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Ist es gekränkter Stolz? Ist es Eitelkeit? Kai Diekmann wirft ausgerechnet dem FC St. Pauli Flüchtlingsfeindlichkeit vor.

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Mimikama: Information

Kai Diekmann, seines Zeichens Chefredakteur der Bild, fährt derzeit seinen persönlichen Feldzug gegen die Kiezclub und tagged den Verein auf Twitter mit kruden Unterstellungen:

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(Screenshots: Twitter)

Darüber wird sich die @AfD_Bund freuen: Beim @fcstpauli sind #refugeesnotwelcome

Kein Herz für Flüchtlinge: Schade eigentlich, @fcstpauli! #refugeesnotwelcome St. Pauli boykottiert „WIR HELFEN“

Die Unterstellung des Chefredakteurs: beim FC St. Pauli seien “Refugees not welcome” (Flüchtlinge sind nicht willkommen).

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Soll man nun lachen oder weinen?

Diese Aussage kann man als glatten Fail gelten lassen. Wie kommt man darauf, ausgerechnet dem FC St. Pauli eine flüchtlingsverweigernde Haltung zu unterstellen, ja gar eine Nähe zur AfD zu suggerieren?

Ganz einfach:  Der BILDblog, ein ein 2004 von mehreren Medienjournalisten betriebener Watchblog, welcher nichts mit der BILD zu tun hat, sondern eher kritisch mit den Inhalten der BILD umgeht, beschreibt es so:

Hintergrund ist der kommende Spieltag in der ersten und zweiten Fußballbundesliga. Normalerweise laufen die 36 Profiklubs mit einem Hermes-Werbeaufnäher auf dem Trikotärmel auf. Dieses Wochenende wird stattdessen das „Wir helfen“-Logo der „Bild“ hundertfach zu sehen sein. Für diesen werbetechnischen Coup beweihräuchern sich Diekmann und seine Mitarbeiter fleißig selbst, Hermes-Chef Hanjo Schneider bekam heute als Lohn den Titel „Gewinner des Tages“ in der „Bild“-Zeitung verliehen.

An dieser Aktion, so berichtet es auch die BILD selber, macht der FC St. Pauli nicht mit. Das scheint den Chefredakteur dermaßen zu erzürnen, dass er dem Club vorwirft, gegen Flüchtlinge zu sein.

Interessanterweise …

… ist es ausgerechnet dieser kleine Fußballklub aus Hamburg, welcher seit langem und deutlich für eine freundliche Willkommenskultur einsteht. So gab es erst am 08. September ein großes Benefiz-Spiel gegen den BVB Dortmund

EINFACH MAL WILLKOMMEN SAGEN
Das Testspiel gegen Borussia Dortmund brachte nicht nur aus sportlicher Sicht Erkenntnisse, sondern war vor allem menschlich ein voller Erfolg. Unter dem Motto „Refugees Welcome“ stand vor und während des Spiels die Begegnung und das Willkommen im Mittelpunkt.

Ebenso ist gerade der FC St. Pauli über die Landesgrenzen mit genau dieser Aktion bekannt, selbst die New York Times berichtete.

Warum nun ausgerechnet am Millerntor die Aktion der BILD nicht ankommt, nennt der kaufmännische Geschäftsleiter Andreas Rettig in einer Stellungnahme auf der Vereinshomepage:

„Der FC St. Pauli ist seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu einem Thema, das seit Monaten alle emotional bewegt, aktiv, um den Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, zu helfen. Unser Testspiel gegen Borussia Dortmund, das private Engagement unserer Spieler sowie verschiedenste Aktionen unserer Fans und Abteilungen für die Flüchtlinge in Hamburg sind Beleg dafür. Daher sehen wir für uns nicht die Notwendigkeit, an der geplanten, für alle Clubs freiwilligen Aktion der DFL teilzunehmen. Hierüber haben wir vorab alle Beteiligten informiert. Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird.“

Auch die unzählige Usermeinungen einig: man geht davon aus, dass sich der FC St. Pauli nicht von der BILD instrumentalisieren lassen will, erst recht nicht, wenn man schon seit langer Zeit selber aktiv sich für Flüchtlinge einsetzt.

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(Screenshot: 11Freunde)

Ebenso sieht das Fußballmagazin “11Freunde” auch kritisch:

Ob also eine Zeitung, die in den vergangenen Jahren nicht gerade für eine herzliche deutsche Willkommenskultur stand, der richtige Partner für so eine Aktion ist. Eine Zeitung, die  noch vor wenigen Monaten mit Schlagzeilen wie dieser Stimmung machte: »Sanitäter tragen Schutzwesten aus Angst vor Attacken im Asyl-Hotel« (8. September 2014). Oder dieser: »Rentner raus, Flüchtlinge rein« (11. März 2014). Und die regelmäßig voller Sorge fragt, wie viel Euro im Monat ein Asylbewerber von der Bundesrepublik bekommt, während die deutschen Hartz-IV-Empfänger kaum noch Brotkrumen zum Leben haben. Nun hat sich die »Bild« also die Hilfe für Flüchtlinge auf die Fahne geschrieben. Als wolle man mal eben schnell ein Feuer löschen, das man zumindest teilweise selbst gelegt hat.
[…]
Wobei man nicht so recht wusste, ob er sich bedankte, weil sich die Bundesliga für Flüchtlinge einsetzt – oder weil er es so toll findet, dass am Wochenende mehr als 400 Erst- und Zweitligaspieler Werbung für seine Zeitung machen.

Gekränkte Eitelkeit

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Menschen gegen die BILD aussprechen. Im Netz finden sich mittlerweile auch Unmengen Sympathiebekundungen zu dieser Entscheidung, speziell die Unterstellung des Hashtags #refugeesnotwelcome ist Unsinn, wenn man auf die Vorgeschichte achtet. Um es jedoch mit den Worten des BILDblog auszudrücken:

Für Kai Diekmann reicht das alles scheinbar nicht. Solidarität mit Flüchtlingen bedeutet für ihn, sich seinem Blatt zu beugen.

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