In Kleidung eingenähter Hilferuf – Wahrheit oder Hetze gegen Primark?


Bereits im Jahr 2013 traten Meldungen auf, dass in einem bei Primark gekauften Kleid ein Label gefunden wurde, worauf ein Hilferuf einer überforderten Näherin aus Bangladesh geschrieben stand.

Heute (26.6.2014) bekamen wir erneut Anfragen über neue Schlagzeilen, die diesem Vorfall von damals sehr ähneln.

Ebenso wurde bei Primark eingekauft, ebenso war es ein zusätzlich eingenähtes Etikett. Unterschiedlich aber der Hilferuf. Der von damals lautete „Forced to work exhausting hours“, zu deutsch „Gezwungen, erschöpfende Überstunden zu arbeiten“.

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Die aktuell in den Medien umstrittene Etikettenaufschrift lautet: „Degrading sweatshop conditions„, zu Deutsch „menschenunwürdige ausbeuterische Arbeitsbedingungen“.

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Berichtet wird u.a. darüber in folgenden Medien:

Focus.de: Erschütternder Hilferuf in Kleid von Primark eingenäht, Express.de: Primark-Schock: Hilferuf in Billig-Kleid eingenäht

Primark nimmt bereits auf ihrer Website Stellung:

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Mitteilung von Primark vom (23.6.2014)

Wir untersuchen derzeit die Herkunft eines zusätzlichen Etiketts, das in einem unserer Kleider gefunden wurde und vermuten lässt, dass das Kleidungsstück unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert wurde.  

Primark nimmt derartige Anschuldigungen sehr ernst. Wir haben den Kunden, der das Etikett entdeckt hat, gebeten, das entsprechende Kleidungsstück, das seit 2013 nicht mehr verkauft wird, an uns zurückzusenden, um den Ursprung des Etiketts eingehend zu prüfen und zu entscheiden, ob eine weitere Untersuchung des Sachverhalts erforderlich ist. Andere Vorfälle dieser Art wurden in Bezug auf dieses Kleidungsstück nicht gemeldet.

Unser Verhaltenskodex bestimmt, dass Lieferanten und Fabriken die Produktion unserer Kleidungsstücke unter guten Arbeitsbedingungen sowie eine gerechte Behandlung und Bezahlung der Arbeitskräfte gewährleisten müssen. Wir prüfen in jeder Fabrik, ob dieser Kodex eingehalten wird, und bieten bei auftretenden Problemen Beratungsleistungen und Schulungsmaßnahmen an. Außerdem sind wir Mitglied der Ethical Trading Initiative.Quelle: http://www.primark-ethicaltrading.de/nachrichtenundhaeufigefragen/nachrichten/mitteilung_von_primark_vom_23_6_2014

Ebenso kann man auf Primark´s Homepage folgende Behauptung finden:

„Wie die meisten Konsummarken kauft Primark den Großteil seiner Produkte aus Ländern in Übersee wie Indien, China, Bangladesch, Vietnam oder Türkei. Wir haben rund 700 Direktlieferanten, die Waren nach unseren Spezifikationen und Designs produzieren. Wir sind nicht Eigentümer der Firmen oder Fabriken, die unsere Waren produzieren, aber wir haben die Verantwortung, gegenüber den Arbeitern in diesen Fabriken sowie gegenüber unseren Kunden und Anteilseignern zu gewährleisten, dass unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden.“
Quelle: http://www.primark-ethicaltrading.at/wiewirarbeiten

Den Ursprung des eigentlichen Beitrages findet man in der „South Wales Evening Post

Der Beitrag wurde, soweit wir das erkennen können, ursprünglich in der „South Wales Evening Post“ gedruckt. Diese Zeitung ist jedoch ein „tabloid paper“, also auf Deutsch so etwas wie „Klatschpresse„.

Das sagt noch nichts über den Wahrheitsgehalt aus, aber zunächst mal würden wir eher von einer aufgepumpten Story ausgehen. Ob Fake oder nicht – damit wurde ja an vielen verschiedenen Stellen eine erneute Diskussion über Arbeitsrecht und Arbeitsbedingungen ausgelöst.

Zweifel entstehen, wenn man bedenkt, dass auf das Bildungsniveau der Näherinnen in den jeweiligen Ländern wenig Wert gelegt wird und es eher unwahrscheinlich ist, dass diese die englische Sprache beherrschen. Die Hilferufe sind laut Recherchen darauf genäht. Die Wahrscheinlichkeit, dabei erwischt zu werden und den für die Näherinnen überlebenswichtigen Job zu riskieren, sei doch sehr hoch.

Da Primark auch in Deutschland zusehends präsenter wird und immer wieder in der Kritik steht, wird hier vermutet, dass es sich bei dieser Meldung um einen Fake handelt.

Behauptungen und endgültige Aussagen diesbezüglich können wir aber derzeit nicht treffen. Daran wird sich leider auch nichts ändern, bis Ergebnisse der Analyse durch Primark vorliegen.

Ausdrücklich hingewiesen wird, dass derzeit noch keine Antwort von Primark gesendet wurde und dass man nicht zu 100% sagen kann, ob es nicht eine inszenierte PR Aktion ist.

Wir halten Euch auf dem Laufenden!

