Die Sache mit den Flüchtlings-Nachtflügen


Eine neue These wird im Netz verteilt: Flüchtlinge werden klammheimlich im Regierungsauftrag nach Deutschland gebracht. In der Nacht – im Minutentakt – mit dem Flugzeug. Draußen vor den Toren warten dann bereits die Busse des Bundesamtes für Migration.

Schlagsätze zu dieser These lauten [1]:

Nacht für Nacht alle 3-5 Minuten ab etwa 1 Uhr morgens klammheimlich Tausende Migranten im Köln Bonner Flughafen

Und [1]:

Da sind große Flieger bei, die pro Flugzeug über 500 Passagiere fassen! Das geht jetzt schon wochenlang.

Aber auch [2]:

Anschließend werden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit Bussen auf die Aufnahmelager verteilt.

Sowie [2]:

Bereits ein Blick auf Flugpläne vom 8. August zeigt: Ab halb eins beginnt die »Rush-Hour for Refugees«. Maschinen aus der Türkei und Griechenland landen beinahe im Minutentakt.

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Die großen Geheimnisse – woher stammen sie?

Wahrscheinlich richtig groß herausgekommen ist diese Meldung, weil der Kopp-Verlag am 08. August 2016 [2] die These veröffentlichte. Hier liest man als Informationsquelle [sic:] “Das berichten mehrere Informanten Kopp Online die das Treiben an deutschen Flughäfen beobachten.”, sowie auch “Ein anderer Leser berichtet Kopp Online:” Es handelt sich also gemäß des Autors um nicht weiter benannte Leser.

Als Beweis dieser These wird nun der reguläre und öffentlich einsehbare Ankunftsplan des Köln-Bonner Flughafens dargelegt, dieser Ankunftsplan ist völlig Transparent und für jeden anzuschauen (hier die offizielle Seite des Flughafens Köln-Bonn). Doch diese Information ist nicht zu allererst bei Kopp erschienen, sondern auf der Seite “Austria-netz.de”[1], über die wir interessanterweise gestern schon berichtet haben (siehe “Plakat der Bundesregierung”).

Warum jedoch diese These der Seite so stark von vielen anderen aufgegriffen wird, ist unverständlich, da hier eher weniger beweislastige Angaben oder Quellen genannt werden. Hier lautet es:

Sehen sie aber hinter die Kulissen denn beim Zollausgang, wird die Masse bestimmt nicht umgeladen! Da ich den Flugverkehr schon über 30 Jahre kenne und abzuschätzen weiß kann ich mir kaum denken.

Auf dieser Webseite trat nun die These über Migrantenflüge in Köln-Bonn zum ersten mal in Erscheinung, das war am 06. August 2016

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Nachdem nun wirklich viele Blogs diese These aufgegriffen und auch leicht modifiziert haben, erreichten uns diesbezüglich Anfragen.

Was mag dahinter stecken?

Wir haben das erwähnte Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angeschrieben und dort recht zeitnah eine Antwort bekommen, dass man die Vorwürfe bereits kenne:

Die Gerüchte sind natürlich nicht wahr, wir stehen diesbezüglich bereits mit dem BMI im engen Kontakt. Das Social Media Team dort wird dazu bald einen Tweet rausschicken und die Sache aufklären.

Dieser Tweet des des Bundesministeriums des Innern ist mittlerweile öffentlich, wir geben diesen ebenso wieder:

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Quelle: Twitter BMI

Auch Mitarbeiter des Social Media Teams des Köln Bonn Airport haben sich bereits auf Facebook zu diesen Inhalten geäußert:

Hallo Stefan, diese Information ist frei erfunden. Bei den Passagierflügen, die nachts bei uns starten und landen, handelt es sich um touristische Verbindungen, wie wir sie seit Jahr und Tag haben.

kobo

Was am Ende bleibt

Wir haben es hier mit einer These zu tun, die im ursprünglichen Fall von einem Blog stammt, der auch ein Screenshot aus einem Porno als  Plakat der Bundesregierung den Lesern unterjubeln wollte. Diese These wurde in den letzten 36 Stunden vielfach aufgegriffen und als Quelle die Nennung “Leser” oder “Insider”. geschrieben. Wir bewerten diese Aussagen nicht.

Update

Auch das social Media Team des Flughafens sah sich in der Situation, deutliche Worte finden zu müssen:

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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