Das neue Hobby von Fälschern: Finder erfinden


Was nun in den letzten Wochen langsam an die Oberfläche kommt, ist finstere Manipulation auf verschiedenen Leveln. Mit einem Trick arbeitet man auf mehrfacher Ebene desinformativ: man erfindet Finder!

Mit der Erfindung von vielfachen Meldungen, dass Asylbewerber an vielen Orten Deutschlands „rein zufällig“ zu ehrlichen Findern werden, sollen zum einen echte Meldungen unglaubwürdig gemacht werden, zum weiteren in Frage gestellt werden, warum ausgerechnet Asylbewerber auf einmal so viele Dinge „finden“, letztendlich aber auch die berichterstattende Presse, welche die Originalmeldung veröffentlicht hat, als „Systempresse“ diffamiert werden.

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(Screenshot: PI-News)

Wie das im Einzelnen aussieht und funktionieren soll (und auch augenscheinlich funktioniert), werden wir hier erklären.

Der “Finder”

Wie man aus dem Artikel der oben angeführten Blogs PI-News (seines Zeichens Gegen die Islamisierung Europas) erkennen kann, wird bereits kräftig kritisiert, dass es angeblich bundesweit ehrliche Finder von Geld und Wertgegenständen gäbe, welche alle Asylbewerber sind. Der Vorwurf:

Der staatliche Propagandaapparat, früher einmal „Freie Presse“ genannt, arbeitet seit Wochen auf Hochtouren, um uns die Massenansiedlung von kulturfremden jungen Männern schmackhaft zu machen.

(Quelle: PI ebenso)

Man bringt es knallhart auf den Punkt: diese vielen Meldungen über ehrliche Asylbewerber müssen erlogen sein und dahinter stecke die Systempresse.

[…]die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten all dieser Faktoren, dazu noch in der Häufigkeit innerhalb eines Monats, dürfte in einem ähnlichen Bereich liegen, wie die Wahrscheinlichkeit auf offener Straße von einem herabfallenden Kometen erschlagen zu werden.

(Quelle: PI ebenso)

Doch woher stammen diese ganzen Finder? Gibt es wirklich viele Findermeldungen?

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Genauer hingeschaut

Ja, es gibt vermehrt Findermeldungen, aber auch wir gehen davon aus, dass diese oftmals nicht echt sind. Jedoch stammen sie nicht von “der Systempresse” sondern sind mehrere davon augenscheinlich eher als False Flag Meldungen zu verstehen (Anmerkung False Flag: False Flag bezeichnet eine verdeckte Operation, die zur Verschleierung der Identität und der Absichten des tatsächlichen Urhebers vorgeblich von einer anderen, dritten Partei durchgeführt wird. Die Aktion wird also zum Schein aktiv einem unbeteiligten Dritten zugeschrieben. Der tatsächliche Akteur handelt dabei also „unter einer falschen Flagge“, was typischerweise vom gezielten Einsatz von Desinformation begleitet wird und zum Schutz vor der Entdeckung des wahren Urhebers unterliegt.)

Das ganze System funktioniert so:

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Kurz umschrieben: es gibt ein paar bestätigte Finder-Meldungen von Polizei und Presse. Die stört so manche Menschen, daher stehlen sie Bilder, die Flüchtlinge abbilden, und bauen eine Pressemitteilungen nach, die einen “weiteren zufälligen Finder” zeigen. Diese Meldungen werden über Facebook verbreitet. Die Leser bekommen bei der Menge an Meldungen das Gefühl, dass bei den vielen Findermeldungen doch so einiges nicht stimme, und fühlen sich getäuscht von den Medien. Sie können nicht erahnen, dass genau dieses Ziel erreicht werden soll.

Gleichermaßen gehen die unbekannten Fälscher einher und behaupten, die Quellen, wo sie ihre Bilder geklaut haben, seien Fälschungen der “Systempresse”. Ziel: die Berichterstattung der Medien über Flüchtlinge sei systemgesteuert, man dürfe der “Systempresse” nicht glauben.

Beispiele in der Realität: sehen die Finder-Erfindungen aus

Auf vielen Seiten und Profilen auf Facebook liest man immer öfter von Findern. So wie auch hier:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Diese und ähnliche Meldungen werden auf Facebook bunt verteilt. Sie sehen aus wie Pressemeldungen, sind aber keine. Ziel dieser Verteilungen: man soll überflutet werden mit “Findermeldungen”. Man soll diese Meldungen letztendlich für unglaubwürdig halten, so dass man irgendwann jede Meldung über Asylbewerber für unglaubwürdig hält, die im Positiven über jene berichtet.

