Droht einem 100 Jährigen Deutschen eine Räumungsklage in einem Seniorenheim?


Ende Oktober 2015 wurde auf Facebook ein Bericht immer wieder geteilt, der eigentlich bereits aus dem Jahre 2014 stammt. Wir haben darüber berichtet.


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VORABINFO: Es gab tatsächlich 2014 eine Räumungsklage aufgrund von Mietschulden. Jene Klage wurde abgewiesen, da jener Rentner auf seinen Rollstuhl angewiesen ist. Die Kosten für seine Unterbringung werden nun von der Gemeinde getragen. Zu keinem Zeitpunkt gab es bezüglich jener Räumungsklage irgendeinen Zusammenhang mit Flüchtlingen.

Im Detail: Veröffentlicht hat den Bericht der Netzplanet.

Abermals bekommen wir aktuell sehr viele Anfragen von Facebook-Nutzer dazu, die sich auf unserer Facebook-Seite dazu melden:

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In diesem heißt es:

Einen 100 Jährigen Deutschen, der zwei Weltkriege erlebt und überlebt hat, Deutschland wieder mitaufgebaut hat, sein Leben lang brav gearbeitet und Steuern bezahlt hat, droht eine Räumungsklage im Seniorenheim, weil er die Heimkosten nicht mehr alleine tragen kann. Wie armselig ist dieses Land geworden? Pseudoflüchtlingen, Schmarotzern, Asylbetrügern den Hintern vergolden, die nichts für Deutschland leisten geschweige denn jemals eine Leistung erbracht zu haben, aber armen Deutschen im Alter die Würde entziehen.“

Vorweg gesagt: Der obige Text war die ganze journalistische Leistung der Autorin „Janina“ (Netzplanet). Der Text geht noch weiter und beschreibt die Umstände, wie es eigentlich dazu gekommen ist.

Der Bericht des Nachrichtenblogs „Netzplanet“ schlägt derzeit hohe Wellen auf Facebook und wird fleißig geteilt. Gleich vorweg: Bei der Recherche fragten wir uns,  was der ganze Bericht von Netzplanet nun mit Asylanten zu tun hat?

Die Antwort lautet: NICHTS!

Der Text geht noch weiter und beschreibt die Umstände, wie es eigentlich dazu gekommen ist.


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Im weiteren Text, der im Übrigen 1:1 von der Nachrichtenseite „RP-Online“ kopiert wurde, sagt der Leiter des Jüchener Seniorenzentrums, John Esser, aus:

„In sechs, sieben Monaten können bei einem Bewohner schnell Außenstände in Höhe von 15 000 Euro entstehen. Bei mehreren solcher Fälle müssen wir handeln, denn sonst ist unsere Liquidität bedroht“

Nun ist dies natürlich eine tragische Angelegenheit, keine Frage. Auch handelt es sich um eine wahre Geschichte, über die mehrere Medien bereits berichteten.

Jedoch müssen wir doch noch einiges klarstellen:

Zuerst: Wie wir oben schrieben, wurde der restliche Bericht 1:1 von RP-Online kopiert, womit sich die Damen und Herren dort schon mal selbst keinen Gefallen getan haben, da RP-Online in seinen AGB aussagt:

Die Inhalte von RP ONLINE dürfen nur für eigene persönliche Zwecke verwendet werden. Die Weitergabe von Inhalten von RP ONLINE an Dritte ist, auch auszugsweise, nur dann gestattet, wenn RP ONLINE dies elektronisch unterstützt oder eine Einwilligung vorliegt.“

und

„Die Einrichtung eines Hyperlinks auf rp-online ist untersagt, wenn die Seite neben diesem Link auf rp-online.de auf sittlich anstößige, gewaltverherrlichende, rassistische und/oder strafrechtlich relevante Inhalte beinhaltet.“

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Quelle: http://www.rp-online.de/info/agb/index.php?agb=mitglied

Liegen solche Inhalte bei „Netzplanet“ denn vor?

Dazu kommen wir gleich!

