle umgerüsteten Bussen zu gewinnen.

Wenn nun also an einem solchen Bus Geld abgehoben wird, findet sich hier immer noch kein Skandal.

Das Foto des Busses

Schwieriger wird es jedoch, wenn man das verwendete “Skandalfoto” zeitlich und geografisch einordnen möchte. Hauptansatzpunkt stellt lediglich die Aufschrift des Busses, sowie das Kennzeichen dar.

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(Screenshot (bearbeitet): Facebook, öffentlicher Status)

Dieses Angaben besagen nun, dass dieses Fahrzeug ein Fahrzeug der “Sparkasse Jerichower Land” ist. Das Kennzeichen selber ist auf zwei Arten zu deuten: entweder ist das Foto schon sehr alt, da es sich bei dem Kennzeichen nicht um ein EU-Kennzeichen handelt, und somit in die 90er Jahre zurückfällt – oder der Bus ist niemals abgemeldet worden und seit den 90er Jahren im Einsatz, da das EU-Kennzeichen seit 1994 eingeführt ist.

Aufgrund der Tatsache, dass es tatsächlich noch möglich ist, die alten Kennzeichen am Fahrzeug zu führen, ist das Kennzeichen letztendlich kein Beweis für das Alter des Bildes. Fragwürdig wäre lediglich, warum eine Sparkasse ein gut 20 Jahre altes Fahrzeug im Dienst hat.

Die genauen Hintergründe, warum der Bus an dieser Stelle hält, welche nicht im Fahrplan (siehe oben) angegeben ist, kann lediglich die Sparkasse Jerichower Land erklären, welche in der ursprünglichen Meldung genannt wurde.  Handelt es sich am Ende doch um ein altes Bild, zu dem ein veralteter Fahrplan gehört, der mittlerweile geändert wurde? Denn würde man aktuelle Umstände zur Hand nehmen, befände sich der abgebildete Halteplatz ca. 700m entfernt von der nächsten Filiale (die erwähnten 250m sind dann doch ein wenig dramatisiert) und würde im Grunde nicht in das Konzept einer fahrbaren Geschäftsstelle passen.

Auf der anderen Seite könnte die Sparkasse auch, da sie ein rein wirtschaftliches Unternehmen ist, welches keine Rechenschaft ablegen muss, aus Angst vor einer ablehnenden Reaktion der Stammkunden diverse Haltepunkte nicht nennen und auch ohne Nennung anfahren. Oder schlicht und einfach um Schlangen an anderen Stellen zu vermeiden.

Dies ist jedoch reine Spekulation dessen, was im Bereich des Möglichen liegt.

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Wir haben die Jerichower Sparkasse angeschrieben, da hier vielerlei Dinge einfach nicht zusammenpassen, und um Informationen zu den Umständen gebeten, jedoch haben wir bis zu diesem Zeitpunkt (07.04.2015, 15 Uhr) keine Antwort bekommen.

Autor: Andre, Mimikama.at



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