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Wie Profis Nachrichten verifizieren und Fälschungen enttarnen

Profile für Haustiere, Mehrfach-Accounts, Spam-Profile oder kopierte Accounts – allein bei Facebook sind bis zu 10 Prozent aller Profile Fakes, schätzen Experten. Auch Twitter ist nicht sicher vor Fälschungen: Es gibt zig gefälschte Angela Merkels, keiner der Accounts ist der der Bundeskanzlerin. Immer wieder fallen Medien auf Tweets von gefakten Profilen rein. In Teil zwei meiner Serie zeige ich, wie man Accounts in Sozialen Netzwerken verifiziert.

Dozent_Oliver_Klein Oliver Klein, Mimikama-Gastautor

Fake oder Fakt? (Teil 1) HIER lesen

Bis heute existiert bei Twitter ein Account mit dem Namen Martina Gedeck, eingerichtet im Juni 2010. Ob die fast 900 Follower inzwischen alle wissen, dass der Account nichts mit der Berliner Schauspielerin zu tun hat? Eingerichtet hat das Profil die Satirezeitschrift Titanic, um damit 2010 bei der Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsident die Medien zu narren: Unter dem Namen Martina Gedeck, die damals tatsächlich als Wahlfrau in der Bundesversammlung war, twitterte die Redaktion der Titanic einen Hinweis, dass die Wahl im ersten Durchgang bereits entschieden worden sei. Das war zwar kompletter Humbug, trotzdem verbreiteten elektrisiert selbst die größten deutschen Online-Medien wie welt.de, taz.de, faz.net und viele andere diese Falschmeldung. Bei genauerem Hinsehen hätte freilich auffallen können, dass besagter Twitter-Account erst einen Tag vor der Bundespräsidentenwahl eingerichtet wurde – und sämtliche zuvor abgesetzten Tweets furchtbar albern, furchtbar belanglos oder beides zugleich waren.


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Es gab von Anfang an genug Anhaltspunkte, dass der Account nichts mit der richtigen Martina Gedeck zu tun hat. Im folgenden erläutere ich die Tricks, mit denen ich blitzschnell Profile in sozialen Netzwerken überprüfen kann.

Bei Promi-Profilen – gibt’s einen „verified-Account“-Haken?

Der weiße Haken auf blauem Grund lässt sich derzeit – im Gegensatz zu früher – praktisch nicht fälschen und ist sozusagen ein „Echtheitszertifikat“, verliehen von Facebook, Twitter & Co selbst. Achtung: Die allermeisten wichtigen Promis haben diesen Haken, aber nicht alle. Trotzdem haben aber praktisch alle Promis eine Website! Hat ein Promi zusätzlich einen offiziellen Account bei Sozialen Netzwerken hat, verlinkt er in der Regel von der eigenen Website auch dorthin, was dann die Echtheit eines Accounts bestätigt – es sei denn, die Promi-Website wurde gehackt oder handelt sich ebenfalls um eine gefälschte Seite. Daher lohnt es sich, auch bei der Website genau hinzuschauen und zu checken, wer sie ins Netz gestellt hat (bei deutschen Seiten mit denic.de, bei internationalen z.B. mit der Whois-Suche von domaintools.com).

Foto-Rückwärtssuche

Gerade, wenn es um private Accounts geht, kann das Profilfoto via Foto-Rückwärtssuche überprüft werden (wie das genau funktioniert, habe ich im ersten Teil von „Fake oder Fakt“ erklärt). Millionen Profile verwenden Bilder von Fotomodels oder Schauspielern, was ich mit dieser Suche leicht enttarnen kann.

Follower checken

Wieviele Freunde bzw. Follower hat der Account? Wer sind die Follower? Sind unter den Followern bekannte und verifizierte Accounts, ist das ein Indiz für die Echtheit des zu überprüfenden Accounts.

Es ist ein Fall, der auch eineinhalb Jahre danach noch für Kopfschütteln sorgt: Irgendjemand hatte Ende 2014 einen Twitter-Account angelegt mit dem Namen „ScuderiaFerrarl“ – wohlgemerkt mit einem „L“ am Ende statt einem „i“. Klar: Der Name „ScuderiaFerrari“ war ja schon an das Original vergeben. Dieser Fake-Account hatte insgesamt gerade einmal 6 Tweets verfasst und sage und schreibe 35 Follower als er den Wechsel von Vettel zu Ferrari verkündete (einen Tag, bevor der Wechsel tatsächlich offiziell wurde). Kein Problem für die Deutsche Presseagentur: Die Eilmeldung wurde sofort ohne weitere Prüfung rausgeblasen, unzählige Online-Medien übernahmen sie. Komischerweise war niemand auf die Idee gekommen, nach dem echten Ferrari-Account bei Twitter zu suchen: Ja genau, den mit über einer Million Followern und dem Verified-Account-Haken!

Aber selbst eine hohe Zahl von Followern kann täuschen: Auf Seiten wie „buycheapfollowersfast.com“ kann man für 40 Dollar 5000 falsche Freunde kaufen. Gott sei Dank gibt es Strategien und Tools, um einen Account mit einer solche Armee von Zombie-Followern zu enttarnen: twitteraudit.com analysiert jeden beliebigen Account und schätzt die Echtheit der Follower ein. Beim Klick auf solche Fake-Follower fällt auf, dass sie in der Regel kaum oder keine eigenen Inhalte verbreiten und meist kein Profilfoto haben.

Anmelde-Adresse eines Accounts checken

Passt die Mailadresse, mit der ein User einen Account angemeldet hat, zum Namen, der im Account angegeben ist? Das kann ich mit einem einfachen Trick herausfinden: Klicke ich bei der Anmeldung zu Facebook oder Twitter auf den Link „Passwort vergessen“, werde ich aufgefordert meinen Account zu identifizieren. Gebe ich nun den Nutzernamen des Accounts ein, den ich überprüfen möchte, bietet mir das System an, das Passwort zurückzusetzen – und zeigt Teile der Mailadresse an, unter der sich der User angemeldet hat. ACHTUNG: Bis hierhin und nicht weiter, weil sonst wirklich das Passwort des Nutzers zurückgesetzt werden würde, worüber der natürlich via Mail informiert wird! Genannt werden meist die ersten beiden Buchstaben des ersten Teils der Mailadresse, regelmäßig also der Name. Aus den Einzelteilen lässt sich häufig der Name erraten sowie der Mailanbieter, @w**.** ist beispielsweise regelmäßig „web.de“, auch die Anzahl der Sternchen lässt den Rückschluss zu, ob die Mailadresse den Namen des Users enthält.

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Im Falle des Fake-Accounts von Martina Gedeck bei Twitter hätte man stutzig werden können. Die angezeigten Fragmente haben nichts mit dem Namen Martina Gedeck zu tun. Sie lassen aber folgende Mailadresse plausibel erscheinen:

info@titanic-magazin.de

Dozent_Oliver_Klein Oliver Klein, Mimikama-Gastautor Redakteur und Rechercheexperte Klein gibt seit 2008 Seminare für Journalisten zum Thema Online-Recherche; eins der wichtigsten Themen ist natürlich Verification (neben Google-Tricks, Graph-Search, Umkreissuche in Sozialen Netzwerken usw.). Mehr über seine Arbeit gibt es auf http://rechercheseminar.de

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