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(Screenshot: tagblatt.de)

Die Meldung, aus dem das Foto für diese Falschmeldung gestohlen wurde, liest sich anders. In der echten Meldung geht es um ein Projekt, welches Asylbewerber in Schwäbisch Gmünd betrieben haben: Koffertragen am Bahnhof!

Mit Landrat Klaus Pavel hatte er versprochen, die Lage der Asylbewerber zu verbessern. Nun wird die Bahnhofsunterführung umgebaut, wer auf Gleis 2 oder 4 will, muss über eine Behelfsbrücke samt Gepäck. Könnten dort nicht Flüchtlinge den Reisenden helfen?

Dieses Projekt scheiterte im Übrigen aufgrund eines Shitstorms. Nun wird jedoch dieses Bild benutzt und ein Finder erfunden. Angeblich hat die Presse das ja so geschrieben.

Weiteres Beispiel

Und in diesem haben die Fälscher einen Fehler gemacht, denn hier haben sie nicht wissen können, dass wir von ZDDK/Mimikama die echte Begebenheit kennen, die Menschen dahinter kennen und problemlos vor Ort recherchieren konnten:

Dieses Bild hat nichts mit Brandenburg zu tun. Das ist auch kein Syrer. Hier wurde abermals absichtlich ein “Finder” erfunden.


(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Dieses Bild findet sich nun auf vielen Profilen, welche mit desinformativen politischen Inhalten hervorstechen. Ebenso tragen diese Profile ein zweites Bild dabei, welche den echten Artikel abbilden. An dieser Stelle kommt nun zum Tragen, dass die echte Meldung über den jungen Mann als Lüge von der Systempresse hingestellt wird.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Zu exakt diesem Bild liest man in einigen Statusmeldungen:

Die Haltestelle gibt es übrigens nicht in Versmold, die Straße natürlich auch nicht

Man versucht also, die echte Meldung zu dem Bild als Lüge hinzustellen. Verschiedene  Profile tragen genau diese Darstellung, eben diese Profile tragen auch oft die Botschaft von der „Lügenpresse mit sich.

Meine Worte zu dieser Darstellung

Was hier nun geschieht, sind widerliche Lügen. Ich bringe es nochmal und deutlich: wer so etwas verbreitet ist ein Lügner! Ich komme selbst aus Versmold, bin dort geboren und aufgewachsen. Ich kenne diese Straße, ich kenne diese Haltestelle. Es ist die Bushaltestelle am Friedhof an der Berliner Straße in Versmold in Richtung Oesterweg. Zudem ist der Artikel aus dem Westfalen-Blatt völlig echt, das Westfalen-Blatt ist keine “Systempresse”. Der echte Artikel (hier zu lesen) wird wahrscheinlich auch eine Menge Menschen geärgert haben, da sich eine Menge Menschen aus meiner Heimatstadt mit offenen armen und helfenden Händen zu Flüchtlingen stellen.

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(Screenshot: Westfalen-Blatt)

Dieser Fälscherangriff ist daher ein beabsichtigter Angriff auf die Wahrheit, ein mieses Mittel der Manipulation und Propaganda.

Hier versuchen die Fälscher, wie auch im Falle aus Schäbisch Gmünd, zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: die echten Artikel werden als Systempropagande hingestellt, die erfundenen Findermeldungen sollen die Leser irritieren und ebenfalls dazu führen, dass man Pressemeldungen nicht mehr glaubt.

Wir haben Kontakt mit dem Westfalen-Blatt aufgenommen

Wir haben gestern (31.07.2015) Kontakt zum betroffenen Redakteur des echten Artikels aufgenommen. Dort war man sehr offen gegenüber unserer Information und ebenso bestürzt über den Missbrauch des Bildes. Daher reagierte das Westfalen-Blatt auch direkt und setzte eine kurze Klarstellung online:

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(Screenshot: Westfalen-Blatt)

Das Ziel dieser ganzen Aktionen

Das Ziel ist es: durch Falschmeldungen und Verleumdungen soll die normale berichterstattende Presse als Lügner hingestellt werden. Man versucht ein Bild der “Lügenpressse” aufzubauen. Die Gewinner sind am Ende die selbsternannten “alternativen Nachrichtenportale”, welche “gegen den Mainstream” berichten.

 

Bildquellen des Schaubildes:

Flat Design @ Shutterstock.com

gst @ Shutterstock.com

LalithHerath @ Shutterstock.com

 

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Autor

Andre Wolf, Mitarbeiter bei „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch". Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien Wolfs Fachgebiet.


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