Autor des Berichtes: Anita Baumgartinger, ZDDK – Gastautor

Recherche: Johannes Lemmer, Ralf Nowotny, Stefan Frerix, Christian Müsse, Maik Sittig, Marcel Dunkelberg, Ramona Bauer (ZDDK-Gastautoren)

UPDATE 26.6.2014 / 13:10 Uhr

Ein paar Zeilen oberhalb haben wir schon geschrieben, dass man nicht sagen kann, ob es nicht eine inszenierte PR Aktion ist.

Auf der Seite “Werben und Verkaufen” haben wir soeben einen interessanten Artikel dazu gefunden.

Auszug:  Warum der Primark-Shitstorm nach Guerilla-Kampagne aussieht

– Das zeitgliche Auftauchen der Zettel
– Die geografische Verteilung der Zettel
– Die englische Sprache auf den Zetteln
– Ungereimtheiten bei den Verkaufsdaten der einzelnen Produkte

Verweis: http://www.wuv.de/digital/warum_der_primark_shitstorm_nach_guerilla_kampagne_aussieht

UPDATE 27.6.2014

Auf der Webseite PRIMARK.com wurde STELLUNG dazu genommen!

„Obwohl sich die Verdachtsmomente hinsichtlich des Ursprungs dieser Zettel bzw. Etiketten und der Tatsache, dass der Verkaufszeitpunkt dieser Kleidungsstücke schon relativ lange zurückliegt, häufen, ist sich Primark seiner Verantwortung gegenüber seinen Lieferkettenarbeitern bewusst und hat bereits eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt“, so ein Sprecher von Primark.

Primark prüft zur Sicherstellung des Wohlergehens seiner Lieferkettenarbeiter alle Behauptungen über Verstöße gegen seinen Verhaltenskodex umgehend. Unabhängig von der Quelle, aus der sie stammen, finden Informationen bei uns immer ein offenes Ohr; eine gründliche Untersuchung der 3 Fälle (2 in Swansea und 1 in Nordirland) hat, wie es in der Verlautbarung heißt, bereits begonnen.

Es steht eindeutig fest, dass sich diese Fälle auf Artikel beziehen, die vor etlichen Jahren erstanden wurden. Primark hat seit 2009 ungefähr 10 000 Audits in den Fabriken seiner Lieferanten durchgeführt. Alle Vorfälle dieser Art werden sehr ernst genommen und treten nur selten auf. Das ist unserer Ansicht nach größtenteils auf die unermüdliche Arbeit des Primark-Teams zurückzuführen, dessen spezieller Arbeitsbereich der ethische Handel ist.

Wir haben veranlasst, dass die drei Artikel von den Kunden abgeholt werden. Danach kann genau untersucht werden, unter welchen Umständen der zusätzliche Zettel bzw. die zusätzlichen Informationen angebracht wurden.

Label 1

Swansea

Zwei derartige Fällen ereigneten sich in Swansea. Für uns ergeben sich folgende Verdachtsmomente:

1 die Zettel bzw. Etiketten sind sehr ähnlicher Art und auf die gleiche Weise an den Kleidungsstücken angebracht
2 die beiden Kleidungsstücke waren etwa zur selben Zeit im Jahre 2013 im Angebot
3 sie waren in zwei verschiedenen, Tausende von Kilometern voneinander entfernt liegenden Ländern hergestellt worden

Nordirland

Bei dem Fall in Nordirland ging es um eine ¾-Hose. Diese Produktlinie wurde zuletzt im Frühjahr 2009 von Primark in Auftrag gegeben und in Nordirland zuletzt im Oktober 2009 verkauft. Angesichts der Tatsache, dass diese Art von Hose vor vier Jahren im Angebot war, ist es unserer Meinung nach sehr seltsam, dass auch dieser Fall erst kürzlich gemeldet wurde.
Seit 2009 wurde der Zulieferer, der die ¾-Hosen herstellte, neun Mal durch das Ethik-Team von Primark inspiziert. Bei keiner dieser Inspektionen, das möchten wir betonen, hat sich herausgestellt, dass Häftlings‑ oder andere Zwangsarbeit zum Einsatz kam.

Label2

Verhaltenskodex

Im Verhaltenskodex von Primark sind die Kernprinzipien festgelegt, die Zulieferer zu befolgen haben, damit sichergestellt ist, dass Erzeugnisse unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden und dass die Arbeiter, die sie herstellen, anständig behandelt und angemessen bezahlt werden. Primark ist ein Mitglied der Ethical Trading Initiative (ETI), und der ETI-Basiskodex ist die Grundlage für unseren Verhaltenskodex. Jede Fabrik wird von uns einer Inspektion unterzogen, damit sichergestellt ist, dass sie die Anforderungen unseres Kodex erfüllt. Wenn bei der Inspektion Handlungsbedarf festgestellt wird, unterstützen wir die Fabrik mit Anleitungen und Schulungen. Allein im Jahre 2013 wurden etwa 2058 derartige Inspektionen durchgeführt. Primark verfügt über ein Team aus über 45 Fachleuten, deren Aufgabe es ist, den in unserem Kodex festgelegten Standard zu wahren.

Es ist Primark ein Anliegen, dass für alle Arbeiter, die Primark-Artikel herstellen, Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet ist. Primark war der erste britische Einzelhändler, der das Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz (Accord on Fire and Building Safety) in Bangladesch unterzeichnete, um mit anderen Markenunternehmen und Interessenvertretern in der Branche zur Herbeiführung einer nachhaltigen, langfristigen Veränderung in dem Land zusammenzuarbeiten.
QUELLE und VERWEIS: http://www.primark.com/de/about-us/statement

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