Die Autorin „Janina“ war ja klug und hat den ersten Absatz von RP-Online nämlich nicht kopiert. Dort heißt es nämlich:

„Eine Klage vor dem Sozialgericht Düsseldorf läuft, eine endgültige Entscheidung fehlt.“

So eine Klage kann, wie in dem Bericht auch Gerd Gallus, Produktgruppenleiter für Heimpflege beim Sozialamt des Rhein-Kreises Neuss, betont „lange dauern“, sprich: Solange diese Klage nicht abgewiesen wurde, wird der 100 Jährige auch weiterhin in dem Wohnheim bleiben dürfen.

Emil V. darf durch mit Hilfe eines Tricks bleiben

Der Artikel wird weiterhin (auch im Mai 2015) stark verteilt und es wird dabei immer noch gegen Asylbewerber gehetzt. Warum, das ist in keinem Punkt nachvollziehbar.

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Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn die berichterstattenden Seiten das Ergebnis der ganzen Geschichte auch nennen würden: der 100-jährige Mann wird in seiner Wohnung bleiben. Mehr noch: er wird auch seine Mietschulden nicht zahlen müssen. Die ganze Story war nämlich ein Trick, um weiterhin, trotz hoher Schulden beim Pflegeheim bleiben zu können. Und zwar auf völlig legitime Weise:

Rollstuhl kehrt Marsch!

Denn die Zwangsausweisung war nur ein – zugegebenermaßen – ziemlich cleverer Trick, wie sich jetzt zeigte. Emil V. wurde per Räumungsbeschluss mit seinem Rollstuhl vor die Tür seines Zimmers geschoben. Dort warteten aber schon die Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit einem Beschluss zur Zwangsunterbringung. Also: Rollstuhl „kehrt Marsch!“ und zurück in die gute Stube.

Ende gut…

Und wer zahlt jetzt dafür? Auf jeden Fall nicht mehr Emil. Denn bei einer Zwangsunterbringung muss die Gemeinde für die Kosten aufkommen. Opa Emil fühlt sich wohl und ist zufrieden – Und ausziehen muss er nicht mehr, denn sein Wohnrecht gilt jetzt lebenslänglich!

Der ganze Artikel auf http://www.advopedia.at/news/kurios/zwangsraeumung-aus-dem-altersheim.

Zurück zum „Netzplanet“

Wir fragen uns natürlich, was der ganze Bericht von Netzplanet nun mit Asylanten zu tun hat?

Die Antwort lautet: NICHTS!

Eine reißerische Überschrift und ein kleiner Einleitungstext nutzen eine emotionale Meldung, um gegen die Ausländerpolitik Deutschlands und gegen Asylanten mobil zu machen. Die Frage ist nun, wie hätte der Netzplanet geschrieben, wenn ein Asylbewerber den Trick angewendet hätte, der hier bei dem 100-jährigen Mann angewendet wurde?

Wer sich die Seite mal anschaut, wird feststellen, dass dies kein Einzelfall ist. So findet man dort Berichte wie „Moslem: IS-Terror stammt aus unseren Büchern“, „So kann man auch Zigeuner vertreiben“, „Muslime jubeln über Todesurteil an Christin“ und „Türken unterstützen die IS-Menschenabschlachter“. Die Berichte dahinter sind teilweise geklaut und dramatisiert, teilweise nur die halbe Wahrheit oder komplett an den Haaren herbeigezogen.

Der Grundtenor hinter sämtlichen Berichten ist jedoch:

Stimmung machen! Gegen Asylanten, gegen die deutsche, europäische und die US-Politik, gegen so ziemlich Alles, was nicht in das deutlich braune Weltbild passt. Wir raten deshalb davon ab, solchen Seiten wie dem „Netzplanet“ vollends zu vertrauen, auch nicht mit Argumenten wie „Aber die sagen doch endlich mal die Wahrheit“ oder „Die machen wenigstens mal den Mund auf“.

Ja, tun sie, den Mund aufreißen. Und die „Wahrheit“ sollte man immer von allen Seiten beleuchten. Denn in einem gewissen Licht sieht alles hässlich aus.

Autor: Ralf N., mimikama.at

Quelle des eigentlichen Ursprungsberichtes: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/juechen/raeumungsklage-gegen-hundertjaehrigen-aid-1.4619651

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