Polizist erlegt Hunde – reichen 67 Sekunden Videomaterial zur Klärung?


Wie ein Aufschrei teilt sich ein Video durch die sozialen Netzwerke, ein Aufschrei mit einem Fingerzeig auf die Polizei. Ein Video, welches in 1:07 Minuten zeigt, wie ein Polizist im Dienst 2 Hunde erlegt. Doch reichen hier 67 Sekunden aus, um den kompletten Sachverhalt darzustellen?

Die Statusmeldung zu dem Video trägt eine deutliche Aussage, auch das Video selbst ist weder bearbeitet und zeigt eine reale Situation. Diese fand am 23 September in den Morgenstunden in Rüsselsheim statt.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Sprache und Aussage der Statusmeldung geben ohne weitere Informationen schon direkt eine Schuldzuweisung wieder:

Eben grad in Rüsselsheim zwei pit bulls erschossen bei der Arbeit was ein morgen a.c.a.b

67 Sekunden

Das ist die Gesamtdauer des Videos. 67 Sekunden, welche die Schüsse wiedergeben und den Tötungsablauf zeigen. Mittlerweile existiert auch eine Petition, welche auf diesem Video basiert, und darum bittet, Ermittlungen und ein Strafverfahren gegen den ausführenden Beamten einzuleiten:

Daher bitten wir, die Unterzeichner, dass die Gemeinde sich darum bemüht, dass gegen den Polizisten dienstaufsichtliche Ermittlungen und ein Strafverfahren eingeleitet werden.
Die Rüsselsheimer Bevölkerung möchte nicht mit ausser Kontrolle geratenen Polizeibeamten konfrontiert sein.

Im Gegensatz zu dem Facebook-Video, welches von “pit bulls” [sic]spricht, wird in der Petition der Begriff “Listenhunde” verwendet, die Polizei gibt die Hunde als American Staffordshire Terrier an. Im Video auch unerwähnt, wird jedoch in der Petition auch auf die erfolglosen Bändigunsversuche der Beteiligten im Vorfeld hingewiesen.

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(Screenshot & Zitatquelle:  Openpetition )

Polizeibericht spricht von Verletzten

Was nun nicht in dem Video, und in der Petition am Rande,  jedoch im Polizeibericht angemerkt wird, ist der Hinweis darauf, dass zwei Personen, einer davon scheinbar unbeteiligt, durch die Hunde verletzt wurden.

Auch einen zweiten Passanten griffen die Terrier an und verletzten ihn. Beide Männer mussten unter anderem durch alarmierte Rettungswägen ärztlich behandelt werden.

Dies deutet darauf hin, dass die Gesamtsituation scheinbar etwas komplizierter war, als es die Stimmungslage des Videos darstellt.

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(Screenshot & Zitatquelle: Pressemappe der Polizei Südhessen )

Nach Angaben der Polizei war nun dieser schnelle  Schritt notwendig, um nicht weitere Passanten zu gefährden (Kinder auf dem Schulweg?).

Tierschutzverein selbst gibt eigene Aussage

Der Tierschutzverein Rüsselsheim und Umgebung e.V. hat zu diesem Vorfall jedoch auch ein klares Statement gegeben, welches wiederum von dem Polizeibericht abweicht.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Wir haben nun Kontakt zur Stadt Rüsselsheim und der entsprechenden Polizei aufgenommen und warten noch auf weiterführende Informationen, welche wir bei Empfang hier einfügen.

Sowohl Petition, als auch Polizeibericht sprechen nun von Kontaktaufnahmen und versuchter Hilfenahme von Besitzer und örtlichem Tierheim, der Tierschutzverein bestätigt das auch. Alle bewerten diese Situation nun unterschiedlich, im Video auf Facebook fehlt diese Information gänzlich und führt schnell zu fehlgeleiteten Kommentaren. Man sollte sich hier also nicht der Meinung ergeben, hier würden blindlings Tiere erlegt, ohne vorher andere Mittel in Anspruch zu nehmen. 67 Sekunden reichen in diesem Fall einfach nicht aus, um einen kompletten Sachverhalt darstellen zu können und alle Seiten zu beleuchten.

Regionaler Zeitungsbericht

Neben diesen Stellungnahmen gibt ein regionaler Zeitungbericht ebenfalls diesen Vorfall wieder. Hier tauchen einige Augenzeugenkommentare auf, welche zusätzlich auf das Verhalten der Hunde eingehen.

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(Screenshot und zugehörige Zitate: Echo-Online )

Dieser Bericht führt nun hauptsächlich an, dass sich Darstellungen teilweise im Wiederspruch liegen.

Nach Angaben der Polizei hätten sie eine akute Gefahr dargestellt. Doch darüber gehen die Meinungen auseinander.

So wird in der Zeitung beschrieben, die Hunde hätten lediglich gespielt und seien auch keine Unbekannten in dem Umfeld gewesen.

(…) dass sie die beiden gelegentlich mit Werbeballons zum Spielen versorgt hat. Sie seien oft zu Besuch in den Laden gekommen.

Mimikama bezieht KEINE Stellung

Aufgrund der verschiedenen Aussagen können wir diesen Vorfall nun nicht bewerten, sondern einzig alle Informationen auf einen Bericht zusammentragen. Wir können lediglich sagen, dass dieses Video KEIN Fake ist und sich die Situation so abgespielt hat. Was jedoch außerhalb dieser 67 Sekunden geschehen ist, muss nun vor Ort geprüft und geklärt werden.

Autor: Andre, mimikama.at

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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