Deutschland 2030: woher kommst du denn?


Nein, in diesem Fall haben nicht wir nach der Herkunft des Bildes gesucht, sondern Online-Redakteur Fiete Stegers vom NDR [1] hat sich die Mühe gemacht, den Urheber des Bildes ausfindig zu machen und auch zu fragen, wie dieser zu der Verwendung des Bildes steht.


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“Worum geht es? Worum geht es?” Die Frage soll schnell beantwortet sein: es geht um einen kontrovers diskutierten Post der CDU Politikerin Erika Steinbach auf Twitter. Am 27. Februar 2016 veröffentlichte sie Folgendes:

(alternativ falls gelöscht >> hier << )

Ein Kind mit blonden Locken steht vor einer Gruppe Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Mit Hilfe des Titels “Deutschland 2030: woher kommst du denn?” braucht man kein großer Interpretationskönner zu sein, das erschließt sich auch schlichteren Gemütern: hier soll symbolisiert werden, dass “blonde Lockenköpfe mit heller Hautfarbe” (ergo Deutsche) in Zukunft eine Minderheit im eigenen Land sind. Mit der Macht des Bildes im Gepäck wird diese Aussage so dramatisch wie möglich an dieser Stelle vermittelt.

Programmtipp hierzu: ZAPP (NDR) | 23.03.2016 | 23:20 Uhr

Bereits am 3. März verwies ebenfalls Fiete Stegers vom NDR [2] auf die Herkunft des Bildes, sowie auf die vielfache gleichartige Nutzung quer durch Europa. Also kein rein deutsches Phänomen: Schweden, Niederlande, Deutschland, Italien: in all diesen Ländern schwirrt das Bild umher, überall steht der eigene Landesname eingetragen. Eine der besonders frühen Formen des Bildes findet sich mit dem Titel “Rumänien 2030”.

In dem Artikel vom 03. März datiert Stegers das Bild jedoch noch weiter früher:

Die mutmaßlich älteste dieser Bildsammlungen entdecke ich bei Piximus.net: Upload am 27. Januar 2012. Auf einer weiteren Website könnte das Bild laut seines Dateinamens zwar bereits 2011 hochgeladen worden sein, der dazugehörige Artikel trägt jedoch das Datum vom 30. Januar 2012.

Am Ende lässt er jedoch noch offen, von wann und von wem genau dieses Foto stammt.

Heute jedoch!

Seit dem sind drei Wochen und augenscheinlich viel Recherchearbeit vergangen, so dass Stegers vom NDR heute Mittag das Ergebnis veröffentlichte [3]. Mit Hilfe von Leserinformationen, sowie Verweise über Foren konnte ein Bild gefunden werden, welches mit hoher Auflösung und plausibler Gerätedaten in einer Fotocommunity gespeichert ist:

Und tatsächlich: Dort hatte ein Nutzer aus Australien das Bild am 24. Januar 2012 hochgeladen. Wenige Tage danach fand es sich auf einer Liste der schönsten Community-Bilder und von dort offenbar seinen Weg ins Netz.

Die Beschreibung des Bildes sagt aus, dass es sich um Kind aus einer australischen Familie handelt, welche zu Besuch in dem Kinderheim in Chennai (Indien) waren. Dort wurde das Bild aufgenommen. Mit diesen Daten gelang es dem NDR-Redakteur, Kontakt zu der Familie aufzubauen. Bei dem blonden Kind handelt es sich um den Sohn des Urhebers. Nachdem die Familie aufgeklärt wurde, wofür diese Bilder in Europa genutzt werden, waren sie entsetzt: DAS war nicht die Aussage des Bildes! Im Gegenteil: nach Angaben des NDR sollte dieses Bild das Miteinander verschiedener Kulturen und von Menschen darstellen und nicht Fremdenfeindlichkeit erzeugen. Das unterstütze man nicht, so die Eltern des Kindes!

An dieser Stelle weisen wir auf die ausführliche Darstellung zu diesem Bild hin: um 23:20 Uhr (gleich, 23. März 2016) auf ZAPP/NDR wird das Thema behandelt. Wer also die gesamten Hintergründe wissen will, sollte dort einschalten. Wir beenden an dieser Stelle unsere Information mit denselben Worten, wie sie auch Stegers in seinem Artikel nutzt:

„Dass ein so schönes, vorurteilsfreies Aufeinandertreffen von Kindern in solcher Weise verdreht wird, zeigt wie arm Rassismus ist.“

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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