Das Märchen um die Quadrate auf Tuben


In diesem Artikel möchten wir euch ein (zumindest für den Autor) neues urbanes Märchen vorstellen und aufzeigen was es damit wirklich auf sich hat.

Mimikama: Falschaussage im Netz gefunden

Es kursiert auf Facebook ein Post der behauptet das hinter den farbigen Markierungen auf Tuben ein geheimer Code steckt. Angeblich zeigt die Farbgebung dieser Markierungen an wie hoch die Konzentrationen an chemischen Inhaltsstoffen im jeweiligen Produkt sind. Das ist natürlich frei erfunden und wir liefern euch die Erklärung für diese Markierungen.

Kennst du die Bedeutung der Quadrate und Rechtecke auf der Rückseite von Tuben (Creme, Zahnpasta, Shampoo, etc.)?

Hast du jemals bemerkt, dass auf jeder Tube, auf der Rückseite ein Code erkennbar ist? Er kann schwarz, dunkelbraun, dunkelblau, dunkelgrün sein (in der Regel dunkle Farben), und es gibt ihn in rot und grün. Was bedeutet dieser Code?
Dunkle Quadrate (oder Rechtecke) zeigen, dass das Produkt vollständig aus Chemie zusammengesetzt ist!
Rote Quadrate zeigen, dass das Produkt in ca. 70% aus Chemie und 30% aus natürlichen Produkten besteht.
Grüne Felder zeigen, das Produkt besteht nur aus natürlichen Stoffen, ist frei von Chemie!
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Was bedeuten diese Markierungen wirklich?

Diese Markierungen, im Fachjargon Pass- bzw. Passermarken oder auch Tastmarken genannt, werden für die Produktion und Befüllung solcher Tuben benötigt und stellen keinen geheimen Code dar.

Tuben für alle möglichen Produkte werden meist als Rohlinge an die Werke geliefert die sie dann befüllen. Diese Rohlinge sind hinten offen und haben damit einen kreisrunden Querschnitt. Als einer der ersten Schritte in der Produktion werden diese Tuben nun mit den Logos und Inhaltsangaben bedruckt.

Dieser Druck wird in verschiedenen Schichten aufgetragen. Bereits mit der ersten Farbschicht wird ebenfalls diese Markierung aufgedruckt und hat somit auch deren Farbe. Erreicht die Tube nun den Punkt an der die zweite Farbschicht aufgetragen werden soll, so muss die Maschine irgendwie erkennen können ob der Rohling noch richtig ausgerichtet ist.

Würde sie das nicht prüfen, könnte nicht sichergestellt werden das die zweite Farbschicht passend zur ersten aufgetragen wird und es würden sehr merkwürdige Drucke dabei herauskommen.

Ob die Tube richtig ausgerichtet ist erkennt also ein optischer Sensor an eben unserer geheimnisvollen Markierung.
Doch auch nach dem Druck spielt sie nochmals eine wichtige Rolle. Ist die Tube bereit zum befüllen so muss sie erneut auf ihre Ausrichtung geprüft werden.

Diesmal um sicherzustellen das die Schweißnaht, oder Falz bei Alu-Tuben (hier ist die Markierung dann meist unter der Falz verschwunden), so verläuft, das beim hinlegen der fertigen Tube der Name mit einer Wahrscheinlichkeit von 50/50 von oben lesbar ist.

Wo gibt es solche Markierungen noch?

Im Text des Märchens ist noch von Shampoo die Rede. Das ist in soweit richtig das es auch dort diese oder ähnliche Markierungen gibt um zum Beispiel für die Maschine deutlich erkennbar zu machen wo ist Vorne und Hinten an der Flasche und klebt sie das Etikett auf die richtige Seite.
Ebenfalls findet man eine ähnliche Markierung namens Passernut bei Getränkeflaschen die zwar eine runde Grundform haben aber es vom sonstigen Design nötig machen das Etiketten auf einer bestimmten Seite aufgeklebt werden bzw. weil sie ebenfalls mit mehreren Farbschichten bedruckt werden (gutes Beispiel sind hier Alu-Flaschen aus dem Radsport).

So sieht eine Passernut aus (in diesem Fall soll das Etikett vorne auf der Flasche kleben und der kleine Henkel hinten sein):

Wir hoffen euch nun umfassend über dieses Märchen aufgeklärt zu haben und das ihr den Teilern damit gleich den Wind aus den Segeln nehmen könnt.

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